Mediation zielt auf einvernehmliche Lösung

Mediation ist eine erfolgreiche Methode zur Konfliktlösung.
Mediation ist eine erfolgreiche Methode zur Konfliktlösung.
Foto: WAZ / Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Wenn zwei sich streiten, kann ein Dritter mit strukturierter Moderation „Frieden stiften“. An der VHS gibt es seit zehn Jahren die Mediatoren-Ausbildung. Rund 130 Teilnehmer waren bisher dabei

Mülheim.. Wenn zwei sich streiten, braucht es manchmal einen Dritten, der mit den Kontrahenten nach einer tragfähigen Lösung für die Zukunft sucht: Die Mediation ist ein professionelles Verfahren, das Befriedung anstrebt und Perspektiven aufzeigt. An der Mülheimer VHS gibt es seit zehn Jahren die Ausbildung zum Mediator. Rund 130 Teilnehmer haben bisher an der berufsbegleitenden Schulung teilgenommen. Sie erstreckt sich über ein Jahr und umfasst sechs Wochenendseminare sowie zwei einwöchige Bildungsurlaube. „Die Kursteilnehmer kommen aus den verschiedensten Bereichen. Ich hatte schon Anwälte, Abteilungsleiter großer Firmen, Mitarbeiter von Jugendämtern und Wohlfahrtsverbänden, aber auch einen Schornsteinfeger oder eine pensionierte Studienrätin im Kurs“, sagt Monique Ridder.

Die Mediation gewinne immer mehr an Bedeutung. Was wohl auch an einer Vorgabe der EU liegt. Diese hat per Gesetz festgelegt, dass alle Mitgliedsstaaten die Mediation in ihr Rechtssystem integrieren müssen. „Auch um die Gerichte zu entlasten“, so Ridder. Bis 2016 soll jedes Land auch seine Mediationsfallzahlen melden. „Man weiß hierzulande aber noch gar nicht, wie die überhaupt ermittelt werden sollen.“ Ohnehin seien andere Länder in Sachen Mediation weiter als Deutschland. In Italien etwa müsse neuerdings jeder Gerichtsverhandlung eine Mediation vorangehen, die den Prozess im Idealfall unnötig macht.

Einvernehmliche Lösung gesucht

Anwenden lässt sich die Mediation in allen erdenklichen Streitfällen. Beim Krach in der Familie, bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, Erbauseinandersetzungen, Scheidungen, Unstimmigkeiten in der Schule, Konflikten im Beruf, interkulturellen Problemen, uvm. „Sehr erfreulich ist, dass die Mediation in der Wirtschaft, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber auch innerhalb von Abteilungen zugenommen hat“, findet Monique Ridder.

Die Inhalte der Ausbildung an der VHS (nur ein Anbieter von vielen) sind vielfältig: Da geht es zunächst darum, das Verfahren der Mediation mit seiner genau festgelegten Struktur (und Gesprächsführung) kennenzulernen. Geübt wird außerdem die gewaltfreie Kommunikation. Weitere Kurs-Module beschäftigen sich mit Familie/Schule/Partnerschaft, Interkultureller Mediation, Täter-Opfer-Ausgleich, Wirtschaftsmediation. Auch „50 Werkzeuge für die Mediation in größeren Gruppen“ werden vermittelt. Die Ausbildung endet mit der Zertifizierung, für die auch das Bearbeiten eines echten Falls Voraussetzung ist.

Monique Ridder ist selbst als freiberufliche Mediatorin tätig, viele ihrer Kursteilnehmer nutzen die erworbenen Kenntnisse in ihrem Job. „Wenn mehr Leute wüssten, was Mediation ist, würde diese noch mehr in Anspruch genommen. Bei der Mediation wird immer eine einvernehmliche Lösung gesucht, es gewinnen immer alle“, so Ridder.