Massen an der Moschee
22.03.2010 | 13:00 Uhr 2010-03-22T13:00:00+0100
Auf engstem Raum an der Sandstraße treffen am Freitag, 26. März, drei Veranstaltungen aufeinander: die Mahnwache von Pro NRW, eine linke Gegendemo und ein Gemeindefest von Moscheeverein und Mülheimer „Bündnis für Toleranz und Dialog“, zu dem sich mehr als 50 Organisationen zusammengetan haben.
„Das ist ein Spannungsfeld, das für uns nicht so einfach ist“, sagt Peter Elke, Sprecher der Polizei Essen/Mülheim. „Man wird sich sehen, man wird sich nahekommen.“ Die Polizei habe vor Ort die Aufgabe, jeder Gruppierung ihr Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit abzusichern. „Falls erforderlich, werden wir uns dazwischen platzieren“, sagt er mit Blick auf befürchtete Ausschreitungen zwischen linkem Spektrum und Pro NRW. Laut Angaben der Polizei wird Pro NRW mit einer Personenstärke von „deutlich unter hundert“ erwartet, zu den mehreren angemeldeten Gegendemos werden „deutlich mehr Leute erwartet“.
Ende dieser Woche werden an der Sandstraße Menschen aufeinandertreffen, wie sie unterschiedlicher in ihrer Meinung nicht sein könnten: Die rechte Gruppierung „Pro NRW“ hat sich während ihrer „Mahnwachen“-Serie zu ihrer „Internationalen Konferenz für ein Minarettverbot“ in Mülheim angesagt. Am Freitag wird die selbsternannte Bürgerbewegung vor der Fatih-Moschee demonstrieren – und wird vor Ort deutlich in der Minderzahl sein. Mülheim hat eine breite Gegenbewegung formiert.
Unter dem Motto „Abendland in Christenhand“ will die rechtspopulistische, auf Ressentiments gegen Fremde(s) setzende Organisation am 26. März an sechs Moscheen im Ruhrgebiet Präsenz zeigen – so in Mülheim. Am Samstag folgt ein „Themenparteitag“ in Gelsenkirchen, am Sonntag ist eine „große Abschlusskundgebung“ samt Protestzug zur Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh geplant.
„Pro NRW“ greift das jüngst von Schweizer Bürgern durchgesetzte Minarettverbot auf und tritt für ein EU-Bürgerbegehren und eine NRW-Volksinitiative für ein Verbot „nach Schweizer Vorbild“ ein. Zur Abschlusskundgebung in Duisburg rechnet „Pro NRW“ mit über 1500 Teilnehmern, darunter „etliche Hundert Anhänger befreundeter patriotischer Gruppierungen aus Flandern und Frankreich“ – erwartet werden auch NPD-Anhänger, von denen sich „Pro NRW“ jüngst zu distanzieren versuchte.
Das nimmt ihr das Mülheimer „Bürgerbündnis für Toleranz und Dialog“ nicht ab. Auf Initiative der SPD haben sich in ihm mehr als 50 Organisationen zusammengetan, um laut Aufruf schon im Vorfeld der „Mahnwache“ von Pro NRW deutlich zu zeigen: „Wir stellen uns den politischen Brunnenvergiftern entgegen. Wir dulden keine Fremdenfeindlichkeit, wir dulden keine religiöse Ausgrenzung. Im Namen der Toleranz: Wir haben die Pflicht, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ Von A wie die Amnesty-Gruppe bis zu W wie die Bürgerbewegung „WIR aus Mülheim“ sind Mülheimer Organisationen dabei; so die komplette Ratspolitik, Bürgervereine, Sozialverbände, Wirtschaft, Gewerkschaften und nicht zuletzt katholische, evangelische und jüdische Gemeinden.
Sie alle sehen Pro NRW als „rechtsradikale, fremdenfeindliche Organisation“. Sie störe das friedliche Miteinander der Religionen, schüre Hass und Vorurteile, untergrabe die Verfassung. „Rechtsradikalismus ist keine Weltanschauung, sondern Menschenverachtung“, heißt es.
„Über eine Gegendemo haben wir lange diskutiert“, so SPD-Parteichef Frank Esser. Letztlich hat das Mülheimer Bürgerbündnis doch darauf verzichtet. Statt dessen lädt die türkische Gemeinde der Fatih-Moschee an diesem Tag ab 11 Uhr zum Gemeindefest in und vor der Moschee an der Sandstraße ein. Das Bürgerbündnis klinkt sich ein.
Für das Fest wird eine Bühne aufgebaut, dort soll es Ansprachen von einem Vertreter der Moschee-Gemeinde, von OB Dagmar Mühlenfeld und dem NRW-Integrationsbeauftragten Thomas Kufen geben. Die Moschee-Gemeinde zeigt sich offen für Diskussionen über Moscheebauten, auch will sie zeigen, wie ihre eigene Moschee in jüngster Vergangenheit gewachsen ist. Musiker Hartmut Kremer singt – unter anderem ein eigens für diesen Tag geschriebenes Stück. Begleitende „spontane, sichtbare Aktionen“ sind in Vorbereitung. Daneben sollen internationale Speisen gereicht werden. Der Arbeitskreis Migration und Geschichte zeigt in der Moschee eine Ausstellung, das „Bündnis der Religionen“ informiert über verschiedene Religionen. Alle Mülheimer sind aufgerufen, ein Zeichen gegen die Pro-NRW-Mahnwache zu setzen.
„Wir wollen mit der ganzen Mülheimer Gemeinde ein Fest feiern“, sagt Osman Safakli, der Vorsitzende des Moscheevereins. „Mit denen da draußen werden wir nichts zu tun haben.“ Safakli wünscht sich für diesen Tag nur eines: „dass es friedlich vorbeigeht“. Er hat nicht nur Angst vor der Mahnwache von Pro NRW („Die kennen unsere Moschee gar nicht“), sondern auch vor Ausschreitungen der linksautonomen Gegendemo.
SPD-Parteichef Frank Esser glaubt nicht, dass das Mülheimer Bündnis „Pro NRW“ am Freitag vertreiben wird, doch: „Sie sollen eines aus Mülheim mitnehmen – die Mülheimer wollen sie nicht!“ Über Moschee- und Minarettbauten dürfe man diskutieren, aber nicht auf jene menschenverachtende, hetzende Art, wie Pro NRW es tue.
Für 12.30 Uhr am Freitag hat SPD-Chef Sigmar Gabriel seinen Besuch der Fatih-Moschee angekündigt. Mit seiner Präsenz an allen Orten von „Mahnwachen“ will auch er ein Zeichen setzen.

21:15
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20:52
Dann kriegse jetzt eine:
Ganz einfach: MENSCHENRECHTE!
(bezügich Ehre/Frauen/Sexualität/Andergläubigkeit/Westkultur/Wahlrecht/Sharia... soll ich fortfahren??)
s
19:54
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18:49
@5: selbstverständlich sind kritische fragen erlaubt, ich habe nur noch nie eine konstruktive kritische frage von diesen betonköpfen gehört oder gelesen.
18:48
ich bin mal gespannt, wieviele sich von den pro-nrwlern da blicken lassen. allzuviele werdens ja nicht werden. die machen ja am freitag vor 6 moscheen im umkreis mahnwachen. ich tippe auf 25 von denen plus 20 gaffer und ca. 100 gegendemonstranten. ich freu mich schon auf den tee aus dem gemeindehaus. mal gucken, ob die pro-leute den ablehnen, bzw. dich auf diskussionen einlassen oder nur verbohrte ewig gestrige stumpfköpfe sind, wie ich sie in köln gesehen habe.
18:46
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