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Markthändler mit Standpunkten

26.03.2012 | 06:00 Uhr
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Foto vom Wochenmarkt auf der Schloßstrasse in Mülheim.Foto: Lars Fröhlich

Mülheim.  Es regt sich Widerstand gegen die Idee, den Wochenmarkt zukünftig von der Schloßstraße vor das Rathaus zu verlegen.

„Wenn das so kommt, dann wird die Schloßstraße ja noch toter“, steigert Hannelore Förster eine Sache, die eigentlich nicht mehr steigerungsfähig ist. Außer ihrem Ärger. Denn für die Händlerin, die an ihrem Stand Textilien verkauft, hat die Idee, den Wochenmarkt von der Schloßstraße wieder auf den Rathausplatz zurück zu verlegen, nichts als Webfehler. „Das bringt doch nix“, sagt Hannelore Förster. „Dann höre ich endgültig auf“.

Schließlich seien es gerade die Markthändler, die die Schloßstraße noch beleben würden. Da pflichtet ihr eine reifere Kundin bei. Seit 30 Jahren sei sie dabei, sagt Händlerin Hannelore Förster, erst auf dem Rathausmarkt, dann auf der Schloßstraße. Früher auf dem Rathausmarkt sei das Geschäft gut gelaufen, „da hielt die Straßenbahn noch, da war noch Laufkundschaft“. Heute sei doch da nur noch Baustelle und Parkplatz.

SPD stellte Antrag

Die SPD hat für die Sitzung des Planungsausschusses am Dienstag den Antrag gestellt, dass die Verwaltung ein Konzept für die zukünftige Gestaltung des Rathausmarktes samt der angrenzenden Bahnbögen nach der Sommerpause vorlegen soll. Sobald der Baufortschritt an der Ruhrpromenade einen störungsfreien Marktbetrieb zulasse, die Baufelder I und II fertig seien, soll der Wochenmarkt wieder auf den Rathausmarkt, so die SPD. Ein Wunsch, den auch die Werbegemeinschaft Innenstadt (WGI) teilt. Ebenso wie WAZ-Leserin Marie Kollmann.

Für Helge Rademacher vom Vorstand des Marktverbandes ist der Fisch aber noch nicht ganz gegessen. „Wir sind ja bereit, mitzumachen.“ Aber an einen Umzug sei erst zu denken unter der Bedingung „das alles fertig ist“, fordert der Fischhändler: Kein Lärm, keine Baustelle und kein Baustaub mehr. Schließlich habe man mit Lebensmitteln zu tun. Der Wochenmarkt vor dem historischen Rathaus, vor toller Kulisse gut und schön – wenn es dabei nicht ein großes Problem gäbe: „Da stehen wir dann verloren mit ein paar Händlern auf der großen Fläche.“ Die Negativ-Wirkung kann sich Rademacher schon jetzt vorstellen.

Wochenmarkt hat lange Tradition

Markthändler aus anderen Städten zu gewinnen, hält er für illusorisch: „Die wechseln nicht gerne“, weiß Rademacher. Denn „auf anderen Märkten ist die Situation doch auch nicht anders“. Der Mülheimer Wochenmarkt hat eine lange Tradition. Seien es noch vor zehn Jahren 56 Händler gewesen, so „sind wir auf zwölf, dreizehn geschrumpft“. Mehr recht als schlecht liefen die Geschäfte, sagt Rademacher: „Wir verdienen uns keine goldene Nase“.

Seit 50 Jahren ist Obst- und Gemüse Henninghaus aus Düsseldorf in Mülheim dabei. Junior-Chef Martin Henninghaus plädiert für den Umzug vor das Rathaus: Wie in anderen Städten „gehört ein Markt auf einen Platz und nicht auf eine Verkaufsstraße“.

Händler leben von Stammkundschaft

Wie sein Kollege Henninghaus lebt der Kartoffelhändler nebenan „von Stammkundschaft“, sagt Torsten Feldmann. Für ihn mache es allerdings „keinen Sinn da wieder runterzugehen“, betont Feldmann: „Hier auf der Schloßstraße hat man wenigstens ein bisschen Laufkundschaft.“

Verändertes Kaufverhalten, Zeitknappheit und das Frische-Angebot in den Zentren auf der grünen Wiese macht Rosita Schaaf dafür verantwortlich, dass das gemütliche Markttreiben mit Gewinn nicht mehr so sei wie früher. Kurze Wege sind gefragt. Als Argument wirft „Wurst-Rosi“ in die Waagschale: „Die Kunden möchten doch, dass wir auf der Schloßstraße bleiben.“ Und Kundenlauf auf dem Rathausmarkt? Da schüttelt sie nur den Kopf. Kunde Rüdiger Sperling sagt: „Der Markt muss auf jeden Fall hier bleiben, sonst ist die Schloßstraße ganz tot.“

Nur wenige verweilen

 

Margitta Ulbricht

Kommentare
26.03.2012
17:32
Markthändler mit Standpunkten
von Kajovo | #5

wo sind denn die 12 bis 13 Markthändler? im Moment zähle ich 6 bis 7 Markthändler und ehrlich gesagt ist mir der Markt zu teuer.

26.03.2012
14:22
Markthändler mit Standpunkten
von joey27 | #4

Eine Lösung die bestimmt alle Beteiligten glücklich macht und viele Wählerstimmen bringt:

Hajekbrunnen weg vom Viktoriaplatz (Platz der alten Synagoge) und zum Rathausmarkt verlegen, der dadurch gewonne Raum kann dann endlich sinnvoll genutzt werden z.B. durch die Markthändler.


26.03.2012
10:25
...„auf anderen Märkten ist die Situation doch auch nicht anders“.......
von hamicha | #3

vielleicht sollten die Verantwortlichen mal einen Blick über den Tellerrand nach Bottrop oder Borbeck werfen ?
Dort funktioniert jedenfalls das "Markttreiben" ,obwohl sich in diesen Städten auch das Kaufverhalten der Bevölkerung insgesamt verändert haben dürfte.
Vmtl. liegt aber auch der geringe Kundenzulauf in MH an der Atmosphäre des "Marktes" und der Preisgestaltung der Markthändler.
ÖPNV-Anbindung oder Parkmöglichkeiten für die Situation verantwortlich machen ? Lachhaft !!

26.03.2012
10:02
Markthändler mit Standpunkten
von dirk7603 | #2

Also, nach meiner Meinung sollte der Markt wieder auf den Rathausmarkt, dann aber mit einem entsprechendem Konzept.

Früher war wirklich für jeden etwas dabei und die Kunden konnten sowhl mit PKW, zu Fuss als auch per ÖPNV dorthin gelangen.

Warum nicht genauso wie in anderen Ländern den Markt aufziehen wie z.B. Frankreich: Dort werden die meisten Märkte auch auf einem zentralen Platz aufgebaut. Und jeder so wie er möchte und nicht einheitlich wie hier in MH mit schönem grün-weissen Planen etc.

Ein Markt muss individuell sein, vielfältig und farbenfroh.

26.03.2012
09:39
Markthändler mit Standpunkten
von Pase_Lacki | #1

Sollte der Markt wieder zum Marktplatz, dann wird es sich wohl innerhalb 1 bis 2 Jahren erledigt haben mit einem Wochenmarkt. Da in der Mülheimer Innenstadt nur die obere Schloßstraße in Verbindung mit dem Forum noch ein bisschen Zulauf hat, nutze ich dort den Markt, wenn ich zufällig vor Ort bin. Den Marktplatz suche ich selten auf, dementsprechend zieht mich da natürlich nichts hin, nur weil da Markt sein sollte. Solange da gebaut und gebastelt wird, ist die untere Innenstadt sowieso tot, sieht man doch hervorragend an den ganzen neuangesiedelten Geschäften: Innerhalb von 50 Metern gegenüber vom Kaufhof haben sich mittlerweile 2 Dönerbuden, 1 Nachtkiosk und 2 türkische Bäckereien angesiedelt. Das wird nicht unbedingt das sein, was die Stadtplaner sich da erhofft haben, aber wenigstens eine Dönerbude, als ein leeres Ladenlokal. Nach Top-Innenstadtlage sieht es dann aber nicht aus, eher nach Bahnhofsgegend, da wird dann auch Ruhrbania nichts mehr dran ändern.

1 Antwort
Markthändler mit Standpunkten
von plattmeeker | #1-1

Alles abreißen1 Eine schöne große Wiese! Herrlich!

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