Das aktuelle Wetter Muelheim 15°C
Stadtplanung

Markt der Möglichkeiten

08.02.2012 | 18:51 Uhr
Markt der Möglichkeiten

Mülheim.Die Idee von Designer Hermann Rokitta, auf der stillgelegten Güterbahntrasse der Rheinischen Bahn, startend auf der Brücke über der Ruhr, einen ausrangierten ICE mit Platz für Gastronomie und Gewerbe zu platzieren, ist nicht vereinbar mit den Plänen für den Radschnellweg Ruhr dort. Das ist das Ergebnis einer Prüfung durch die Fachverwaltung. Das Ende für Rokittas Utopie der „Geilen Meile“ muss aber längst nicht das Ende der Überlegungen sein, was im Quartier rund um die alte Güterbahntrasse getan werden kann, um die Innenstadt im Norden zu beleben . . .

Zunächst noch mal zur Idee der „Geilen Meile“, mit der Designer Rokitta durch die Stadt getourt war – und zweifelsohne Eindruck hinterlassen hatte. Ein Hingucker schwebte ihm für die alte Bahnbrücke vor. Belebend, erfrischend, pubertär: Schlafwaggons für Radtouristen, Gastronomie, Existenzgründer, die mit Hilfe von Wirtschaftssenioren Raum finden, ihre Geschäftsideen zu entfalten. Die Innenstadt braucht zu ihrer Belebung einen Anziehungspunkt auch für junge Menschen, schwebt nicht nur Rokitta vor. Die Utopie von der „Geilen Meile“ hatte er mit Jugendlichen entwickelt.

Machbarkeit stand außen vor

Es war eine Idee. Die Machbarkeit stand bei Rokitta & Co. außen vor. Die sollte, per Auftrag der beeindruckten Politik, nun schließlich von der Fachverwaltung geprüft werden. Mit einem Schuss Sarkasmus im Gesichtsausdruck nahm Baudezernentin Helga Sander seinerzeit diesen x-ten Prüfauftrag entgegen, das Ergebnis verkündete nun der Leiter des Amtes für Tiefbau und Verkehrswesen, Klaus-Dieter Kerlisch, kurz und knapp im Planungsausschuss – Ergebnis: nicht machbar!

Kerlisch verwies auf die Planungen des Regionalverbands Ruhr (RVR) für den Radschnellweg Ruhr über die alte Bahntrasse. So plant der RVR durchgängig mit einer Rad- und Fußwegbreite von fünf Metern. Da die Brücke über der Ruhr aber insgesamt nur 8,70 Meter breit sei, so Kerlisch, sei dort kein Platz mehr für einen 4,40 Meter breiten ICE plus notwendiger sechsstufiger Treppenanlage als Einstieg in die Waggons.

"Geile Meile" zu den Akten gelegt

„Dann blieben nur drei Meter“, so Kerlisch. Das reiche nicht, um der erwartet hohen Zahl an Radfahrern und Fußgängern zwischen Hauptbahnhof und künftiger Hochschule gerecht zu werden. Eine Konzeptstudie des RVR kommt zum gleichen Ergebnis: „unvereinbar“. An der Brücke könne es schon ohne Gastronomie oder anderes Nutzungskonflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern geben.

Die „Geile Meile“ scheint damit zu den Akten gelegt. Die Grundidee daraus, mit „abgefahrenen“ Nutzungen zur Belebung der Innenstadt beizutragen, bleibt aber – und wer weiß, vielleicht wird es die „Geile Meile“ oder ein Projekt mit weitaus konsensfähigerem Namen zwar nicht auf, aber in einiger Zukunft mal unterhalb der Bahntrasse geben. Die Entwicklung der 13 Bahnbögen ist ausgemacht, einen Beitrag zur Entwicklung der Innenstadt leisten zu können.

Das Rathaus ist saniert , Ruhrbania wächst: Da ist die Reaktivierung des Rathausmarktes zentrales Thema, die Bahnbögen als Randbebauung und Anknüpfung zum künftigen Radweg aber ebenso im Visier.

Raus aus den Federn

Das Kölner Planungsbüro Dr. Jansen hat in seinem Zwischenbericht für ein „Integriertes Handlungskonzept Innenstadt“ bereits eine Rückholaktion des Wochenmarktes ans Rathaus als zwingend ausgerufen, dem Thema Bahnbögen hat sich die Wirtschaftsförderung angenommen. Kleine Cafés, Ateliers, Dienstlungen kann sich M&B-Chef Jürgen Schnitzmeier dort vorstellen – „mal schauen, was machbar ist“.

Thorsten Kamp, stellvertretender Leiter des Planungsamtes, hofft, über die Bahnbögen und den Rathausmarkt eine Schnittstelle zwischen Radweg und Innenstadt schaffen zu können. Vielleicht ja auch auf die Art, die Mülheimer Architekten als Idee vorschwebe: in den Bahnbögen „coole Studentenwohnungen“ zu schaffen. Quasi nach dem Motto: Raus aus den Federn, rauf auf die Radtrasse und ab zur Hochschule . . .

Gemeinsamer Innenstadtrundgang

 

Mirco Stodollick

Facebook
 
Kommentare
10.02.2012
18:18
Markt der Möglichkeiten
von michalek | #5

Mit der Überlegung von Herrn Kamp über die Bahnbögen und Rathausmarkt eine Schnittstelle zwischen Radweg und Innenstadt zu schaffen müsste sich auch Kritiker anfreunden können.
Mit Blick auf die neue Hochschule in den Bahnbögen Studentenwohnungen und kleine Cafes zu schaffen runden diese Überlegungen ab. Wenn dann auch noch der Wochenmarkt wieder auf dem Platz vor dem Rathaus Stattfindet dürfte die Innenstadt Aufwind bekommen. Hoffentlich werden diese Überlegungen auch umgesetzt.

09.02.2012
16:15
Markt der Möglichkeiten
von wohlzufrieden | #4

Der Zug ist Gott sei Dank abfahren...

09.02.2012
12:00
Es gibt nur eine geile Meile
von schweinchen_schlau | #3

....Reeperbahn
Sie ist und bleibt die einzig "Geile Meile", da behält Panik-Udo Recht.

Und das ist auch gut so. Aber die Nutzung der 13 Bögen ist wirklich nicht die schlechteste Idee. Mit relativ wenig Mitteln ließe sich wieder eine sinnvolle Verwendung der innenstädtischen Flächen finden. Das gab es doch bis in die 80er Jahre hinein schon einmal, bis die damalige DB dies beendete. Alles Geschichte inzwischen, aber es ist eine Überlegung wert.

08.02.2012
20:16
Markt der Möglichkeiten
von Prof.Dr.Platt | #2

[url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/mackschjefrap4sfkbg1l.jpg[/img][/url]

08.02.2012
20:11
Och, schade!
von Prof.Dr.Platt | #1

Das trifft mich hart!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6330306/create

Umfrage der Woche
Die Bauarbeiten für die Ruhrpromenade haben begonnen. Im März 2013 soll sie fertig sein. Prima Promenade an der Ruhr?

Die Bauarbeiten für die Ruhrpromenade haben begonnen. Im März 2013 soll sie fertig sein. Prima Promenade an der Ruhr?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Stimmen zum Rauchen
Video
Video
Pfingst-Spektakulum
Bildgalerie
Mittelalter in Broich
Pfingst-Renntag
Bildgalerie
PFERDERENNEN
"beGeistert"
Bildgalerie
Pfingstfest
Aus dem Ressort
Grüne legen Kampagne zu Zivilcourage vor
Sicherheit und Ordnung
Gewalt, Vandalismus und Vermüllung sollen nicht Raum greifen in Mülheim. Eigentlich dürfte dies als gesellschaftlicher Konsens anzunehmen sein. Beklagenswerte Vorfälle in jüngster Vergangenheit lassen aber aufhorchen.
Kulturaustausch beim Schnibbeln und Rühren
Besuch aus Tansania
Es wird geschnibbelt und gerührt, geplaudert und gelacht. Fünfzehn Männer und Frauen stehen um die Kochinseln der Lehrküche und bereiten ihr Mittagessen gemeinsam vor.