Magische Reise durch den Orient

Auch den hiesigen Experten des modernen Tanzes dürfte die algerische Choreographin Nacera Belaza bisher unbekannt gewesen sein. Insofern ist es ein Verdienst der Mülheimer Kultur-Reihe „Klanglandschaften“, die in ihrer Heimat und auch in Frankreich sehr prominente Künstlerin auch einmal einem deutschen Publikum vorzustellen. Im Theater an der Ruhr traf die Algerierin jetzt auf die tunesische Komponistin und Zither-Virtuosin Hend Zouari, die Belazas ungewöhnliche Choreographie „Le temps scellé“ mit faszinierender Live-Musik bereicherte. Im zweiten Teil des Abends lud Hend Zouari dann zu einem eigenen Konzert mit traditioneller tunesischer Musik und mit eigenen Kompositionen ein.

Nacera Belaza, die in Frankreich mit ihren ungewöhnlichen zeitgenössischen Choreographien als Teilnehmerin der großen Tanz-Festivals so etwas wie Kult-Status genießt, ist dort für ihre eigenwilligen Inszenierungen bekannt, die von ihrem Publikum durchaus kontrovers aufgenommen werden. So geht es der Algerierin um das Reflektieren innerer Prozesse in der Wahrnehmung des Raumes durch Geist und Körper.

Tiefe Dunkelheit. Dann erklingt leise eine orientalisch klingende Zither. Vor dem schwarzen Hintergrund ist mit ausladenden Bewegungen die Tänzerin zu erkennen. Arme kreuzen sich zu schnellen Schrittfolgen. Es ist ein geschmeidiges Gleiten, das sich hier im fahlen Scheinwerferlicht vollzieht, das dann mit dem musikalischen Spiel des jungen Damen-Quartetts aus Tunesien eine magische Verbindung eingeht. Zunächst introvertiert und scheinbar selbstvergessen dreht sich die Tänzerin um sich selbst, um dann mit einer zweiten Tänzerin zum Rhythmus der Musik den Rhythmus des Tanzes zu forcieren. Es gab dann viel Beifall für das Duo von Nacera Belaza und für das Quartett von Hend Zouari, das mit sphärisch klingendem Geigen- und Flötenspiel zu einer faszinierenden Orient-Reise einlud, die dann mit einer Schlagzeugerin und zuletzt mit vierstimmigem Gesang noch viel Fahrt gewann und auf ein großes Finale zusteuerte.

Weiter geht’s mit den Klanglandschaften am 14. März mit der kurdischen Sängerin Ciğdem Aslan.