Männer in Pflegeheimen sind oft Einzelgänger

Im Wohnpark Dimbeck wird neuerdings ein regelmäßiger Männernachmittag angeboten: Hier arbeiten Bewohner und Betreuerinnen mit Holz.
Im Wohnpark Dimbeck wird neuerdings ein regelmäßiger Männernachmittag angeboten: Hier arbeiten Bewohner und Betreuerinnen mit Holz.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die männliche Minderheit zieht sich häufiger zurück als Frauen. Es gibt aber auch Gegenbeispiele.

Mülheim.. In Senioreneinrichtungen, besonders in Pflegeheimen, bilden Männer eine Minderheit. „Bei den Aktivitäten ist ihr Anteil noch geringer“, beobachtet Günter Schulte (83), der selber im Wohnpark Dimbeck lebt. Mitarbeiter allerorten bestätigen das.

Bei 101 stationären Plätzen nur 13 Männer, knapp 13 Prozent, so lautet die aktuelle Quote im Ev. Wohnstift Dichterviertel. Leiter Harald Schaal führt dies auch auf Spätfolgen des Zweiten Weltkriegs zurück: „Aus dieser Generation sind nicht so viele übrig geblieben.“

Immerhin habe es vor einigen Jahren im Haus noch für eine klassische Skatrunde gereicht. Sie sei daran zerbrochen, dass das Spiel die Gedächtniskraft der Herren überforderte. „Früher waren die Bewohner fitter. Mittlerweile kommen die Leute immer später und in immer kränkerem Zustand.“

Sie dennoch zu Aktivitäten anzuregen, übernimmt der soziale Betreuungsdienst, zu dem Regine Stoltze gehört. Sie meint: „Frauen lassen sich einfacher locken. Viele Männer haben den Wunsch, sich zurückzuziehen. Wir haben hier ausgesprochene Einzelgänger, die teilweise nicht mal zu den Mahlzeiten aus ihrem Zimmer kommen.“

Männer tun sich schwerer mit Gruppenangeboten

Für den 85-jährigen Manfred Wilmsen gilt das zwar nicht, er unterhält sich drei Mal täglich angeregt mit seiner Tischnachbarin, kommt in der restlichen Zeit aber gut ohne Gesellschaft aus. Wie einst im Berufsleben, erklärt der Ingenieur, der früher weltweit unterwegs war: „Dort hatte ich tolle Wohnungen, aber nach Feierabend hat niemand auf mich gewartet.“

Im Wohnpark Dimbeck sind momentan von insgesamt 95 Bewohnern 23 männlich. „Mit Gruppenangeboten tun sie sich schwerer als Frauen“, sagt Svenja Ester aus dem Betreuungsteam, sitzen auch selten im Gespräch zusammen. „Viele sind eher zurückgezogen oder leider dement.“ Obwohl es beeindruckende Gegenbeispiele gibt, wie Bruno Smorra (95), der sowohl in der hauseigenen Theatertruppe mitwirkt als auch im Bewohnerbeirat. Um auch andere Herren aus der Reserve zu locken, findet im Wohnpark Dimbeck neuerdings jeden zweiten Montag ein „Männer-Nachmittag“ statt. Letztens wurde mit Holz gearbeitet, und auf Wunsch gibt es auch ein Bier. Willi Steinmeier (75), gelernter Monteur, war vom Handwerken ganz angetan. Zuvor konnte man ihn selten zu Betreuungsangeboten bewegen: „Zu viele Frauen...“

Christoph Happe, Sozialarbeiter im Haus Ruhrgarten, hat dagegen vielfach mit Menschen zu tun, die schlicht zu krank sind, um noch Werkzeug in der Hand zu führen: „Früher gab es mehr Runden, die sich zum Kartenspielen trafen oder Ausflüge unternommen haben. Wir haben mittlerweile viele schwer pflegebedürftige Menschen, bei denen das Bedürfnis gar nicht mehr da ist.“

Ehepaare oft in getrennten Zimmern

In Pflegeheimen leben mitunter auch Eheleute gemeinsam, anders als beim Betreuten Wohnen kommt dies jedoch selten vor.

So stehen etwa im Evangelischen Wohnstift Dichterviertel sogenannte „Paarzimmer“ zur Verfügung – zwei Einzelräume plus Bad, die durch einen Flur miteinander verbunden sind – aber momentan ist nur eines entsprechend belegt. Es gebe zwar noch ein weiteres Ehepaar im Haus, berichtet der Einrichtungsleiter Harald Schaal, doch in diesem Fall hätten Mann und Frau jeweils Einzelzimmer in verschiedenen Bereichen.

Schaals grundsätzliche Erfahrung ist diese: „Vor allem, wenn beide Partner krank sind, sagen die Paare oft ganz klar: ,Wir wollen nicht mehr zusammen wohnen.’ Sie möchten die Nähe dann nicht mehr haben.“

Zwei verheiratete Paare gibt es derzeit auch in den Häusern Ruhrgarten und Ruhrblick, wo man keine Appartements bereit hält, aber bei Bedarf eines der wenigen verbliebenen Doppelzimmer anbieten kann. In der Praxis werde dies aber kaum nachgefragt, berichtet Christoph Happe, Mitarbeiter im Sozialdienst. Denn: „Häufig ist die Pflegebedürftigkeit der Partner sehr unterschiedlich. Und dann ist es manchmal besser, wenn das Ehepaar Einzelzimmer unter einem Dach bezieht.“

Männeranteil sinkt mit steigendem Alter

Was im Alltag offensichtlich ist, spiegelt auch die amtliche Bevölkerungsstatistik wieder: Mit steigendem Alter sinkt der Anteil der Männer. So lebten am Stichtag 31. Dezember 2014 in der Gruppe zwischen 65 und 75 Jahren insgesamt 19 011 Menschen in Mülheim, davon knapp 46 Prozent Männer.

Bei den über 75-Jährigen (insgesamt 20 933 Personen) betrug der männliche Anteil nur noch knapp 39 Prozent.