Macke machts möglich

Es hat nicht ganz gereicht. Museumschefin Beate Reese hatte gehofft, die 50 000 Besucher Hürde zu überspringen und damit die bislang beste Besucherbilanz zu verdoppeln. Am Jahresende sind es dann exakt 49 603. „Auch damit sind wir sehr zufrieden“, freut sich Reese. Im Jahr zuvor waren es lediglich knapp 23 000. Was für ein Unterschied! Gewiss, Zugpferd, der die Besucherbilanz auf ungeahnte Höhen trieb, war August Macke. In vier Monaten lockte der bekannte Expressionist rund 34 000 Besucher in die Alte Post am Synagogenplatz. Aber auch ohne ihn wären die Zahlen respektabel.

Kleines Team

Aber auch eine solche Ausstellung, die in Kooperation mit der Stiftung Sammlung Ziegler realisiert wurde, muss man erst einmal mit dem kleinen Team stemmen, Konzeption erarbeiten, Leihgaben organisieren, Werbung konzipieren, dann unzählige Gruppen durch die Ausstellung führen und vieles mehr. Hut ab - für einen solchen Kraftakt. Dank gebührt außerdem Michael Kuhlemann von der Stiftung. In der zweiten Jahreshälfte war das Museumsteam durch die Pensionierung des langjährigen Museumspädagogen und Stellvertreters Gerhard Ribbrock personell geschwächt. Inhaltlich arbeitet neben Reese jetzt nur noch Anja Bauer.

Es sind aber auch die Anstrengungen der vergangenen Jahre, die sich in den steigenden Besucherzahlen niederschlagen. Reese hat das Haus profiliert, sich im Netzwerk der Ruhrkunstmuseen engagiert, Ausschau nach Kooperationspartner gehalten und auch neue Formate gewagt. Wie die temporäre Nutzung der ehemaligen Palette mit dem bewusst schrägen Konzept des „Mythosgrill“. So etwas sorgt auch über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit. Die für das Kunstmuseum eher ungewöhnliche Ausstellung „Gestern die Stadt von morgen“, erwies sich zwar wie erwartet nicht gerade als Publikumsmagnet, fand aber eine gute Resonanz in der Fachpresse. So habe etwa ein Architekturfachmann für die Welt berichtet. So etwas zahlt sich langfristig aus. Gleiches gilt für die im Kulturhauptstadtjahr eingefädelte Kooperation der Ruhrkunstmuseen, die 2014 zur ersten gemeinsamen Ausstellung führte. Zwischen den Museen wurden Bustouren angeboten. Das wird es auch bei der zweiten Ausstellungskooperation in diesem Jahr gegeben, die aktuelle chinesische Kunst präsentiert.

Als Publikumsliebling dieses Jahres dürfte sich die Picasso-Ausstellung erweisen. Präsentiert wird neben der 100 Blätter umfassenden Suite Vollard aus eigenem Bestand sowie einem weiteren Zyklus auch die wohl deutlichste Äußerung des Künstlers gegen Franco, die zeitlich dem bekannten Gemälde Guernica vorausgegangen sind. Die 18 postkartengroßen Radierungen „Traum und Lüge Francos“, die das Museum aus Privatbesitz erhält. Verächtliche Kommentare begleiten die Radierungen. Zu diesen Meisterwerken der Druckgrafik, die vom 15. März bis zum 28. Juni zu sehen sind, bietet das Museum in Kooperation mit dem Best Western Hotel und der MST wie bei Macke auch wieder ein attraktives Übernachtungsangebot an, das auch demnächst auf den Tourismus-Messen beworben wird.

Der Ausstellungsreigen im Museum beginnt nach der noch laufenden Jahresausstellung am 25. Januar mit der Präsentation des Schwarmkunstbildes von Olaf Neumann, für das zahlreiche Mülheimer mit ihren Lieblingswerken im Herbst Modell standen.