M&B will Industriekonferenz für Mülheim einberufen

In den Mannesmannröhren Werken hat jüngst ein Großauftrag für die Erweiterung der Ostsee-Pipeline zumindest auf Zeit für eine Grundauslastung gesorgt. Stellenabbau bleibt aber Thema der Unternehmensleitungen.
In den Mannesmannröhren Werken hat jüngst ein Großauftrag für die Erweiterung der Ostsee-Pipeline zumindest auf Zeit für eine Grundauslastung gesorgt. Stellenabbau bleibt aber Thema der Unternehmensleitungen.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
M&B will Geschäftsführer, Betriebsräte, Arbeitgeberverband und IG Metall an einen Tisch holen, um die aktuellen Krisen der Großunternehmen zu erörtern.

Mülheim.. Mülheims Wirtschaftsförderung kündigt als Reaktion auf die krisenhafte Zuspitzung in zahlreichen Mülheimer Großbetrieben eine Initiative pro Industriestandort an. Sie will mit den Akteuren aus betroffenen Unternehmen, dem Arbeitgeberverband, der IG Metall und der Stadtspitze im Frühjahr nicht nur eine „Industriekonferenz“ ins Leben rufen, sondern auch einen neuen „Masterplan Industrie“ erarbeiten, der sich explizit mit der Zukunft der Industrie in Mülheim befassen soll.

Mit dieser Initiative ging am Mittwoch Chef-Wirtschaftsförderer Jürgen Schnitzmeier als Reaktion auf unsere Berichterstattung zum geplanten massiven Stellenabbau bei der Friedrich-Wilhelms-Hütte in die Öffentlichkeit. Die Situation ist nicht nur in der Hütte verschärft. Auch bei Siemens, bei Europipe, Mannesmann Grobblech und Vallourec, dazu beim Automobilzulieferer Thyssen-Krupp Presta Steer Tec sind Umwälzungen im Gange oder werden diskutiert. Hunderte Industriearbeitsplätze stehen in Mülheim zur Disposition. Das kratzt an der bislang als krisenresistent gewürdigten Wirtschaftsstruktur der Stadt, in der noch immer fast ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ihren Lebensunterhalt im produzierenden, gewerblich-industriellen Bereich verdienen.

Schnitzmeier: Probleme an die die Politik adressieren

M&B-Geschäftsführer Schnitzmeier weiß freilich, dass „wir hier keine Stellschrauben haben“, die Großwetterlage bei den heimischen Unternehmen aufzuhellen. Ziel besagter Industriekonferenz sei aber, „gemeinsam auch politisch zu adressieren, was die drängenden Probleme sind und wie sie sich auf den Standort auswirken“.

Diese Forderung hatten in den vergangenen Monaten immer wieder Betriebsräte der von Stellenabbau bedrohten Unternehmen aufgestellt und beklagt, dass es in dieser wirtschaftspolitisch schwerwiegenden Frage bis dato „seltsam ruhig“ geblieben sei, gar schweigsam die Schreckensnachrichten aus den Betrieben zur Kenntnis genommen würden. Da habe es in früheren Krisenzeiten doch deutliche stadtgesellschaftliche Positionierungen gegeben.

Konferenz soll noch vor den Sommerferien stattfinden

Schnitzmeier entgegnet nun, man habe das besorgniserregende Thema natürlich schon länger im Blick, habe im Hintergrund überlegt, „wie wir damit umgehen und die unterschiedlichen Problemlagen sortieren“. Nun will M&B noch vor den Sommerferien unter Beteiligung von Oberbürgermeister Ulrich Scholten jene Industriekonferenz aus der Taufe heben und gleichzeitig mit Unternehmerverband und IHK einen neuerlichen „Masterplan Industrie“ in Angriff nehmen.

Dieser soll anders als sein Vorgänger nicht die Flächenpolitik im Fokus haben, sondern die Zukunftsfähigkeit der Mülheimer Industrie im Allgemeinen. Auch am Thema Digitalisierung, so Schnitzmeier, bleibe man dran. Sie biete heimischen Unternehmen „große Chancen“.