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Logenplatz am Himmel

16.10.2009 | 06:00 Uhr

Mit WDL-Pilot Pierre Ponomareff über dem Ruhrgebiet unterwegs: Er ist einer von 20 aktiven Luftschiff-Lenkern. Mit Video.

Pierre Ponomareffs Jugendzimmer muss abenteuerlich ausgesehen haben. Schon im Alter von zehn Jahren befanden sich an die 200 Flugzeuge in dem Raum. „Ich wollte schon immer Pilot werden”, erzählt der 60-Jährige, der für die Flotte WDL Luftschiffgesellschaft am Steuerruder sitzt.

Ponomareff begann seine Laufbahn bei der französischen Luftwaffe, war Funker, später Copilot in einem Kampfflugzeug. Er ist ein- und zweimotorige Maschinen geflogen, war als Buschpilot in Afrika unterwegs. Irgendwann so um die Mitte der 80er-Jahre, sah er im Luftraum über seiner Heimatstadt Paris das damals mit „Fuji” beflaggte Luftschiff – und war fasziniert. Ponomareff fuhr hinterher, sprach mit der Crew und stand zwei Tage später bei der WDL unter Vertrag. 50 Menschen weltweit dürfen Luftschiffe fliegen, 20 sind aktiv als Piloten unterwegs. Ponomareff ist einer von ihnen, der Flughafen Essen/Mülheim seine Basis.

Der Blick vom Blimp über die Ruhrtalbrücke.

Ponomareff ist mit dem Luftschiff in den USA geflogen und in Japan. Aber nicht zuletzt das Ruhrgebiet hat es ihm angetan. Besonders eine Strecke: „Werden, Kupferdreh, Baldeneysee, Kettwig – das Ruhrtal”. Aber auch andere Ecken im Revier hat Ponomareff kennen und schätzen gelernt, vor allem angesichts der Vielfalt der Region. Ponomareff zählt auf: der Hafen, die Fabriken, die Eisenbahnen, die Industrie. Oder der Rhein von Düsseldorf über Wesel und Kleve bis an die holländische Grenze – „wie im Urlaub”. Er staunt noch immer, wie sich das Land an der Ruhr unter seinen Füßen verändert hat: von schwarz zu grün.

Am Abend, wenn keine gewöhnlichen Passagiere mehr die Kabine des Luftschiffs besteigen, macht Ponomareff seine Leerflüge, damit das Luftschiff und natürlich die Werbung, die es auf seiner Außenhülle spazieren fliegt, auch in den späten Stunden des Tages noch zu sehen ist. Und auf sich aufmerksam macht. Das sind die Momente, in denen Ponomareff auch selbst zur Kamera greift und die Landschaft und ihre Landmarken aufzeichnet: Zollverein, die Arena auf Schalke, die Halden mit Tetraeder und Skihalle. Die Essener Skyline, die Idylle des Ruhrtals. Villa Hügel und Gasometer. Centro und Limbecker Platz. In 300 Metern Höhe und mit rund 70 Stundenkilometern passiert das Luftschiff die Orte, für die die Menschen hier ihre Region lieben.

Dabei ist es nicht so, dass Ponomareff in dem Ballon, der ohne ein inneres Gerüst in der Hülle auskommt, nichts anderes zu tun hätte, als die Aussicht zu genießen. Höhen- und Seitenruder wollen unter Kontrolle gehalten werden, ständig muss er den Gasdruck im Luftschiff regeln. Und da ist der unterschiedlich beschaffene Luftraum. Die hügeligen Ausläufer des Sauerlands, die platten Ebenen von Wesel-Datteln-Kanal oder der Lippe. Oder wieder die Industrie des Ruhrgebiets, die Fabriken und Kraftwerke, deren warme Abgase den Ballon in die Höhe treiben, wenn Ponomareff mit dem Luftschiff drüberfliegt. „Wir spielen mit dem Auftrieb”, sagt er und lacht.

Startvorbereitung der Bodencrew

Immerhin: Das Fliegen könnte ewig dauern. „Wir haben Sprit für 24 Stunden”, sagt Ponomareff einmal während des Flugs. Trotz der Arbeit in der Kabine: „Fliegen ist Ruhe”, so der Pilot. Fliegen ist in seinem Fall auch Genuss. „Langeweile?”, fragt Ponomareff, „Langeweile ist, wenn wir am Boden sind.” Fünf Jahre lang darf der Pilot noch Passagiere fliegen. 15 000 Stunden seines Lebens hat er in der Luft verbracht. Weitere werden folgen. Es hält ihn nicht am Boden. Wie ein Luftschiff. Das hat die Crew nun am Flughafen Essen/Mülheim fest vertäut. Trotzdem wiegt es im Wind. Abheben ist angesagt. Infos und Tickets: 378080.

Stefan Kober

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