Live-Musik liegt überall in Mülheim in der Luft

Hits zum Abheben: Coversongs aus den 60er Jahren bis heute spielt die Band „MfG“ beim Winterfest in Heißen am Freitagabend, 29. Mai.
Hits zum Abheben: Coversongs aus den 60er Jahren bis heute spielt die Band „MfG“ beim Winterfest in Heißen am Freitagabend, 29. Mai.
Foto: MEG
Was wir bereits wissen
Bands spielen in Lokalen, auf Festen, Partys und Open-Air-Bühnen. Gruppen suchen Auftrittsorte. Die „Amazing Years“ feiern 15-jähriges Bestehen.

Mülheim.. Frühjahr und Sommer sind die Hochzeiten der Feste in den Stadtteilen. Und was wäre ein zünftige Party ohne Live-Band? Es sind die eher „stillen Stars“, die vielen Musiker und Sänger, die sich mit Oldies, Coversongs und Bühnenshow als Stimmungsbeschleuniger erweisen. In Lokalen wie im Alten Schilderhaus, im Mocca Nova oder im Sol neben dem Theater an der Ruhr gehört die Live-Musik mittlerweile dazu wie die goldene Gerstenbrause mit Schaumkrone. Auf der Freilichtbühne, in der VHS und im Medienhaus wird gut und gerne mitgesungen und -geschwoft.

Im Alltag gehen die Mitglieder vieler Gruppen häufig ganz unspektakulären Berufen nach, lassen auf der Bühne dann die „Rampensau“ raus. So wie in der siebenköpfigen Band „Amazing Years“, die in diesem Jahr ihren 15. Bühnengeburtstag feiert. Ein Lehrer ist dabei, ein Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes, ein Architekt, ein Versicherungskaufmann und ein Verkäufer im Möbelhaus.

Eine Reise durch 50 Jahre Pop- und Rockgeschichte

In ihren Shows samt passenden Outfits doubeln sie die Beatles und Blues Brothers, BAP, Roxette, Michael Jackson, Brian Adams sowie viele andere Größen. Mit einem breiten Repertoire aus Kult-Hits wie Hey Jude, Movie Star, Country Roads und Marmor, Stein und Eisen nehmen sie ihr Publikum mit auf die Reise durch 50 Jahre Pop- und Rockgeschichte. Allesamt Lieder, die Party pur-Garanten sind.

„Amazing Years“ mit Musikern aus der Region, gegründet 2000, „hat seitdem weit über 100 Auftritte in Clubs, bei Straßen- und Stadtfesten sowie Auftritte in großen Hallen und bei namhaften Firmen absolviert“, erläuterte Klaus Schlichte. Der Mülheimer ist Schlagzeuger der Band, war 42 Jahre lang als Ingenieur der Chemie beim Max-Planck-Institut beschäftigt und ist seit drei Jahren im Ruhestand. Die Verbindung zur Forschung hat er gehalten – bei den „Energy Converters“, die zweite Coverband, in der Schlichte spielt. Die Musiker sind Mitarbeiter im Max-Planck-Institut.

„Musik immer ein zentraler Punkt“

Mit Ruhe hat der Zustand des 64-Jährigen allerdings wenig zu tun. Wenn Schlichte nicht gerade Musik macht oder damit unterwegs ist, ist er im Schrebergarten zwischen Beeten und Rabatten anzutreffen. Neben der Familie „war die Musik immer ein zentraler Punkt“. Er habe soviel daraus gezogen, „dass ich gern etwas zurückgeben möchte“. So rief er die Lagerfeuer-Reihe im Medienhaus ins Leben, wo an den Abenden vier Musiker oder Gruppen zum Mitsingen einladen.

Er engagiert sich aber auch für die regionale Band-Szene, kümmerte sich lange Zeit um den Musiker Stammtisch. Denn „prinzipiell ist es schwer geworden, Auftrittsmöglichkeiten zu finden“, sagt Schlichte. Auf locker 40 Bands schätzt Schlichte die lokale Szene. Für die sei das Brunnenfest eine ideale Möglichkeit gewesen, sich zu präsentieren. An einem Wochenende gab’s immer Live-Musik draußen und drinnen in den ganzen Lokalen in der Innenstadt. „Das Brunnenfest war für die Musiker ein Highlight. Alle haben bedauert, dass es weggefallen ist.“

Um Auftrittsmöglichkeiten für Bands bemüht, klopft er bei den Gastronomen in der Stadt an, „um Lokale zu finden, die sich dafür interessieren, Live-Musik anzubieten“. Das könne für sie ein Ankerpunkt sein, eine neue Schiene aufzubauen. Wenngleich Live-Musik Publikum und Gäste in Lokale ziehen kann und mitunter einen langen Atem braucht, muss es nicht zwingend überall klappen. Aber es gibt gute Beispiele. Jedenfalls war die sechste Auflage des Mai-Rock kürzlich im Schilderhaus „wieder rappelvoll“.