Leseratten einen Überblick geben

Jeden ersten Freitag im Monat bietet das Medienhaus in Mülheim eine Führung durch die Stadtbibliothek an. Petra Drygala erzählt Fakten rund ums Haus.
Jeden ersten Freitag im Monat bietet das Medienhaus in Mülheim eine Führung durch die Stadtbibliothek an. Petra Drygala erzählt Fakten rund ums Haus.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Das Medienhaus bietet Führungen an. Vorgestellt werden einzelne Medien, Ausleihmöglichkeiten und das Gebäude. Ziel ist es, Hemmungen abzubauen.

Mülheim.. Dass eine Bibliotheksführung nicht nur bei kleinen Leseratten sinnvoll sein kann, zeigt sich bei den regelmäßigen Veranstaltungen des Medienhauses, bei denen Mitarbeiter interessierte Bürger mit der Stadtbibliothek und ihren Möglichkeiten vertraut machen. Am vergangenen Freitag übernahm diese Aufgabe Petra Drygala, die bereits seit 1984 für die Mülheimer Stadtbücherei arbeitet.

„Das Medienhaus ist nicht nur seit 2009 der neue Standort der Bücherei“, sagt Petra Drygala. „Für mich und mit Sicherheit für viele andere Mülheimer ist es auch ein historischer Ort.“ Denn bis 1938 stand dort die alte Synagoge, bis sie in der Reichskristallnacht den Flammen zum Opfer fiel. Deshalb beginnt die Führung auch in der dritten Etage des imposanten Gebäudes, wo sich die Teilnehmer dank der tollen Aussicht durch die großen Fenster zunächst einen Überblick über die Umgebung machen können und von Petra Drygala historische, bauliche und technische Informationen erhalten.

Ute Krauß nutzt mit Tochter Georgina die Gelegenheit, das Medienhaus besser kennenzulernen. „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass solche Führungen angeboten werden und meine Tochter meinte, dass wir das doch mal nutzen sollten“, sagt die Saarnerin. „Ich muss gestehen, dass wir noch nie im Medienhaus waren und so eine professionelle Führung ist natürlich ein guter Einstieg.“

Erinnerungen werden wach

Während die Büchereimitarbeiterin die technischen, modernisierten Abläufe der Medienausleihe erklärt, werden bei den älteren Besuchern Erinnerungen wach. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass früher in den Büchern immer Zettel eingeklebt waren, auf denen das Rückgabedatum eingestempelt wurde“, sagt Ute Krauß. „Dass jetzt alles auf Selbstbedienung und auch Selbstbuchung ausgerichtet ist, daran muss man sich erst gewöhnen.“ Aber genau dafür bieten die Mitarbeiter des Medienhauses die Führungen ja an. Immerhin eine Stunde lang geht es von Etage zu Etage, auf denen den Nutzern ein Gesamtbestand von rund 214.000 Medien zur Verfügung steht.

Geduldig erklärt Petra Drygala den Sinn der Anordnung der Medien nach Sachgebieten aber auch Medienform. Denn die Zeiten, in denen die Bücherei nur Bücher zur Ausleihe bereitgehalten hat, sind lange vorbei. Ob DVDs, CDs oder auch Computerspiele und Konsolen, das Medienhaus hat vieles auf Lager. Besonders über die Möglichkeit der Onleihe, also einer virtuellen Bibliothek, bei der sich die Kunden digitale Medien ganz einfach von zu Hause aus ausleihen können, zeigten sich die Besucher erstaunt. „Durch die Führungen möchten wir uns den Bürgern vorstellen und bekanntmachen, was es hier im Medienhaus alles für Möglichkeiten gibt“, sagt Petra Drygala. „Es ist die Möglichkeit, den Kunden einmal alles in Ruhe zu erklären, das ganze Haus zu präsentieren und unser Angebot im Detail zu zeigen.“

1000 Kunden pro Tag

Im normalen Betrieb, bei durchschnittlich 1000 Kunden pro Tag, sei das eher schwierig. Mutter und Tochter Krauß bereuen es keine Minute, sich die Zeit genommen zu haben. „Es macht Lust auf Lesen und die Führung war sehr informativ“, resümiert Ute Krauß. „Die Hemmschwelle, jetzt öfter zu kommen, ist weg. Und meine Tochter und ich werden uns auch wieder einen Ausweis machen lassen.“