Lesarten des Lebens

Wenn am gleichen Tag zwei bedeutende Schriftsteller sterben, dann lässt sich dieser Termin gut für die Literatur verbuchen, auch noch 399 Jahre später. Am 23. April 1616, dem Tag an dem Shakespeare und Cervantes das letzte Kapitel im Buch des Lebens beendet haben, war der Buchdruck erst hundert Jahre alt. Bücher waren damals die neuen Medien. Heute denken wir bei diesem Stichwort nicht mehr nur an gebundene Bücher, sondern auch an E-Books, Smartphones oder I-Pads. Gelesen wird aber immer noch. Und das durchaus mit der gleichen Leidenschaft.

Auch in der Stadtbibliothek spiegelt sich die Digitalisierung der Lesekultur wider. Bei der Onleihe, also bei einem Angebot, wo die Nutzer virtuell auf Lesestoff zugreifen können, verzeichnen die Bibliothekare Zulauf. Interessanterweise durchaus von den gleichen Personen, die auch weiterhin gebundene Ausgaben bevorzugen. Es kommt eben immer auf die Gelegenheit an. Mal ist es praktischer, vom Bildschirm abzulesen, in einem anderen Moment bevorzugt man lieber die klassische Form beim Schmökern. Es geht nicht um entweder -oder, sondern um sowohl als auch. Das Leben hat eben viele Lesarten.

So war es immer und so soll es bleiben. Für Kulturpessimismus gibt es keinen Grund. Seit 20 Jahren gibt es nun diesen Tag des Buches. Man sollte ihn weniger dazu nutzen, zu klagen und zu mahnen. Vielmehr sollte man Lust zum Lesen verbreiten.

Wir stellen Ihnen daher heute ganz unterschiedlich Lesarten vor. Nicht immer ganz ernst, aber doch hoffentlich immer interessant.

Lesen kann man nicht nur in Büchern, sondern auch in anderen Menschen, in der Welt. Und am Ende steht immer eine Geschichte.