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Leiterin der evangelischen Ladenkirche geht in Ruhestand

20.01.2016 | 17:48 Uhr
Leiterin der evangelischen Ladenkirche geht in Ruhestand
Nina Gutmann leitete viele Jahre die evangelische Ladenkirche an der Kaiserstraße.Foto: Katharina Gilles

Mülheim.   Nina Gutmann und ihre ehrenamtlichen Helfer haben die evangelische Ladenkirche zu einem anziehenden und ansprechenden Treffpunkt gemacht.

„Die evangelische Ladenkirche wird heute und in Zukunft mehr denn je gebraucht“, sagt Nina Gutmann. Sie selbst verlässt die Ladenkirche an der Kaiserstraße, die sie ein Jahrzehnt lang geleitet hat, jetzt in Richtung Ruhestand. „Es war eine sehr schöne und sehr aktive Zeit, in der mir die Kreissynoden allerdings immer wieder zugesetzt haben“, blickt die promovierte Literaturwissenschaftlerin auf ihre city-pastorale Arbeit für den evangelischen Kirchenkreis an der Ruhr zurück.

2011 halbierte die Kreissynode ihre volle Stelle und machte die Arbeit an der Basis damit nicht leichter. Nur mit einer Gruppe von rund 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern konnte sie die Ladenkirche werktags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr für die bis zu 60 Besucher offenhalten. Solange Gutmann eine volle Stelle hatte, gab es in der Ladenkirche bis zu 60 Veranstaltungen pro Jahr – von Konzerten, Ausstellungen und Lesungen bis zu Bibelarbeiten und Diskussionen.

Nachdem die Stelle halbiert wurde, wurde die Zahl der Veranstaltungen um etwa ein Drittel reduziert. Wenn Gutmann jetzt geht, werden auch die werktäglichen Öffnungszeiten um eine Stunde verkürzt. Die Ladenkirche schließt künftig um 17 Uhr.

In den vergangenen zehn Jahren kamen insgesamt 486 Menschen in die Ladenkirche um erstmalig oder wieder in die evangelische Kirche einzutreten. Während der Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst und sein allzu üppiges Bischofspalais kamen besonders viele Katholiken zu ihr, um zu konvertieren.

Zentrale und niederschwellige Anlaufstelle der Kirche

„Ich möchte wieder dazu gehören und die soziale Arbeit der Kirche unterstützen“, hat sie immer wieder von Kirchenrückkehrern zu hören bekommen. „Ich war immer wieder erschrocken, wie viele Menschen heute einsam sind und niemanden haben, mit dem sie offen sprechen können“, sagt Nina Gutmann. Nicht nur sozial benachteiligte, sondern auch beruflich erfolgreiche und gesellschaftlich angesehene, aber offensichtlich sozial isolierte Menschen fanden bei ihr ein offenes Ohr.

Gerade in Zeiten, in denen Kirchenferne und Glaubensverlust um sich greifen, brauche, so ist Gutmann überzeugt, die Kirche eine zentrale und niederschwellige Anlaufstelle, wie die Ladenkirche. Deshalb freut sie sich darüber, dass der Kirchenkreis An der Ruhr zumindest ihre halbe Stelle wieder neu besetzen will. Gutmann glaubt, dass die Kirche stärker auf Schwerpunktgemeinden setzen sollte, um so mit einem kulturell, sozial oder liturgisch profilierten Gemeindeprogramm, Menschen direkter ansprechen zu können.

Werdegang:

Nina Gutmann wurde als Tochter russlanddeutscher Eltern 1952 in Sibirien geboren. Später arbeitete die Literaturwissenschaftlerin als Unidozentin in Kasachstan. 1990 kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland.

In der atheistischen Sowjetunion hatte sie ihren von der Oma erlernten Glauben nicht offen leben können. Gottesdienste und Taufen fanden unter der Leitung theologisch gebildeter Laien im Wohnzimmer statt. In Deutschland qualifizierte sich Nina Gutmann zur Deutsch-Dozentin und gab Sprachkurse für Arbeitssuchende, ehe sie 2005 über das Diakoniewerk Arbeit & Kultur zur Ladenkirche kam. Auch heute gibt sie als Honorarlehrkraft Deutschkurse für Zuwanderer. Im Ruhestand möchte sie nun einen Englischkurs besuchen.

Die Verabschiedung ist am Donnerstag, 21. Januar, um 18 Uhr zunächst in der Petrikirche. Nach dem Gottesdienst geht es zum Empfang in die Ladenkirche an der Kaiserstraße 4.

Thomas Emons

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2016-01-20 17:48
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