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Leiharbeit boomt auch in Mülheim

29.07.2010 | 16:18 Uhr
Leiharbeit boomt auch in Mülheim
Die offizielle Zahl der Arbeitslosen stieg in Mülheim um 125 Personen auf 7293 Arbeitslose. Bild: Ilja Höpping

Sie waren in der Krisenzeit die ersten Opfer am Arbeitsmarkt, jetzt sind sie wieder gefragt: Auch in Mülheim zieht die Nachfrage nach Leiharbeitskräften spürbar an.

Fast jede dritte freie Stelle, die die Agentur für Arbeit zurzeit für Mülheimer Arbeitgeber vermitteln kann, ist in der Zeitarbeitsbranche beheimatet.

Seit Jahresbeginn haben Zeitarbeitsfirmen der Arbeitsvermittlung fast 600 Stellen gemeldet, das sind 4 % mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Aktuell hat die Agentur 679 unbezuschusste Jobs in der Ruhrstadt anzubieten, 203 davon in der Zeitarbeitsbranche.

Die Leiharbeitsfirmen, so Agentur-Sprecherin Katja Hübner, suchen indes kaum Helfer. Sie suchen ausgebildete Fachkräfte. Die Einsatzbereiche sind bunt gemischt: Es gibt kaufmännische Stellen, Jobs in der Metall- und Elektrobranche, in der Pflege, in Call Centern. Auch Kommissionierer und Gabelstaplerfahrer sind gefragt. Gewerkschafter beklagen, wie berichtet, den Trend. Sie fürchten die Verdrängung von Stammkräften und eine Spaltung der Belegschaften. Die Bundes-SPD hatte erst am Donnerstag wieder einen gesetzlichen Mindestlohn für Zeitarbeit gefordert.

Gestern legte die Arbeitsverwaltung auch ihren Monatsbericht für Juli vor. Demnach ist die offizielle Zahl der Arbeitslosen in Mülheim um 125 Personen auf 7293 Arbeitslose gestiegen. Die Quote erhöhte sich, saisonal üblich, leicht auf 8,9 % (Juli 2009: 8,7 %). Vor allem sind mehr junge Menschen arbeitslos gemeldet. Viele haben im Juli ihre Schul- oder Berufsausbildung beendet und sind momentan beschäftigungslos. Agentur-Chef Heinrich Lehnert macht den Jüngeren aber Hoffnung: „Junge Fachkräfte werden aktuell sowie in naher Zukunft verstärkt nachgefragt. Wir sind zuversichtlich, dass diese jungen Menschen schnell eine neue Beschäftigung finden.“ Schwieriger dürfte es für ältere Arbeitslose ab 50 werden. 2285 Menschen aus dieser Generation sind momentan ohne Arbeit. Ein positives Zeichen: Im Juli trudelten nur fünf neue Anzeigen zur Kurzarbeit in kleinen Firmen ein. Der Trend der Erholung setzt sich fort.

Gegenüber der offiziellen Arbeitslosenzahl geben andere Zahlen der Agentur allerdings bessere Auskunft über das tatsächliche Ausmaß der Unterbeschäftigung. Zählt man etwa Ein-Euro-Jobber und Menschen in anderen Maßnahmen der Agentur hinzu, haben 9166 Mülheimer keinen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Mirco Stodollick

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Kommentare
01.08.2010
11:31
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von micha69 | #7

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01.08.2010
11:31
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von micha69 | #6

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01.08.2010
11:31
Leiharbeit boomt auch in Mülheim
von micha69 | #5

Es wird endlich Zeit das bei der Zeitarbeit aufgeräumt wird. Wenn man nämlich Einsicht in die Rechnungen der Leihfirmen hat als Leiharbeiter, entblösst sich der ganze Betrug. Wenn man 1500 brutto als Sachbearbeiter erhält und das Urlaubsgeld nicht gezahlt wird, steht auf der Rechnung der Leihfirma das 3-bis 3,5 fache meines Lohns auf der Rechnung und Urlaubsgeld wird berechnet. Das ist Betrug auf beiden Seiten, denn der Entleiher denkt ja der Mitarbeiter erhält Urlaubsgeld. Warum wird aber mind. das 3 fache an den Entleiher berechnet fürs Nichtstun? Und das über Jahre? Ich koste ja dann mehr als ein Festangestellter. Genau da ist die Goldgrube riesengross und daher hat man an jeder Ecke auch ne Leihfirma. Die Leiharbeiter müssen die Rechnungen vorgelegt bekommen um Missbrauch offenzulegen. Und die Politik ist gefordert , das equal pay gesetztlich festgehalten wird. Nur die Leihfirmen dürfen dann nicht mehr das 3-fache weiterberechnen, sondern reine Vermittlungsprovisionen erhalten wenn überhaupt.

30.07.2010
13:46
Leiharbeit boomt auch in Mülheim
von w samoht | #4

Was früher Pferdehändler oder Gebrauchtwagen-Verkäufer trieben, ist heute die Gilde der Zeitarbeitsfirmen.

30.07.2010
07:05
Leiharbeit boomt auch in Mülheim
von Sebastian B | #3

Ich hatte vor kurzem noch das Vergnügen mich mit dem Arbeitsamt abgeben zu dürfen. Habe eine Zeit lang erfolgreich die Vermittlungsversuche an Leiharbeitsfirmen abgewehrt, mich in der Zwischenzeit selber beworben... und bin doch bei einem Seelenverkäufer gelandet. So gut manche der Firmen auch sein mögen, man fühlt sich behandelt wie ein Mensch zweiter Klasse. Die Bezahlung brauche ich wohl nicht zu erwähnen, mindestens zweitklassig! Auf der Suche nach weiteren Stellen, ich will ja nicht ewig Leiharbeiter sein, finde ich nur noch Personalvermittler. Das im Artikel erwähnte Verhältnis, jede dritte Stelle käme von einer Personalagentur, kann ich so nicht bestätigen. Im Bereich Elektrotechnik zumindest, ist man froh bei jeder zehnten Stelle mal ein echtes Angebot zu sehen, und das ich noch eine optimistische Schätzung. Personalvermittler haben den Arbeitsmarkt überschwemmt, als Arbeitnehmer wird man gehandelt wie ein kilo Rindfleisch. Sie entwickeln sich zum Krebsgeschwür des Arbeitsmarktes!

29.07.2010
22:01
Leiharbeit boomt auch in Mülheim
von Ein schlafloser Buchhalter | #2

Entgegen unserer Firmenphilosophie, waren wir im Frühjahr gezwungen von einer Personalarbeitsfirma zwei Leute auszuleihen, um den Betrieb nicht im Chaos versinken zu lassen.
Leider war es dem Arbeitsamt seit Mitte 2009 nicht möglich uns Personal zu vermitteln, obwohl viele Fachleute gemeldet sind.

29.07.2010
16:48
Leiharbeit boomt auch in Mülheim
von schöner sommer | #1

es ist eine ungeheure sauerei menschen zwingen zu wollen, für einen bruchteil des regulären lohn eine volle stelle anzunehmen.
arbeitsamt ist ein bißchen 3.reich, da befolgen ja auch alle nur anweisungen und wollen hinterher von nichts gewusst haben.

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