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Landschaftswächter in akuter Gefahr

15.06.2012 | 20:00 Uhr
Landschaftswächter in akuter Gefahr
Die Natur am Ruhrufer wollen die Landschaftswächter schützen, doch zuletzt wurden sie in den Ruhrauen massiv bedroht. Foto: Christoph Reichwein / WAZ FotoPool

Mülheim. Schon so manches böse Wort mussten sich die ehrenamtlichen Landschaftswächter in den Ruhrauen anhören. Sie wurden beschimpft, beleidigt, verachtet. Der Ton hat sich nicht nur verschärft, die Situation ist eskaliert. Die Stadt hat sich nun dazu entschlossen, den Dienst der Landschaftswächter an den Ruhrauen bis auf weiteres einzustellen. Die Männer und Frauen, die im Dienste des Naturschutzes an der Ruhr unterwegs sind und auf die Einhaltung von Regeln achten, wurden massiv bedroht, so dass ihre Sicherheit derzeit nicht mehr gewährleistet werden kann.

In der kommenden Woche, kündigte Umweltamtsleiter Dr. Jürgen Zentgraf an, werde sich die Umweltbehörde mit Ordnungsamt und der Polizei zusammensetzen und das weitere Vorgehen beraten. Der jüngste traurige Höhepunkt ist die Androhung einer Gruppe gegenüber einem Landschaftswächter, dass sie ihn fesseln, an einen Baum binden und dann zusammenschlagen wollen. Welcher Landschaftswächter schreitet unter diesen Bedingungen noch ein? Auch Bedrohungen mit einem Messer soll es gegeben haben.

Grenzen werden überschritten

Die Konflikte spielen sich insbesondere in den Bereichen des Ruhrufers am sogenannten Entenschnabel und in Höhe der Betonplatte ab. Schutzzäune, die eine Verschlechterung der Natur verhindern sollen, wurden eingerissen, Gräben, die zum Schutz von Brutvögeln ausgehoben, wurden mit Steinen wieder zugeschüttet , um ans Wasser zu kommen. Das Zelten in Schutzgebieten wird schon seit längerem beklagt. Leere Alkoholflaschen und Fäkalien sind die Spuren, die zurückblieben . Und: Knallkörper explodierten in Schutzzonen.

Wer steckt dahinter? Aus der Politik, die die Sorgen zu hören bekommt, gibt es unterschiedliche Aussagen: Unter anderem ist von Anglern die Rede, die sich ihren Weg zum Ufer bahnten. Bei den Angler selbst sind die Konflikte ein Thema. Erst in den vergangenen Tagen haben sie darüber beraten, denn auch Fischereiaufseher sollen bereits bedroht worden sein.

Fischer kämpfen gegen Zerstörung der Ruhrauen

„Es gibt eine Gruppe, die sich sehr aufsässig verhält“, berichtet Hans-Jochen Keienburg von unguten Entwicklungen. Bekannt seien die Personen nicht. Keienburg ist Fischereiberater der Stadt Mülheim, Fischereiaufseher und Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Anglervereine an der Ruhr, die sich auch dem Umweltschutz verschrieben haben. „Ich kann mir nicht vorstellen“, sagt er im Gespräch mit der WAZ, „dass es sich hier um Mitglieder aus unseren Vereinen handelt.“

In so einem Fall würde man umgehend mit dem Entzug der Anglererlaubnis und mit Anzeige reagieren, betont Keienburg und fügt hinzu: Den organisierten Anglern seien die Vorgänge höchst peinlich, sie verurteilen die Zerstörungen, erst recht die Bedrohungen. „Auch wir haben ein hohes Interesse daran, dass die Leute ausfindig gemacht werden.“ In kleinen Gruppen wollen die Fischereiaufseher die Kontrollen verschärfen, allein ist auch ihnen die Situation inzwischen zu brenzlig.

Niehoff setzt auf Deeskalation

Für den Vorsitzenden des Umweltausschusses , Hubert Niehoff, spiegelt die Entwicklung auch ein gesellschaftliches Problem in den Städten wider. „Ich weiß, dass die Landschaftswächter einen schwierigen Job machen.“ Aber in Ballungsräumen, wo Mensch und Naturschutz vereint werden müssten, ließen sich manche Probleme nur schwer lösen, wenn die Natur zugleich auch Erholungszone sei. Schädigungen in Brutgebieten seien jedoch nicht hinzunehmen, Übergriffe jeglicher Art gegen Personen erst recht nicht.

Niehoff glaubt, dass man mit ordnungsdienstlichen Maßnahmen nicht weiterkommt. Er setzt auf Deeskalation, auf ein vernünftiges, ruhiges miteinander Reden. „Es müsste bei allen ankommen, dass wir auf dieses schöne Ruhrtal stolz sein können und es gemeinsam auch schützen sollten.“

Andreas Heinrich


Kommentare
18.06.2012
15:58
Landschaftswächter in akuter Gefahr
von Kajovo | #21

Herr baumjohann ich weiß zwar nicht in welchem Staat Sie leben, aber hier ist kein Polizeistaat, sondern leider fehlen viel zu viele Polizisten. Und wer bitte soll der tobende Mob sein?

18.06.2012
12:17
Landschaftswächter in akuter Gefahr
von baumjohann | #20

Jeder ist erstmal verdächtig, bis seine Unschuld bewiesen ist? Ne, so geht das nicht. Dann sind wir ja kurz vor einer Ausgangssperre...

18.06.2012
11:58
Landschaftswächter in akuter Gefahr
von dirk7603 | #19

Okay, dann waren es 250 Personen.

Fakt ist doch, es es einfach wenige Menschen gibt, die sich um die Natur bemühen. Ich kann es noch einmal wiederholen (weil von der WAZ gelöscht) - am letzten langen Wochenende war am Entenschnabel von Donnerstag bis Sonntag ein 5 Mannzelt aufgebaut. Ich habe die Polizei informiert und die wollten sich darum kümmern - gerade auch im Hinblick auf die Vorkommnisse mit den toten Gänsen.

Normalerweise hätten hier viel mehr Bürger aktiv werden müssen, da das Zelt vom Leinpfad bestens zu sehen war.

Was muss passieren? Hier ist für mich ganz klar die Stadt in der Pflicht. Es ist doch seit langem bekannt, dass manche Angler ein Problem darstellen. Warum wird hier an solchen Feiertagen/ langen Wochenenden nicht konsequenter kontrolliert?

Noch eine weitere Geschichte - vor ein paar Wochen war ich mal wieder morgens gegen 7h laufen. Unter der Mendener Brücke war versteckt ein silberner Golf geparkt und wer befand sich dort - Angler!

18.06.2012
10:47
Landschaftswächter in akuter Gefahr
von baumjohann | #18

@ dirk7603

Haha: aus 250 werden 500 blöde Jugendliche und eine Abrissparty! Was, bitteschön, sollen sie denn abgerissen haben und warum bitteschön ist das nicht polemisch?

Ist dann die "Gruppe, die sich aufsässig verhält" gleichsam schlau und was hilft denn nun ihrer Meinung nach wirklich weiter?

18.06.2012
10:05
Landschaftswächter in akuter Gefahr
von dirk7603 | #17

@baumjohann - Polemik und dazu noch schlechte hilft hier nicht weiter.

Wenn zum Beispiel die Jugendlichen so doof sind und mit 500 Party Peopeln im Wiithausbusch eine Abrissparty feiert muss man sich nicht wundern dass die Polizei auf den Plan gerufen wird.

Was mich eher wunder ist dieser Satz „Es gibt eine Gruppe, die sich sehr aufsässig verhält“, berichtet Hans-Jochen Keienburg von unguten Entwicklungen. Bekannt seien die Personen nicht." Ja was denn nunn, sind die bekannt oder nicht.

Und nocheinmal - was unternimmt die Stadt?

17.06.2012
18:28
Der gemeine Angler ist ein erwachsener Deutscher
von baumjohann | #16

Und genau das ist der Punkt: Wäre er Migrant oder gar Jugendlicher, würde er die ganze Härte des Polizeistaates fühlen. Hubschrauber, Hundertschaften und den tobenden Mob. So aber, ist er einer von uns! Tja, gleiche unter gleichen...

17.06.2012
16:31
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.06.2012
12:03
Landschaftswächter in akuter Gefahr
von pisatest | #14

Solche Artikel und "öffentliches Nachdenken", ob man im Sinne der Gesetze durchgreifen will, sind eine Aufforderung an die Zerstörer, weiter zu machen. Es wäre schlimm, wenn die Stadt oder die Polizei sich hier nicht durchsetzten könnten.

17.06.2012
11:43
Landschaftswächter in akuter Gefahr
von speldorferin | #13

Es ist bedauerlich das Bürger die ehrenamtlich Arbeit verrichten auch noch bedroht werden ,ein gewisser Herr Niehoff der mit seiner Grünen-Katastrophenbande für den ganzen Mist mitverantwortlich ist , will deeskalieren -Herr Niehoff merken Sie nicht wie lächerlich das ist Die Grünen wollen alles nur schön reden.- Aber Bedrohung mit Messer und Schlagring bekommt man nicht mit dummen Sprüchen in den Griff .
Machen Sie weiter so , bald ist es so weit das die Bürger eine andere Deeskalation wählen.

17.06.2012
10:32
Landschaftswächter in akuter Gefahr
von sunshine11 | #12

Es gibt Gesetzte und Gesetzeshüter. Wo Ignoranz, Aggressivität und Dummheit walten, gehört das Gesetz angewendet. Wie nennt man das Gegenteil eines Polizeistaates? Nordrheinwestfalen?

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