Kunterbunte Narrenschiffe
15.02.2010 | 19:51 Uhr 2010-02-15T19:51:00+0100
Mülheim.Zu Tausenden säumten die Mülheimer am Montag die Straßen in der City. Der Rosenmontagszug zu frostigen Temperaturen konnte der guten Stimmung aber keinen Abbruch tun.
Das Wichtigste zuerst, wenn man dem „Zoch“ auf den Fersen ist: warme Füße. In den Schuhgeschäften der Innenstadt ist ausgerechnet meine Sohlengröße ausverkauft – 43. Als ich den Laden verlasse, spielt eine fröstelnde Klarinette „O sole mio“. Die Welt ist manchmal ein guter Kalauer. Von den prophetischen Klängen begleitet, mache ich mich auf die Socken zur Leineweberstraße.
Um 13 Uhr haben Christoph, Lars, Sabrina und Freunde dort die Pole-Position am Straßenrand eingenommen. „Klar, beim Zug simmer dabei“, sagt Christoph gut gelaunt und nachher soll es noch zur Party gehen. „Zum Glück ist morgen schulfrei“, meint Daniel mit vielsagendem Blick auf den Rest der Flasche Feigling.
„Nur die Harten kommen in den Garten“ – unter dem Motto haben sich einige Gartenzwerge bei der KG Blau-Weiß aufgestellt, und dort warnt ein Sprecher: „Mitgebrachte Getränke werden bei uns sofort konfisziert – und selbst getrunken.“ Aber natürlich geht es beim Mülheimer Rosenmontagszug um mehr als das schnelle Erreichen von Promillegrenzen. Im Gegenteil: „Nix los“, melden die Mitarbeiter vom DRK. Sind Jugendliche vernünftiger geworden? „Ich bezweifel es“, will ein DRKler erst mal das Ende des Zuges abwarten.
Die Kaiserstraße hoch stehen die Wagen abfahrbereit. Heiner Jansen und Bürgermeisterin Renate aus der Beek prüfen die Ladung: Kamelle und Kuscheltiere. „Rund 600 Drachen, Eisbären und andere Plüschtiere“, schätzt der Karnevalspräsident, der wieder einmal als Wagenmotiv herhalten durfte: Jansen zieht die neue Wagenbauhalle aus einem Überraschungs-Ei.
Ein letzter Check: Was beschäftigt die Mülheimer in dieser Session? Nur wenig Politisches wie der „Geschäftsfriedhof“ auf der Schloßstraße. „Sinn, Betten Hardt, Woolworth – was uns noch alles blüht“, mahnt der Wagen düster: „Wenn ein Großer geht, kommt der Bundesadler, geht ein Kleiner, kommt der Pleitegeier.“
Ob dagegen das entstehende Hafenbecken die Inspiration für die zahlreichen Fischmotive, Piratenschiffe und Bötchen in diesem Jahr lieferte, bleibt ebenso ein Geheimnis wie die Frage, ob die „Ruhr-Akropolis“ des MCC Rot-Weiss als dezenter Hinweis zu verstehen war, dass es vielleicht bröckele beim Ruhrbania-Bau. Es passt jedenfalls zum Motto der Session: „Es schaukelt jetzt mit viel Humor, das Narrenschiff durch Mülheim an der Ruhr.”
Die bunte Wagen-Mischung kommt aber gut an bei den Mülheimern: Pierre Frankowiak (30) ist fast ebenso lange begeisterter Anhänger des Zuges. Er geht als Mönch, seine Freundin Natascha als Tiger – wie passt das zusammen? „Kein Konzept – reiner Zufall“, ruft er über die wummernden Bässe. Ecken weiter an der Ruhrstraße stehen Heike (38), ihre Familie und zwei große Taschen. Sieht schwer nach Kamelle-Hamstern aus, aber „stimmt nicht“, zeigt sie zum Beweis die Tüte: „Kaum was drin.“ Die Dame aus Süddeutschland ist das erste Mal beim Zug und mag ihn, „obwohl ich mit Fasching wenig am Hut habe.“
Apropos Hut: Was zieht der Mülheimer zum Fasching an? Mein nicht-repräsentatives Ergebnis zum Kostümfest: Mönche gegen Nonnen – 15 zu 6, Tiger gegen Drachen – 10 zu 7, die Partie Wikingerhelme gegen Sombreros ging unentschieden aus. Teufelshörnchen? Gefühlt zu viele.

09:58
Sollte ich wirklich der einzige Kommentator sein, der seinen richtigen Namen nennt ?
Habt ihr anderen Kommentatoren Angst, euren Namen zu nennen oder kennt ihr ihn nicht ?
Wie dem auch sei, kann ja jeder selber entscheiden, ob er anonym bleiben möchte. Aber Flucht in die Anonymität ist nichts als Angst vor sich selber und seinen Fehlern.
Nun gut, der nächste Karnevalszug könnte schon geplant werden. Hierzu gibt es ein gutes Buch von B. Traven mit dem Titel Das Totenschiff.
Passt doch irgendwie.
Liebe Grüße und bis bald, euer Hanscarl Pannmeiser
08:20
Anstatt zu meckern, sollten sich die Mölmschen lieber mal selber aktiv mit in den Karneval einbringen. Sei es als Fußtruppe oder mit einem eigenen Wagen im Zug. Oder schon im Vorfeld durch den Besuch einer Prunksitzung.
Im Grunde genommen war der diesjährige Umzug nicht schlecht. Immerhin dauerte es gute 45 Minuten bis der letzte Wagen an einem vorbeigezogen war. Was man kritisieren kann, ist das die Traktoren nicht mit Wimpeln oder Girlanden geschmückt waren. Und auch dem einen oder anderen Prunkwagen fehlte es ein wenig an Farbe. So hätte z.B. die Kutsche des Prinzenpaares farbig noch deutlich besser gewirkt. Zumindest die Repräsentationswagen wie die der Prinzenpaare könnten doch auch mit Blumengestecken bestückt werden. Sehe richtig toll aus. Vielleicht einfach mal die Mülheimer Floristen zu diesem Thema ansprechen.
10:30
#4 und #5; wie wahr die Großen Leuten die den Kindern alles weg nehmen oder sich vor drängeln...bei mir waren es ältere Damen.. auf der Kaiserstr. höhe Oberstr.! Da ich weniger an den Sachen interessiert war habe ich diesen Kindern geholfen...
es gibt in meiner jetzigen Heimat und Umgebung (Bodnesee) auch nur Kamellen und keine anderen Artikel; komisch das da die Besucher aber sehr erfreud drüber sind...
Für die wenigen Motivwagen: bis vor kurzem gab es keine Wagenbau Halle, also wo sollten die gebaut werden?? somit konnten es nicht mehr werden; wenn sich 2011 mehr Leute bereit erklären mit zu bauen, gibt es sicher auch mehr Motivwagen! Für Motivwagen gibt es aber Richtlinien und an die muss man sich halten, nicht wie in den Hochburgen wo fast alles erlaubt ist zur Politik...!
#11 saarner, hat vollkommen recht:
Meine Eltern warenlange bei KG Mölm boowenaan 1955; mein Vater immer beim Bühnenbau und Wagenbau tätig,daher weiß ich, wie es um den Wagenbau und dem Umzug steht! Bitte wer 2011 mehr sehen möchte, der sollte jetzt schon die Sponsorentüte öffnen.....
Ich bin nicht in MH Vereinen, sondern war nach 3 J. wieder mal schauen!
09:19
Negative Kritik mit einem Rundumschlag gegen den Mülheimer Karneval ist immer sehr einfach. Ich selber war jahrelang in Mülheim im Karneval aktiv. Ich weiß welche Arbeit hinter den Kulissen geleistet wird und wieviel Herzblut, Freizeit und Geld investiert wird. Alles ehrenamtlich! Man kann den Wagenbau nicht mit Mainz oder Düsseldorf vergleichen, da bei uns keine Profis die Wagen bauen. Wenn sich mehr Mülheimer als aktive Mitglieder in den Vereinen einbringen würden, dann wäre vieles einfacher. Man hätte mehr Helfer für den Wagenbau, mehr Mitglieder für die Tanzgarden und insgesamt auch mehr Geld zur Verfügung.
Der ganze Mülheimer Karneval wird nur durch die Mitglieder und private Sponsoren finanziert. Vielen kamellegierigen Besuchern ist wahrscheinlich gar nicht bewußt, dass ein Rosenmontagszug in Mülheim komplett, inklusive eingekaufter Kapellen, die von Jahr zu Jahr teurer werden, Kamelle, Wagenbau, Wachdienst usw.
mal locker 40.000 bis 50.000 € kostet
21:50
Der Zug war ja ganz nett - aber woher kamen die Gäste? Ich habe viele Narren gesehen - aber noch mehr Deppen.
Da wo ich stand, hätte man meinen können, die Kinder liefen unter den Wagen durch - um ein Bonbon aufzusammeln, angefeuert von Mama.
Die aufgestellten halbhohen Zäune wurden konsequent unterwandert, ein Wunder, dass da nichts passiert ist.
Ganz ehrlich - nächstes Jahr schaue ich mir die großen Züge im Fernsehen an, da fühlt man sich nicht so unter Geiern!
20:24
Es ist traurig, dass der Rosenmontagszug immer schlechter wird. Ich kann nur sagen Armes Mülheim. Für alles ist Geld da, aber nicht mal für vernünfitge Bonbons. Geschmissen wurden von manchen Prunktwagen nur einzelne Bonbons. Die Gehwege wurden nicht, wie in Oberhausen vom Schnee befreit. Dann sollen Kinder Spaß am Karneval haben, wenn die sturren Völker auf dem Wagen lange Gesichter ziehen. Man ruft Hellau und wird blöd angeschaut. Früher war es noch schön. Karneval könnte abgeschafft werden. Mein Sohn wird nie wieder zum Rosenmontagszug gehen.
20:21
Ja,genau der Zoch war gut und wer nur rummeckert soll erst mal die Arbeit machen die dahinter steht ..Moppern kann jeder!!!!
15:18
Lieber Herr *************!
War es Ihnen nicht möglich die Verantwortlichen nach ihren Beweggründen für die Motivwagen zu befragen? Oder warum bleiben bei Ihnen noch Fragen offen? Sollen die Zugbesucher sie beantworten oder was ist ihr Job? Kostüme zählen?? Hätte auch ein Grundschüler machen können.
Zu den Herrschaften, die hier nur rummeckern....Früher war es so toll, 50 Wagen ..und mehr bla bla...
Warum werdet ihr nicht alle Mitgleid im Karnevalsverein, zahlt Beiträge und dann könnt ihr euch auch noch an der künstlerischen Gestaltung beteiligen.
Die Bonbons, nach denen sich keiner bückt schmecken übrigens, man muss sich nur danach bücken. Für das Wetter wird der Mülheimer Karneval doch wohl nihct verantwortlich gemacht. Da fällt sicher mehr in den Dreck als bei 20 Grad und Sonnenschein.
Übrigens können keine Tanzmariechen gestemmt werden, wenn es keine männlichen Tänzer gibt.
Und im Schneematsch ist es sicher auch nicht notwendig, das die Mädels einen Spagat machen für unseren Hanscarl Pannmeiser, der im nächsten Jahr alles besser macht. Bitte mit voller Nennung dieses wunderbaren Namens.
Die Garden haben auch nicht getanzt, sondern sind marschiert.
Karnevalsvereine bieten Kindern und Jugendlichen übrigens eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Das Problem sind nur die anderen, die die doofen Kommentare abgeben und entweder ins lächerliche ziehen oder vor sich hin meckern.
Schön wären viele liebe Sponsoren, Geld von der Bevölkerung und tausende, die nicht meckern fürs nächste Jahr.
Gehe übrigens jedes Jahr zum Zoch und mecker nicht.
10:42
Das ist also die heutige Jugend
Sag mal spinnt ihr? Wie alt seid ihr denn? Das war IMMER so, egal wo. Ich kann mich an Zeiten am Rüttenscheider Stern erinnern in den 80ern, da wollte kein Wagen mehr durch und geschmissen haben die auch nix mehr, da sie sich verstecken müssen. Also hört endlich auf die Jugend zu beschimpfen. Solch ein zahme, unter leistungsdruck gesetzte Jugend wie heute, gab es nämlich noch nie. Und wenn die dann einmal in einer Stadt, die nix für sie tut, über die Strenge schlagen, regen sich alle auf.
09:00
@4
Nein, heute bückt man sich nicht mehr nach doofen Bonbons. Da fordert man lieber lautstark nach Plüschtieren und Bällen (aber bitte nicht die kleinen) und wenn man das Gewünschte nicht bekommt, dann schmeißt man halt die Bonbons auf den Wagen zurück. Und gleich hinterher noch ein paar Schneebälle. :( Das ist also die heutige Jugend. Und nein...ich war auf keinem der Wagen, sondern habe es am Strassenrand miterlebt, wie sich nette Jugendliche - natürlich kostümiert (nee...die sehen tatsächlich immer so aus) - daneben benehmen. Tolle Vorbilder für die zahlreichen Kinder, die sich tatsächlich noch auf den Zug freuen!