Künstler sammelt Meinungsbilder aus der Innenstadt

Arbeitet an seinem Freiluft-Schreibtisch: Jons Schüttler, alias  „bld“, im Dialog mit  Mülheimer Bürgern über den Zustand der Innenstadt.
Arbeitet an seinem Freiluft-Schreibtisch: Jons Schüttler, alias „bld“, im Dialog mit Mülheimer Bürgern über den Zustand der Innenstadt.
Foto: Herbert Höltgen
  • Aktion im Rahmen des Kreativ-Festivals „Art Square“
  • Jons Schüttler befragt Bürger zu ihren Ansichten über die Innenstadt
  • Am Ende entsteht aus ihren Statements eine Collage, die der Verwaltung überreicht werden soll

Mülheim..  Zur Innenstadt hat ja bekanntlich jeder eine Meinung. Möglichst viele dieser Ansichten, egal, ob positiv oder negativ, möchte der Künstler Jons Schüttler, alias „bld“ erfahren. Dafür platziert er sich mit seinem „parabürokratischen Schreibtisch“, einer Freiluft-Bürostube, vor dem ehemaligen Woolworth-Gebäude auf der Schloßstraße, in dem noch bis Ende Oktober die Kunst-Aktion „Art Square“ die Menschen in den Leerstand lockt.

„Das ist ja eine interessante Aktion – typisch für Mülheim. Sowas erlebt man nur hier“, sagt Anette Schmitz, die vor dem Schreibtisch des Künstlers stehen geblieben ist und ihm nun ihre Meinung über die Innenstadt mitteilt. Und die ist durchaus positiv: „Hier gibt es an jeder Ecke kulturelle Aktionen.“

Jons Schüttler (34), selbst gebürtiger Mülheimer, sitzt vor einer alten Schreibmaschine und füllt ein „Eingabenformblatt“ aus: mit einem Feld für die Äußerung, einem Stempelfeld und einem Kasten für eine Unterschrift oder ein Pseudonym – eben so, wie es ein Bürokrat in der Behörde ausfüllen würde.

Das Klackern der Tasten auf der Schreibmaschine ist schon von Weitem zu hören, ein paar Passanten schauen neugierig, was da los ist. Jeder, der die Befragung mitmacht, bekommt einen Durchschlag des Formulars und darf sich ein Stempelmotiv aussuchen: Schloss, Prinzessin oder Zauberstab. Es mutet witzig an, doch die Befragten nehmen die Sache ernst und finden deutliche Worte: „Gewollter Leerstand“, „Zu viele Ein-Euro-Läden“, „Trauerspiel stadtgemacht“ oder „Essen ist viel geiler“, sagt etwa jemand, der sich Mafioso nennt.

Kurz und pointiert

„Die meisten Äußerungen sind kurz und pointiert“, erklärt Jons Schüttler. Immer jedoch werde das Aussterben der Innenstadt klar kritisiert. Daher dürfen auch Wünsche und Verbesserungsvorschläge geäußert werden: „Ein vielseitiges Einkaufsangebot wie vor 40 Jahren“, schreibt zum Beispiel ein älterer Mann, der dem Künstler von der damals florierenden Schloßstraße berichtet.

Neben Ärger wird auch einiges Positives geäußert. „Ruhrbania ist schön“, „Mülheim verbindet die Leute“, „Mülheim… bleib, wie Du bist“. Wie der Name des Projektes „Meinungsbild“ sagt, wird am Ende der Aktion tatsächlich ein Bild entstehen. Die Befragten teilen ihre Aussage in eine von vier Kategorien ein, die jeweils blau, grün, rot und gelb hinterlegt sind. So werden sie zu „Meinungsbildnern“. Daraus macht Jons Schüttler am Ende der Aktion ein Symbolbild. „Die Ergebnisse werden dann nach Abschluss des Art Square der Stadt vorgelegt“, sagt er.

61 Personen haben sich bislang an der ungewöhnlichen Umfrage beteiligt. Wer seine Meinung kundtun möchte, kann dies noch am 28. Oktober von 16 bis 20 Uhr sowie am 29. Oktober von 10 bis 14 Uhr.

Art Square noch bis 30. Oktober

„Lebe, Innenstadt, Lebe!“ lautet das Motto des Projektes „Art Square Ruhr.Kreativ“, das noch bis zum 30. Oktober im ehemaligen Woolworth-Kaufhaus, Schloßstraße 35, von Kulturschaffenden genutzt wird.

Daran beteiligt sind Künstler, Musiker und Schauspieler. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.artsquare-mh.de.