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Kraft sammeln

20.03.2009 | 15:05 Uhr

In der Alzheimer-Selbsthilfegruppe. Eigene Person rückt bei der Pflege Angehöriger oft in den Hintergrund

Alzheimer – die Diagnose ist für Betroffene und Angehörige gleichermaßen ein Schock. Wie damit umgehen, wenn der Partner oder die Partnerin eine Fassade aufbaut, nicht mehr der/die Selbe ist, ständig weglaufen will, einen anderen Tag-Nacht-Rhythmus und Angst vor dem Wasser hat? Die Pflege des an Alzheimer-Erkrankten wird zuhause in den Vordergrund gestellt, die eigene Person oft vergessen. Ilse Kopka, Margret Illigens, Gerd Weinfurth und auch die anderen 16 Teilnehmer der Alzheimer-Selbsthilfegruppe in der Ev. Familienbildungsstätte können davon ein Lied singen.

Freiräume, mal einen Kaffee mit der Freundin trinken, einfach in die Stadt zum Bummeln gehen – das war für alle unvorstellbar, der Schritt einmal im Monat die Selbsthilfegruppe zu besuchen, eher schwierig. „Aber wenn ich nichts für mich tue, dann hat auch mein Patient nichts davon, denn er spürt meine Stimmung”, weiß Illigens, die Weinfurth bei der Leitung der Selbsthilfegruppe unterstützt.

„Mutti, so geht es nicht weiter!”, zog die Tochter von Ilse Kopka die Reißleine. Sie sei so nervös gewesen, erst die Selbsthilfegruppe habe ihr die nötige Energie und Ruhe zurück gegeben, sich um ihren kranken Mann zuhause zu kümmern. „Hier treffe ich Andere, denen es genauso geht. Ich weiß, ich bin nicht allein”, schildert Kopka. Andere nicken zustimmend. Ja, allein sei man schnell. Das soziale Umfeld bricht weg, Freunde und Verwandte ziehen sich zurück, wollen oder können nicht mit der Diagnose umgehen. „Die denken Alzheimer sei eine ansteckende Krankheit”, wirft ein Teilnehmer in die Runde. Das tue weh und verletzt, berichtet auch Gerd Weinfurth, der bis zum Schluss seine Frau gepflegt hat. Heute ist er viel unterwegs, kümmert sich um Betroffene, gibt Ratschläge und baut ein Netzwerk für Demenzkranke und deren Angehörige auf.

Als erste Folge der Krankheit verlieren die Betroffenen ihre Sprache, die Angehörigen somit den Gesprächspartner. „Man macht alles zweimal. Arbeitet und denkt für den Partner mit”, erzählt Weinfurth. Auch heute kommt Ilse Kopka, obwohl ihr Mann bereits gestorben ist, noch regelmäßig in die Selbsthilfegruppe, lässt andere Betroffene an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben. Die pflegenden Angehörigen werden oft vergessen, schildert sie ihre Erfahrungen in Krankenhäusern. Werden mit der Situation auch von Ärzten allein gelassen.

Umso wichtiger sei es dann im Gesprächskreis, der mittlerweile seit 20 Jahren besteht, mit den anderen Teilnehmern zu sprechen, zuzuhören, sich gegenseitig Trost zu spenden und sich auch ein Stück Lebensqualität zurück zu geben. Nur ab und zu muss Gerd Weinfurth mit einer Glocke unterbrechen und für Ruhe sorgen. Der Redebedarf sei nun einmal unglaublich groß, wenn zuhause immer Stille herrscht.

Juliane Maier

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