Konzeptsuche für ein Wohnen im Alter

In Mülheim ist er kein Unbekannter: Klaus Hildemann, Jahrzehnte lang leitete er die Theodor-Fliedner-Stiftung. Er entwickelte die Idee vom „Dorf“, in dem behinderte und nicht-behinderte Menschen gemeinsam zusammenleben. Schon damals war für ihn das „Dorf“ der Gegenbegriff zum „Heim“. Eine lebendige Gemeinschaft, an der alle, die in ihr wohnen, gleichberechtigt teilhaben. Sie ist für ihn das Gegenmodell zu einem Heim, das mehr Anstalt als Zuhause ist.

Diesem Problem widmet sich Hildemann nun auf einem anderen Feld: Es geht um das Wohnen im Alter. Hildemann leitet als Professor der Uni Bonn das Institut für interdiziplinäre und angewandte Diakoniewissenschaft. Das renommierte Institut berät Institutionen aus Politik, Gesellschaft und Kirche sowohl im Hinblick auf inhaltliche Konzepte, als auch darauf, was Managmenet und Führung diakonischer Einrichtungen angeht. Unterstützt wird die Arbeit seit Mitte der 90er Jahre von einem Trägerverein, der in Mülheim gegründet worden ist und hier noch immer seinen Sitz hat.

Vor ein paar Tagen hat nun das Institut einen besonderen Schwerpunkt für seine Arbeit gesetzt. Hildemann will zusammen mit vielen Fachleuten, die dem Institut verbunden sind, Konzepte entwickeln, wie Wohnen im Alter jenseits des Heims ausssehen kann. Wie es finanziert, wie es aber auch strukturiert werden kann. Hildemann denkt etwa auch an generationsübergreifende Wohngemeinschaften.

„Es kann nicht sein, dass eigentlich niemand in ein Heim ziehen will, aber ständig neue gebaut werden.“ Die Strukturen müssten sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen. „Die Menschen müssen frei sein. Ich finde es zum Beispiel nicht richtig, wenn alle zur selben Zeit essen müssen. Das schränkt die Freiheit ein.“ Wie schnell das Institut auf diese spannenden Fragen Antworten finden wird, kann Hildemann natürlich noch nicht sagen. Aber er ist sich sicher, dass die Forschungsergebnisse auch für Städte mit demographischen Problemen wie Mülheim von Interesse sein werden. So ist es vielleicht ein gutes Zeichen, dass die Oberbürgermeisterin viele Jahre lang dem Trägerverein vorgesessen hat.

In Mülheim gibt es auch jetzt schon Beispiele für andere Wohnformen im Alter. So etwa im Wohnpark Witthausbusch.