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Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg

22.03.2010 | 16:47 Uhr
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg

Mülheim.Die Kobra-Jagd in Mülheim kostete vermutlich mehr als 50 000 Euro. Noch ist nicht klar, wer für den Einsatz von Polizei und Feuerwehr aufkommen muss. Das Rechtsamt prüft derweil, ob am Ende dem arbeitslosen Schlangenhalter Kevin O. (19) die Rechnung präsentiert werden kann.

Auch in der Nacht zum Montag hat sich die entwichene Monokel-Kobra nicht durch das evakuierte Mietshaus auf der Heimaterde bewegt. Die Mülheimer Berufsfeuerwehr, die das für acht Wochen geräumte Haus täglich inspizieren will, konnte gestern keine Spuren der 30 cm langen Babyschlange entdecken. Vor Verlassen des Hauses am Sonntag hatte man Mehl ausgestreut, um möglicherweise später Spuren der Schlange in ihr Versteck verfolgen zu können. Auch an den im Haus verteilten doppelseitigen Klebestreifen war das hochgiftige Reptil nicht hängen geblieben. Die Mieter schlafen auswärts, dürfen tagsüber aber in ihre Wohnungen. „Das ist unangenehm und relativ stressig“, sagt Christian Ricken (39) aus dem Erdgeschoss, der bei Verwandten in Essen untergekommen ist.

„Kribbeliges Gefühl“

Der Kobra-Alarm hat eine lange Kostenrechnung hinterlassen.

Auch die zwei Mieter aus dem 1. OG haben das Angebot der Stadt abgelehnt, ins Übergangswohnheim an der Augustastraße in Styrum einzuziehen. Schlangen-Halter Kevin O. wohnt derzeit bei seinem Bruder. Ricken lobte die Einsatzleitung von Stadt und Düsseldorfer Reptilien-Experten: „Sie haben uns sehr gut betreut, haben sehr gründlich gearbeitet und mit uns jeden Schritt vorbesprochen.“ Es hatte unter anderem Überlegungen gegeben, dem Reptil mit Giftgas oder unter Einsatz von Mungos beizukommen. Auch war anfangs angedacht, die Raumluft mittels Kühlaggregaten auf eine Temperatur zu bringen, bei der die Schlange nicht überleben könnte. Ricken übrigens hält sich nur solange wie nötig in der Wohnung auf. „Es ist ein kribbeliges Gefühl, man guckt jedesmal, ob Spuren im Mehl sind.“

Der Kobra-Alarm auf der Heimaterde schlägt allein mit knapp 50 000 Euro für den Einsatz zur Gefahrenabwehr zu Buche. Dabei unberücksichtigt sind Personalkosten für Ortungsteams von THW und Feuerwehr Duisburg; beide haben gegenüber der WAZ angekündigt, der Stadt wohl keine Rechnung stellen zu wollen. Ein unbekannter, aber nicht unbeträchtlicher Rechnungsposten wird der für die Wiederherrichtung des Hauses sein. Wie berichtet hatte die Einsatzleitung die Wohnung des Schlangenhalters und den Spitzboden komplett entkernen lassen.

„Und wenn er im Lotto gewinnt, muss er zahlen“

Die Stadt will sich in Kürze mit dem Eigentümer in Verbindung setzen, um sich abzustimmen. Das Rechtsamt prüft derweil, ob am Ende dem arbeitslosen Schlangenhalter Kevin O. (19) die Rechnung präsentiert werden kann. „Uns ist klar, dass er nicht zahlen kann“, so Wolfgang Fischer vom Ordnungsamt. Aber wenn er Rechnungsadressat sei, werde sich die Forderung nicht ohne Weiteres auflösen lassen, etwa durch Privatinsolvenz. „Und wenn er im Lotto gewinnt, muss er zahlen.“

Auf der Rechnung, von verschiedenen Stellen aufgestellt, dürfte dann zuvorderst stehen: der Einsatz der Mülheimer Feuerwehr. Sie war 45 Stunden mit Equipment im Einsatz, laut Gebührensatzung würden allein dafür 38 500 Euro fällig. Laut Feuerwehr-Chef Burkhard Klein ist aber zunächst zu prüfen, ob der Einsatz laut Feuerschutz- und Hilfeleistungsgesetz nicht vielleicht zu einem Pflichteinsatz zählt und deshalb gar nicht in Rechnung gestellt werden kann.

Hinzu kommt der Einsatz von je zwei Schlangen-Experten der Feuerwehr Düsseldorf für ebenfalls 45 Stunden. Sie wird rund 4000 Euro einfordern. Am Wochenende waren zudem zwei Ortungsteams der Feuerwehr Duisburg und des THW Ratingen mit Endoskopie-Kameras im Einsatz. Beide Organisationen deuteten an, dass sie der Stadt womöglich keine Rechnung stellen und ihren Einsatz unter „Amtshilfe“ verbuchen.

Hab und Gut wurde eingelagert

Drei Mitarbeiter der Baufirma Askom waren seit Donnerstag mit der Entkernung der Wohnung des Schlangenhalters und des Spitzbodens beschäftigt, am Ende fielen rund 50 Arbeitsstunden an – das kostet laut Firma 1800 bis 2000 Euro. Für Abfälle, die bei der Entkernung anfielen, mussten beim Harmuth Containerdienst und bei der MEG insgesamt vier Mischschutt-Container geordert werden. Kosten: rund 1500 Euro.

Das Umzugsunternehmen Müller war zweimal vor Ort: einmal, um das Hab und Gut des Schlangenhalters abzuholen und einzulagern, ein zweites Mal für das Verrücken, Rein- und Raustragen von Möbeln in den beiden anderen Wohnungen. Kosten: 2360 Euro. Das DRK versorgte die Einsatzkräfte und Medienvertreter vor Ort morgens und mittags mit Mahlzeiten, „ein Tausender kommt da sicher zusammen“, so Gesamteinsatzleiter Volker Langendorf. Die Einsatzstunden von täglich sieben DRKlern werde man der Stadt nicht berechnen, zumal Kevin O. wohl ohnehin nicht in der Lage wäre, die Kosten zu tragen. „Das machen wir im Rahmen unserer gemeinschaftlichen Tätigkeit“, so Langendorf.

Wiederherstellung des Wohnhauses

Der Einsatz des Ordnungsamtes, das in den vergangenen Tagen mit je vier bis zehn Mitarbeitern vor Ort war, wird ebenfalls nicht in Rechnung gestellt. Die angefallenen Überstunden, so der ebenfalls im Dauereinsatz gewesene Stadtsprecher Volker Wiebels, füllten lediglich die Arbeitszeitkonten der Kollegen. Die Stunden seien durch Freizeit auszugleichen. Auch die Bereitstellung des Notfallbettes im Ev. Krankenhaus verursachte keine Kosten. Das vom Aquazoo Düseldorf bereitgestellte Antiserum ist wieder zurückgebracht worden. Es hätte bei Verbrauch rund 2000 Euro gekostet.

Nicht zuletzt dürfte der Hauseigentümer die Wiederherstellung des Wohnhauses einfordern. Alle Rechnungen gehen zunächst ans Ordnungsamt. Vorbehaltlich der Prüfung des Rechtsamtes geht man dort davon aus, dass danach die Rechnung an den „Verhaltens- und Zustandsstörer“ rausgehe. Das dürfte Kevin O. sein.

Mirco Stodollick

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Kommentare
23.03.2010
20:00
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von druecker | #60

bekommt man als hartzIVler eigentlich einen extrazuschuss wenn man sich so eine kobra kauft?

23.03.2010
19:09
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von lieber nicht | #59

Ehernes Gesetz in Der Westen: Je länger die Latte der Kommentatoren, desto mehr ********...

23.03.2010
15:32
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von rbi | #58

Ja sicher der Arme Kevin. Aber wenn das eigene Hündchen einmal zubeisst, wird die Töle sofort Eingeschläfert, und postwendend Anzeige gegen den Hundhalter Erstattet.
Nee das soll der Typ doch selber zahlen, ob mit, oder ohne Arbeit.

23.03.2010
14:07
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von Moderation | #57

9 wunderlos

nur weil das Risiko des Autounfalls größer ist, ist das KEINE Rechtfertigung zur Haltung.

Dadurch wird schlicht das Risiko uniso erhöht!!

Wäre die gleiche Argumentation, wenn man Kampfhunde unbedingt wieder ohne Leine und maulkorb rumlaufen lassen würde, oder sich gleich einen Tiger zulegt. Dann ist das Risiko des Autounfalls immer noch größer......

[...]
[Editiert von Moderation.]

23.03.2010
14:03
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von totentanz | #56

Ich hab meine Katzis auch aus den Tierheim. Das Beste was man machen kann!

23.03.2010
13:36
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von Moderation | #55

[Entfernt von Moderation.]

23.03.2010
12:55
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von Dorftrottel | #54

@#50 die Gier nach dem besonderen Haustier...
dass liest sich so, als wenn alle Halter von exotischen Tieren total bekloppt wären.

Ich bin selber Halter eines Geckos und habe mir das Tier damals bewust aus einer kleinen privaten Zucht (1-2Jungtiere pro Jahr) geholt, um die bekannten Geldschneider nicht zu ünterstützen. Messen, Börsen, Zoofachgeschäfte und Baumärkte überall dort kann man sich Exoten kaufen, aber meist befinden sie sich dort in schlechten Zustand, falsch gehalten, total gestresst und den Käufern werden oftmals unendlich viele Falschinformationen mit auf den Weg gegeben.

Die große Frage ist aber doch wie sehr sich die Halter im Vorfeld informieren (über Bücher, nicht über Verkäufer) und welche Einstellung/Verantwortungsbewustsein gegenüber des Tieres und der Mitmenschen da ist.

23.03.2010
12:42
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von photomann | #53

Das mit der Lichterkette ist gut.Aber nur mit Suppe und Brötchen vom DRK.

23.03.2010
12:30
Kobra-Jagd in Mülheim noch immer ohne Erfolg
von Antonietta | #52

Wie der Mensch sein Tier haben will, wird es produziert. In Zoogeschäften werden Hamster, Meerschweinchen oder Kaninchen hinter den Ladenscheiben angeboten, wie in anderen Geschäften tote Gegenstände wie Staubsauger oder Kühlschränke. Für die Zoogeschäfts-Betreiber ist das Tier ein rein materieller Gegenstand, nur der Profit zählt. Die Bedürfnisse der Tiere spielen keine Rolle. Damit die Menschen mit ihrer vermeintlichen Tierliebe unsere Mitgeschöpfe in ihre Wohnzimmer oder Käfige sperren können, treibt die gigantische Heimtierbranche den Markt an. Jährlich macht sie Umsätze von 2 - 3 Mrd. Euro. Davon entfallen etwa 180 Mill. Euro auf den Kauf neuer Tiere. In heimischen Wohnzimmern leiden aber nicht nur Hunde, Katzen und Nager, sondern mehr und mehr auch exotische Tiere. Die Gier nach dem besonderen Haustier macht auch vor Schlangen, Echsen, Spinnen, Schildkröten, Krokodilen, Raubkatzen und Wüstenfüchsen nicht halt.

23.03.2010
12:26
Blockierter Kommentar.
von sven traube | #51

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