Klimainitiative verliert ihr Gesicht

Susanne Dickel hat ihren Schreibtisch verlassen. Sie war das Gesicht der Mülheimer Initiative für Klimaschutz
Susanne Dickel hat ihren Schreibtisch verlassen. Sie war das Gesicht der Mülheimer Initiative für Klimaschutz
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Susanne Dickel, seit der Gründung dabei, ließ ihren Zeitvertrag bei der Mülheimer Klimainitiative auslaufen.

Mülheim.. Die Mülheimer Initiative für Klimaschutz geht ungewissen Zeiten entgegen. Zum Monatsende ist Dr. Susanne Dickel, Leiterin der Klimainitiative, aus ihrem Amt ausgeschieden. Dass ihr Zeitvertrag Mitte des Jahres enden würde, hatte sie Mitgliedern und Projektpartnern schon zu Jahresbeginn mitgeteilt. Die 56-Jährige ist seit der Gründung der Klimainitiative im Jahr 2008 dabei. Ihre Aufgabe – zwei Teilzeitkräfte gehören zum Team – war es, den Klimaschutzgedanken dem Bürger nahezubringen. Mit Schulprojekten, Workshops, Kampagnen, als Ansprechpartner für Handwerker, Bauherren, Unternehmen oder Künstler. Viel Netzwerkarbeit ist dafür notwendig. Dickel, Diplom-Agraringenieurin, hat ihren Job immer als „Querschnittsaufgabe“ verstanden. Die engagierte Frau wurde das Gesicht der Klimainitiative.

Ein Grund für ihr Ausscheiden liegt in der unsicheren Finanzierung des Vereins, der vor sieben Jahren gegründet wurde, um den Klimaschutz in Mülheim zu verbessern. Nach einer dreijährigen Startphase, anschubfinanziert von der Medl, wurden in den vergangenen Jahren immer erst zum Jahresende in den Haushaltsberatungen die Weichen für den Personalkostenzuschuss fürs kommende Jahr in Höhe von 97 000 Euro gewährt. Auch der Vertrag der Geschäftsstellenleitung wurde jedes Jahr um ein weiteres Jahr verlängert. Nach nachhaltiger Planung klingt das nicht. Obwohl sich Mülheim zum Klima-Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen in der Stadt zu halbieren. Eine Aufgabe, die nur gelingen kann, wenn auch in der Stadt alle an einem Strang ziehen.

Zum Abschied eine Broschüre

Es dürfte ohne sichere Finanzierung in der alltäglichen, praktischen Arbeit nicht leicht fallen, Projekte und Kampagnen zu planen, die Vorlauf brauchen – publikumswirksame Veranstaltungen wie den Umweltmarkt Fair Flair, das Stadtradeln oder den „Dicker-Pulli-Tag“. „Man muss“, betont Dickel, „zuerst die Finanzierung auf andere Füße stellen.“ Ihr Ausscheiden sieht sie auch als Chance, die Initiative für Klimaschutz künftig neu zu positionieren. Zum Herbst soll die Energetische Stadtentwicklungsplanung der Verwaltung vorliegen, auch konstituiert sich gerade der neue Klimaschutzbeirat. Im Vorstand des Vereins, der Klimainitiative, gibt es personelle Veränderungen. „Man könnte“, sagt Susanne Dickel, „mehr Schlagkraft erreichen, wenn sich alle einig sind und gemeinsam an den Klimazielen arbeiten.“

Sie selbst wird zum Abschied keinen Tätigkeitsbericht hinterlassen, sondern eine praktische Broschüre zum Thema Energieeffizienz: „Bauen und Wohnen in Mülheim an der Ruhr.“

Interims-Nachfolger von Susanne Dickel wird Jörn Sprenger

Wie geht es mit der Klimaschutzinitiative weiter? Interims-Nachfolger von Susanne Dickel wird Jörn Sprenger, Mitarbeiter in der Stadtkanzlei, der sich um die Geschäfte bis nach der OB-Wahl im September kümmert. Erste Vorsitzende im Verein „Mülheimer Initiative für Klimaschutz“ ist die Oberbürgermeisterin. Das Amt wird nach den Wahlen neu besetzt, Dagmar Mühlenfeld kandidiert nicht mehr. Hans-Gerd Bachmann, als Geschäftsführer des Energieversorgers Medl im Vereinsvorstand, ist in den Ruhestand gegangen. „Der Vereinsvorstand hat daher beschlossen, mit einer Stellenausschreibung bis nach der OB-Wahl zu warten“, so Guido Brücker, Leiter der Stadtkanzlei.

„Wir Grüne plädieren natürlich für eine gesicherte Fortführung der Arbeit“, betonte Peter Loef, Vorstandssprecher der Grünen Mülheim, der die Klimainitiative gut aufgestellt sieht. Ziel müsse sein, die Arbeit für die nächsten drei Jahre auf dem jetzigen Level zu sichern. „Man muss“, sagt Loef, der im Aufsichtsrat der Medl sitzt, „hier nicht das Rad neu erfinden.“ Wichtig sei aber eine finanzielle Unabhängigkeit von der Politik.