Kleine Lösung statt Tangente

Gewerbeflächen sind knapp in der Stadt. Darüber klagt die Wirtschaftsförderung schon seit Jahren. Vor allem aber mangelt es an Industrieflächen, die von Unternehmern noch intensiver genutzt werden könnten. Es gibt Flächen, doch die sind nicht erschlossen und befinden sich in Styrum am Mannesmann-Areal. Die Erschließung steht und fällt mit der Industriestraße, die schon seit Jahren in den Stadtplänen eingezeichnet und auch als Styrumer Tangente bekannt ist. Ihre Realisierung, die auch den Stadtteil von durchfahrendem Schwerlastverkehr entlasten würde, scheint derzeit in immer weitere Ferne statt in greifbarere Nähe zu rücken. Vor Jahren schien der Bau der Straße durch die Ansiedlung eines Baumarktes möglich, der aber wurde von der CDU verhindert.

Hatten Politik und Verwaltung im vergangenen Jahr noch gehofft, die Straße 2016/17 realisieren und dafür auch Fördergelder gewinnen zu können, ist die Hoffnung inzwischen Ernüchterung gewichen. Wie es in der gestern vom Planungsausschuss behandelten Vorlage heißt, sei eine Finanzierung nur langfristig, soll heißen, in den Jahren nach 2019, möglich und seitens des Landes gelte das Projekt nach den derzeitigen Förderbestimmungen überhaupt nicht mehr als förderfähig. Alleine für den Straßenbau werden inzwischen Kosten von knapp 4,6 Millionen Euro kalkuliert. Geld, das die Stadt nicht hat. Selbst auf den Bau eines Einmündungsstutzen bei der Errichtung der neuen Thyssenbrücke im kommenden Jahr müsse wegen der ungeklärten Finanzierungsperspektive verzichtet werden.

Die Verwaltung favorisiert daher ein Vorgehen in Handlungsabschnitten. Als erste Etappe erscheint es derzeit sinnvoll, den derzeitigen Container-Campus der Hochschule an der Dümptener Straße zu erschließen. Im kommenden Frühjahr bezieht die Hochschule mit Verzögerung den endgültigen Campus an der Duisburger Straße, so dass in Styrum ein Handlungsdruck entsteht. Mögliche gewerbliche Nutzungen könnten durch eine damit verbundene Belastung der Anwohner untersagt werden. Das könnte eine bessere Verkehrsanbindung verhindern.

Wie Verkehrsplaner Roland Jansen in der Sitzung erläuterte, handelt es sich um den schwerlasttauglichen Ausbau eines bestehenden Provisoriums, das den Campus mit der Dümptener Straße verbindet. Der Verkehr wird von dort über die Fritz-Thyssen-Brücke und die Mannesmannallee zur Autobahnauffahrt Dümpten geleitet. Ergänzt würden die Straßen dann durch einen gemeinsamen Geh- und Radweg. Jansen schätzt die Kosten auf 707 000 Euro. Auch dieses Geld ist noch nicht in der Finanzplanung enthalten. Der Ausschuss gab gestern der Verwaltung grünes Licht bei der zukünftigen Haushaltsplanaufstellungen, Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten. Ein Anspruch auf Förderung wird weiterhin gesehen und das Land auch in der Pflicht gesehen.

Welche Freiflächen auf der Mannesmann-Fläche bestehen und genutzt werden könnten, ist derzeit nicht bekannt.