Klassenweise Klassik
06.11.2009 | 06:00 Uhr 2009-11-06T06:00:00+0100Am 15. November wird in der Stadthalle das Familienkonzert „Musikalische Kinderspiele” aufgeführt
Schwer zu sagen, was faszinierender ist. Die spürbare Begeisterung, mit der die Acht- und Neunjährigen hochkonzentriert bei der Sache sind? Oder ihr ausgeprägtes Gefühl für die Feinheiten der musikalischen Geschichte, die gerade erzählt wird?
Mit selbstgebastelten farbigen Drehscheiben und bunten Bändern illustrieren die Schüler und Schülerinnen der Grundschule an der Hölterstraße die „Geschichte vom Kreisel” aus den „Musikalischen Kinderspielen” („Jeux d'enfants”) von Georges Bizet.
Die Streicher und Bläser forcieren: der Kreisel wird aufgezogen, rotiert wie wild . . . Die Oboe fällt ein: der Kreisel trudelt langsam aus, fällt schließlich um. Wird erneut aufgedreht. Die Bewegungen der Kinder, ihre Körperspannung, die durch die Drehscheiben und Bänder erzeugten Farbbilder – alles passt, ist wunderbar auf die Musik abgestimmt.
Dabei kommt Bizet im Moment noch aus der Konserve, bis die Choreographie endgültig steht, wird noch so manche Probe angesetzt werden. Die kleine Demonstration in einem Klassenraum soll nur einen Vorgeschmack geben auf das große Familienkonzert „Musikalische Kinderspiele” am 15. November in der Stadthalle. Schulleiterin Maria Jacobs hat, zusammen mit ihren Kolleginnen und engagierten Eltern, dazu beigetragen, dass sich die Familienkonzertreihe in Mülheim etabliert hat: Seit drei Monaten wird an 16 weiteren Grund- und Förderschulen der Stadt mit gleicher Begeisterung an der Bebilderung von Bizet geprobt.
Die von der Essener Konzertpädagogin Dr. Ulrike Schwanse entwickelte und organisierte Reihe, die von der Bürgerstiftung gefördert wird, versteht sich als musikalisches Bildungsprojekt mit dem mittelfristigen Ziel, ein Konzertpublikum von morgen heranzubilden. Zugrunde liegt der Gedanke, dass über die Kinder und deren schulischer Begegnung mit klassischer Musik das Interesse an einem vielleicht „fernen” Kulturgut in die Familien getragen und verankert, dass dieses Interesse durch die abschließenden Familienkonzerte (die für viele den ersten Konzertbesuch überhaupt bedeuten) noch verfestigt wird.
Auch die Lehrer sind in das Projekt der kulturellen Bildung einbezogen. Denn nicht jedes Mitglied eines Kollegiums ist zwangsläufig auch Klasik- oder, wie in diesem Fall, Bizet-Experte. Zur Vorbereitung der „Musikalischen Kinderspiele” wurde für 89 LehrerInnen der beteiligten Schulen eigens eine kostenlose Fortbildungsveranstaltung angeboten.
Das Familienkonzert wird am 15. November zweimal gegeben: um 11 und um 13 Uhr.

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