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Kinder entdecken die Leselust

24.11.2009 | 19:33 Uhr

Grundschüler von der Zunftmeisterstraße und ihre Lesepatinnen machen es in der Schmökerstube an der Wallstraße vor. Ein Projekt des CBE.

Appilhas aus Sri Lanka, Viegilan aus Kamerun und Rosa aus der Türkei fühlen sich sichtlich wohl in der Schmökerstube an der Wallstraße. Auf einer Weltkarte suchen die drei achtjährigen Schüler der Grundschule an der Zunftmeisterstraße die Herkunftsländer ihrer Familien.

Dann schmökern sie zusammen mit ihrer Lesepatin Ulrike Mostafai in diversen Kinderbüchern. Die Auswahl der auf einem Tisch ausgebreiteten Titel ist groß. Da ist zum Beispiel die Geschichte vom Pumuckl, von der Hexe Lilli oder dem Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. „Wir lesen nicht nur. Wir malen und basteln auch oder hören Geschichten”, wissen die drei Grundschüler aus ihrer Leseförderung in der Schmökerstube zu berichten.

Von der profitieren 18 Ganztagsgrundschüler von der Zunftmeisterstraße schon seit einem Jahr. Betreut werden sie in drei Gruppen, geleitet von insgesamt sieben ehrenamtlichen Lesepatinnen. „Ich war mit einem persischen Mann verheiratet. Deshalb weiß ich, wie es ist, wenn man in einem Land fremd ist und mit geteilter Seele lebt. Außerdem wollte ich unbedingt etwas für Kinder und ihre Bildung und Integration tun”, erklärt die Saarner Lesepatin Mostafai ihr ehrenamtliches Engagement. Das macht ihr sichtlich Freude, „weil die Kinder so nett sind” und es sie „wahnsinnig stolz gemacht hat”, als sie jetzt von Lehrern und Erzieherinnen der Offenen Ganztagsschule an der Zunftmeisterstraße erfahren hat, dass ihre Leseförderung Früchte getragen hat. Die Leselust und Leseleistung ihrer Schützlinge hat im Laufe des Jahres spürbar zugenommen.

Besonderen Wert legt die Mutter von zwei weiblichen Leseratten darauf, dass ihre Lesepatenkinder beim wöchentlichen Treff in der Schmökerstube nicht nur Texte lesen, sondern auch Geschichten mit ihren eigenen Worten nacherzählen. So will sie sichergehen, dass die Geschichten nicht nur gelesen, sondern auch verstanden sind.

Wir sind sehr froh darüber, dass uns auf diesem Weg geholfen wird. Denn 96 Prozent unserer Kinder kommen aus Zuwandererfamilien. Und in vielen Elternhäusern gibt es keine Literatur”, berichtet die Rektorin der Gemeinschaftsgrundschule an der Zunftmeisterstraße, Ulrike Lueg. Zusammen mit ihren Kollegen unterrichtet die Pädagogin dort Kinder aus 46 Nationen.

Auch wenn die multikulturelle Grundschule an der Zunftmeisterstraße eine offene Ganztagsbetreuung mit zusätzlichen Erzieherinnen anbietet, macht sich Rektorin Lueg keinen Illusionen darüber, dass die im schulischen Bereich mögliche Leseförderung hinter dem individuellen Förderbedarf vieler Kinder aus Zuwandererfamilien zurückbleiben muss. „In vielen Klassen hat man 30 Kinder. Und eine Schulstunde hat nur 45 Minuten. Die Kinder haben ein volles Programm. Und bei der offenen Ganztagsbetreuung liegt der Schwerpunkt in der Hausaufgabenbetreuung”, beschreibt sie die Ausgangssituation.

Für Eva Winkler und Andrea Hankeln liegt der natürliche Vorteil einer individuellen Leserförderung außerhalb der Schule auf der Hand: „Hier können die Kinder in einem gemütlichen Raum und ganz ohne Notendruck die Lust am Lesen erleben”, sind sich die beiden CBE-Frauen einig.

Finanziell möglich wurde die vor einem Jahr begonnene Leseförderung in der Schmökerstube durch die finanzielle Unterstützung der Schauenburg-Stiftung, die als Finanzier ab 2010 von der Leonhard-Stinnes-Stiftung abgelöst wird.

Thomas Emons

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