Kennenlernen statt ausgrenzen

Mansoor Tariq (32) lädt alle Interessierten ein, sich in der Moschee am Hans-Böckler-Platz 7b ein eigenes Bild vom Leben und Glauben seiner Gemeinde zu machen.
Mansoor Tariq (32) lädt alle Interessierten ein, sich in der Moschee am Hans-Böckler-Platz 7b ein eigenes Bild vom Leben und Glauben seiner Gemeinde zu machen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mansoor Tariq ist Sprecher der muslimischen Ahmadiyya Gemeinde, die auf der Heimaterde eine Moschee errichten wollte – und scheiterte. Vor 19 Jahren flüchtete er aus Pakistan nach Deutschland. Ein Poträt.

Mülheim.. Rechtfertigungen sind für Mansoor Tariq schon fast Routine. Aufgrund seines Glaubens musste sich der 32-Jährige stets erklären – als Mitglied einer religiösen Minderheit wurde er als Kind in seinem Heimatland geschlagen und auch in Deutschland erlebte er Ausgrenzung.

Der Sprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde begrüßt uns an der Tür der kleinen Moschee. Hier heißt es: Schuhe aus. Auf Socken führt er uns über eine Treppe hoch in den Hauptraum der Moschee. Auf wenigen Quadratmetern beten an besonderen Feiertagen über 100 Menschen zu Allah. „Das ist ganz schön eng. Daher suchen wir seit Jahren einen Ort für eine größere Moschee“, sagt Tariq.

Inselgesellschaften vermeiden

Mit diesem Wunsch geriet die 115 Mitglieder starke Gemeinde im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen: Tariq und seine Freunde hatten Interesse am Kauf des Gebäudes der ehemaligen Neuapostolischen Kirche an der Max-Halbach-Straße auf der Heimaterde. Am Ende scheiterte es am Widerstand der Anwohner. Einige fürchteten durch den Zuzug der Gemeinde chaotische Parkverhältnisse sowie einen Wertverlust des Eigentums – die Neuapostolen beugten sich dem Druck und erteilten den Muslimen eine Absage. „Schade“, findet das Mansoor Tariq, die Gemeinde hatte schließlich schon viel Zeit und Geld in die Planungen gesteckt. „Gerne würden wir mitten in einen Stadtteil ziehen, um uns zu öffnen und in Dialog mit den Nachbarn zu treten.“ Nur so ließen sich „Inselgesellschaften“ vermeiden. Als Plakate mit fremdenfeindlichen Sprüchen an den Bäumen und Laternen der Heimaterde pappten, machte ihn das wütend und traurig. „Wie sollen wir die Situation verbessern, wenn man uns die hingehaltene Hand wegschlägt?“

Mit Vorurteilen haben Mansoor Tariq und seine Glaubensbrüder und -schwestern seit jeher zu kämpfen. Die Ahmadiyya-Muslime gehören zu einer islamischen Sondergemeinschaft, die als Minderheit von den meisten anderen Muslimen abgelehnt wird. In vielen Ländern wird die Glaubensgemeinschaft daher verfolgt. So auch Mansoor Tariq und seine Familie: Vor 19 Jahren kam der damals Zwölfjährige mit seinen Eltern aus Pakistan nach Deutschland. In Essen fand die Familie nicht nur eine neue Heimat, sondern Schutz vor Verfolgung. „In Pakistan war es ein Ritual, dass meine 59 Klassenkameraden mich vor dem Unterricht verprügelten, während der Lehrer Zeitung las.“ In Essen besuchte Mansoor Tariq dann die Schule, lernte Deutsch, begann nach dem Abitur ein Studium und absolvierte später eine Ausbildung zum Informatik-Kaufmann.

Heute arbeitet er in einem Dortmunder IT-Unternehmen und lebt mit seiner Frau und der dreijährigen Tochter in Essen-Frohnhausen. „Unsere Tochter besucht übrigens einen katholischen Kindergarten.“ An Sankt Martin entzündet er mit ihr eine Laterne und läuft bei Umzügen mit. „Alles, was eine positive Lehrer verbreitet, ist gut für Muslime.“ Ohnehin lege die Gemeinde Wert auf Bildung und Aufklärung. „Nur so entsteht Aufgeschlossenheit.“ Die Jugendlichen sollen „von den richtigen Lehren des Islam hören“, es solle auch offen und kritisch gesprochen werden.

Türen stehen Besuchern offen

„Die Terroranschläge in Paris verurteilen wir aufs Schärfste. In einem Gottesdienst haben wir für die Opfer und ihre Angehörigen gebetet.“ Für Leute, die sich Muslime nennen und in Allahs Namen Terror verbreiten, habe er kein Verständnis. Islamkritische Karikaturen seien zwar verletzend, „aber das müssen wir aushalten“, sagt er. „Denn für uns gilt es, die demokratischen Werte zu verteidigen.“

Für Mansoor Tariq zähle an erster Stelle der Mensch, Herkunft oder Glaube seien zweitrangig. Daher plädiert er – auch in Hinblick auf die aktuellen Pegida-Demonstrationen – „die Menschen kennenzulernen, bevor man sich ein Urteil über sie bildet“. Die Türen der Moschee stünden daher stets offen für Besucher, die sich selbst ein Bild machen möchten. Auch die Gottesdienste seien öffentlich, in Urdu und in deutscher Sprache gehalten. Denn: „Besser man tritt mit Vorurteilen an mich heran, als gar nicht.“