Keine Schnapsidee
17.07.2009 | 19:52 Uhr 2009-07-17T19:52:00+0200Einen Kulturbeirat braucht die Stadt. Das fordert zumindest die Initiative „Kunststadtrat”.
Die Idee kam, wie so oft, beim wöchentlichen Stammtisch. Wieder einmal ärgerten sich die Künstler Jochen Leyendecker und Klaus Geldmacher über die Politik. „Im Bereich Kultur passiert einfach zu wenig”, waren sie sich einig. Es gibt einen Beirat für Gestaltung, einen für Senioren und einen, der sich um die Belange der Jugend kümmert. Warum sollte es nicht auch einen Kulturbeirat geben, der sich mit allen künstlerischen Sparten befasst?
Das ist nun etwa zwei Monate her. Seitdem ist einiges passiert. Die beiden haben Kontakt zu anderen Künstlern aufgenommen, fünf waren spontan mit von der Partie. Gemeinsam gründeten sie die Initiative „Kunststadtrat”. Als Wählergruppe „Mehrkultur” hätten sie gern versucht, zwei Mandate im Stadtrat zu erringen. 27 Kandidaten für die einzelnen Wahlbezirke aufzustellen, ist dann doch nicht gelungen. „Nun wollen wir auf eine andere Weise versuchen, einen Kulturbeirat zu installieren”, erklärt Klaus Geldmacher. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich hatte ja heimlich gehofft, dass uns eine Partei zwei Sitze abgibt.”
Wenn es nach ihnen geht, sollte das neue Gremium nicht zu groß sein. 16 Mitglieder könnte es haben, zwei für jede Sparte – also für die Bereiche Darstellende Kunst, Musik, Literatur, Film, Bildende Kunst, Architektur, Soziokultur, Kulturvermittlung. Der Beirat sollte überparteilich tätig sein, die verschiedenen Parteien beraten, anstatt mit ihnen zu konkurrieren.
An Themen, mit denen er sich beschäftigen könnte, mangelt es nicht. Lösungen für alle Probleme haben die beiden auch nicht, stellen sie sofort klar. „Wir wollen aber, dass die Bürger stärker einbezogen werden und eine öffentliche Diskussion stattfindet.” Stichwort Ruhrbania. „Wo kommen die Kunstwerke hin, die weichen müssen?” fragen sich Leyendecker und Geldmacher. Auch die Skulpturen zwischen Schloss Broich und der Volkshochschule beschäftigen sie. „Die vergammeln oder werden besprüht”, ärgert sich Klaus Geldmacher. Das Kunstwerk zwischen Hauptbahnhof und Post sei in ähnlich schlechtem Zustand. „Erst steckt die Stadt da viel Geld rein, es gibt eine große Einweihungsfeier – und dann kümmert sich keiner mehr drum.”
Einen Vorschlag an die neue Leiterin des Kunstmuseums, Beate Reese, haben Geldmacher und Leyendecker auch. Sie wünschen sich, dass eine Abteilung für Mülheimer Künstler des 20. Jahrhunderts eingerichtet wird. Apropos Kunstmuseum. Nach einem Café suchten die Besucher dort immer noch vergebens. Da hätten die meisten Einrichtungen in der Provinz Mülheim etwas voraus. „Es gibt zu wenig öffentlichen Druck”, finden die beiden Künstler und hoffen, dass ein Kulturbeirat dazu beitragen könnte, dass die „Politiker schneller in die Puschen kommen”.
Ende August treffen sich die Gründungsmitglieder des „Kunststadtrats” wieder. Dann wollen sie sich überlegen, wer Mitglied im Beirat werden könnte. Wer es nicht sein soll, ist ihnen schon klar: „Wir wollen niemanden aus dem Stadtrat oder aus der Verwaltung, sondern Individuen, die ihre Meinung sagen.”

03:06
Na, die Selbstdarsteller haben uns gerade noch gefehlt. Mit Kunstwerk zwischen Hauptbahnhof und Post meinen die etwa dieses rostige Blechteil? Nicht alles ist Kunst, was sich als solche ausgibt. Auf diesen Schrott kann ich gerne verzichten.......