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Klima im Wandel

Katastrophe und Chance

08.12.2009 | 11:00 Uhr
Katastrophe und Chance

Staats- und Regierungschefs en masse treffen sich in dieser Woche in Kopenhagen, um die Welt zu retten. Glaubt man Wissenschaftlern und Umweltschützern, geht es beim Klimaschutz um kein Jota weniger. Doch welche Erwartungen an den Gipfel sind realistisch und was kann eigentlich jeder Einzelne tun? Darüber sprach WAZ-Volontär Christian Schmücker mit Dr. Susanne Dickel von der Mülheimer Initiative für Klimaschutz.

Der Gipfel hat begonnen, wird nun alles gut?

Dr. Susanne Dickelvon der Mülheimer Initiative für Klimaschutz. Foto: Andreas Köhring

Susanne Dickel: Kopenhagen wird eine wichtige Etappe sein, so wie die Gipfel in Rio oder Kyoto zuvor auch. Es geht dabei ja nicht nur um konkrete Ziel-Vereinbarungen. Diese Veranstaltungen haben überhaupt erst dafür gesorgt, dass „Klima” als Problem in den Köpfen politischer Entscheidungsträger verankert wurde.

Aber der CO2-Ausstoß steigt, wärmer wird es auch.

Der Klimawandel ist Fakt, hat doch längst begonnen. Wir müssen uns eben fragen, wie wir damit leben, wie erträglich wir uns die Zukunft mit ihm gestalten wollen. Das wird aber nicht in Kopenhagen entschieden, jeder muss bei sich selber schauen.

Sagen Sie das mal Milliarden Auto-fahrenden Chinesen.

Die Chinesen produzieren heute schon sieben mal mehr Solarmodule als der Rest der Welt, darum sinken die Preise auch erheblich. China und Indien adaptieren technischen Fortschritt rasend schnell, dort wird man in wenigen Jahren das schaffen, was bei uns 100 Jahre gedauert hat.

Pfeifen im Walde?

Überhaupt nicht. Wer den Finger auf China oder Amerika richtet, drückt sich in Wahrheit vor dem Problem. Jeder kann und muss selbst etwas tun. Darum sage ich auch, dass konkrete Zahlen als Ergebnis des Gipfels nicht so entscheidend sind wie eine breitere öffentliche Wahrnehmung.

Wie steht es denn um das Klima bei uns?

Es gibt bereits verschiedene Veränderungen und die haben auch noch völlig unterschiedliche Folgewirkungen. Wir werden zum Beispiel mit einer Zunahme an Starkregen-Ereignissen leben müssen. Weil es immer mehr versiegelte Flächen gibt, wird auch das Kanalnetz sehr stark belastet, da weniger Wasser im Boden versickern kann. Auch machen extreme Hitzeperioden im Sommer das Stadtklima unwirtlich, die spärlich begrünten Innenstädte heizen sich zusätzlich auf.

Und was tut man als engagierter Mülheimer dagegen?

Es gibt keine Universallösungen. Nehmen wir Hausbesitzer. Solaranlage auf dem Dach, bessere Fenster oder Fassadendämmung – ein Haus ist letztlich genauso individuell wie sein Bewohner, man muss immer im Einzelfall sehen, wie man die Bilanz verbessern kann und was davon auch bezahlbar ist.

Guter Punkt, wer zahlt denn eigentlich für die Misere?

Klimawandel ist nicht nur Katastrophe, er bedeutet in gewisser Weise auch Chance. Bestückte man alle Mülheimer Dächer mit Solaranlagen, deckte dies den Bedarf von 63 Prozent aller privaten Haushalte der Stadt. Kosten würde das etwa 900 Millionen Euro. Ein imposanter Wirtschaftsfaktor, oder? Das zeigt, dass das Umsteuern auf regenerative Energien möglich und rentabel sein kann. Nicht zufällig sind in der Branche fast 300 000 Jobs entstanden.

Wenn es um die Zeche geht, werden wir aber an einem eigenen Beitrag nicht vorbei kommen. Nachdem wir in 150 Jahren Industriegeschichte die Ressourcen der Welt abge-frühstückt haben, können wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen und den Schwellen- oder Entwicklungsländer das Autofahren verbieten.

Wie bringt man dann hier die Leute dazu, das Auto stehen zu lassen?

Etwa durch individuelle Mobilitätsberatung. Wer hat denn wirklich Spaß daran, sich morgens auf dem Arbeitsweg für eine Stunde in den Stau zu stellen. Organisiert man Fahrgemeinschaften vernünftig, nutzen sie auch mehr Pendler. Wäre der ÖPNV zugänglicher, sähe ihn niemand als schlechtere Reisealternative. Werden Städte fahrradfreundlicher, sind irgendwann vielleicht nicht mehr über 50 Prozent aller Autofahrten Kurzstrecken von unter sechs Kilometern.

Zum Schluss ein paar Soforttipps, um mit dem Energiesparen anzufangen?

Aber gerne! Wenn Sie den Computer nicht brauchen, machen Sie ihn aus. Wenn Sie frische Luft wollen, reißen Sie einmal kurz das Fenster auf, aber lassen Sie es nicht den ganzen Tag auf Kippe stehen. Und ja, ein warmer Pulli hält auch warm. Wer die Heizung um zwei Grad runter dreht, spart direkt zwölf Prozent Energie. Alles keine Zauberei.

Christian Schmücker

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