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Führungskräfte

Kampf um Talente

07.05.2011 | 17:37 Uhr
Kampf um Talente
Interview mit Unternehmensberater Peter Barfeld aus Muelheim. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Mülheim.Die Knappheit an Top-Führungskräften und Fachspezialisten könne sich insbesondere fürs Ruhrgebiet zum großen Problem auswachsen, mahnt Claus-Peter Barfeld, international tätiger Headhunter mit Sitz in der Mülheimer City.

Er mahnt eine neue Imagekampagne für die Metropolregion an – Kulturhauptstadt gewesen zu sein, reiche bei Weitem nicht, um Top-Kräfte in die Region zu locken beziehungsweise Nachwuchs nicht an südliche Bundesländer oder ans Ausland zu verlieren.

Vor 30 Jahren hat sich Diplom-Kaufmann Barfeld mit der Managementberatung „Barfeld & Partner“ selbstständig gemacht. Seine Gesellschaft an der Bahnstraße (sieben Mitarbeiter) sucht und vermittelt Top-Führungskräfte ab einem Jahresgehalt von 100 000 Euro bis hin zu Millionenbeträgen und Fachspezialisten, auch berät sie beim Zu- und Verkauf von Unternehmen(steilen), hauptsächlich in der Chemie- und Energiewirtschaft. Kunden sind auch die Konzerne Thyssen-Krupp, Hochtief oder Ferrostaal. Gerade in Zeiten wie heute, wo eine Umstrukturierung in Konzernen die nächste jagt, sei der Markt in Bewegung, so Barfeld. Überhaupt sei die Verweildauer auf Führungspositionen heute kürzer als früher.

Ein Mangel an Führungs- und Fachkräften wird beklagt, Barfeld (61) sagt nicht nur: „Top-Führungskräfte können sich in einigen Jahren die Rosinen herauspicken.“ Barfeld sagt auch, dass der Mangel insbesondere für die Firmen im Ruhrgebiet gefährlich werden könnte. Immer noch sei es nicht gut ums Image der Region bestellt. „Die Vorurteile wurden zwar abgebaut, aber sie sind noch stark verhaftet.“

Schon bei den Gehältern sei im Süden der Republik mehr drin. Es gebe aber immer noch auch Fälle, sich mit einer Führungskraft handelseinig über den Wechsel ins Ruhrgebiet zu sein, dann aber komme das Veto der Lebenspartnerin: „Da gehe ich nicht hin!“

Das Ruhrgebiet werde weiter trister wahrgenommen, als es tatsächlich sei. Kulturell und sportlich habe die Region einiges zu bieten. Doch weiter pflege man ein Understatement, das ungesund sei für wirtschaftliche Prosperität. Obwohl: Etwas mehr hatte sich Barfeld vom Strukturwandel schon versprochen, als zum jetzigen Zeitpunkt festzustellen sei. Immer noch gebe es zu wenig Mittelständler.

„Wir werden hier ein Stück weit ausbluten“, erwartet Barfeld den Verlust wirtschaftlicher Stärke, wenn die Ruhrgebietsstädte sich nicht als Einheit zu weiteren imagebildenden Aktivitäten verabreden. Auch jede Stadt für sich könne was tun, um sich als Wohn- und/oder Arbeitsort für die Elite der Arbeitswelt interessanter zu machen. Für Mülheim nennt Barfeld Ruhrbania, mehr Bauland im Grünen und, endlich: eine entschiedene Initiative pro Innenstadt.

Maschinenbauingenieure und Verfahrenstechniker: händeringend gesucht. Überhaupt: In technischen Berufen gehe einiges, so Barfeld. Ebenso seien Trader (Händler) im Energiesektor rar. Ein namhaftes Chemie-Unternehmen suche seit eineinhalb Jahren vergeblich einen HSEQ-Manager für Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit, Umwelt- und Qualitätsmanagement. Ad hoc könne er zehn Schmierstoff-Ingenieuren lukrative Jobs anbieten – nur: Es seien kaum welche am Markt.

Unternehmen seien stark gefordert, attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen, um im zunehmenden Wettbewerb um Spitzenpersonal nicht den Kürzeren zu ziehen. Kinderbetreuung, familiengerechte Arbeitszeitmodelle, Gesundheitsförderung – das sei künftig nicht mehr „nett zu haben“, sondern es seien „wesentliche Entscheidungsfaktoren für oder gegen einen Arbeitgeber“. Insgesamt müssten viele Unternehmen deutlich mehr in ihr Personalmanagement investieren, moderne Führungskräfte verlangten zudem eigene Gestaltungsspielräume in dezentralen Strukturen. Und: Sie müssten wieder mehr Wert auf das Wir-Gefühl legen. Wer dies vermittele, binde Top-Kräfte länger an sich.

Mirco Stodollick

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Kommentare
07.05.2011
23:08
Kampf um Talente
von CaptainWillard | #2

Ich kenne jemanden, der hat sich als Doktorand an der Kernforschungsanlage Mhmhmh ausbeuten lassen.

Dann hat ihn ein Stuttgarter Autobauer gekauft - mit prächtigem Büro, Forschungsmitteln ohne Ende, Dienstwagen etc.

Heute arbeitet der für Dingsbums. Als Weltklassenaturwisssenschaftler.

Und das ist kein Einzelfall - das ist die Regel.

Jemand, der bei Greenpeace, BUND, Foodwatch und so weiter sein Auskommen verdient und etwas Sinnvolles erledigt...

Warum sollte der sich in die Zwänge des Managerismus begeben?

Der Kampf um die Besten heißt nicht München gegen Essen oder Stuttgart gegen Dortmund.

Er heißt: NGOs gegen Transnationale Konzerne.

Und das ist gut so!

07.05.2011
21:27
Kampf um Talente
von orchidea | #1

Seltsam, dass in diesem Artikel nicht einmal der Aus- und Neubau der Fachhochschulen in NRW genannt wurde, als Initiative neuen hochqualifizierten Nachwuchs zu bilden.

Interessaant auch: Es gebe aber immer noch auch Fälle, sich mit einer Führungskraft handelseinig über den Wechsel ins Ruhrgebiet zu sein, dann aber komme das Veto der Lebenspartnerin: „Da gehe ich nicht hin!“
Die LebenspartnerIN sei also dagegen. So so. Man(n) sucht also nur nach einer männlichen Führungskraft.

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