Kampf für das Kaufhaus
29.05.2009 | 20:52 Uhr 2009-05-29T20:52:00+0200„Die Menschen stehen hinter uns”, sagt Gilbert Weigel. Der Geschäftsführer der Mülheimer Karstadt-Filiale ist zufrieden. Seit Montag sammeln er und seine Mitarbeiter Unterschriften. Eine Aktion der Kaufhaus-Kette, die bundesweit läuft. Die Arcandor AG, deren Tochtergesellschaft die Karstadt Warenhaus AG ist, hat staatliche Mittel beantragt. Für insgsamt 650 Millionen Euro soll der Staat bürgen, damit Arcandor sein neues Finanzierungskonzept absichern und auf diese Weise die drohende Insolvenz abwenden kann. Dazu soll noch ein 200 Millionen-Kredit der staatlichen KfW Bankengruppe kommen.
Die Unterschriftensammlung soll beweisen, dass die Bevökerung hinter diesen Forderungen steht. „Bis zum Samstag wollen wir landesweit eine Million zusammenbekommen”, beschreibt Gilbert Weigel das Ziel. Und zumindest in Mülheim sieht es gut aus.
Die Sammler haben sich direkt am Haupteingang der Karstadt Arkaden postiert. Sie haben einen leichten Job. Bereitwillig tragen sich die Kunden in die Listen ein. Hier muss niemand überzeugt werden, die Menschen wollen freiwillig ihre Solidarität mit den Karstadt-Mitarbeitern bekunden. Bis Dienstag waren 7000 Unterschriften gesammelt, gestern waren es schon 20 000. Kein schlechter Schnitt, ist auch Betriebsratsvorsitzender Bernd Wohlert überzeugt. Trotzdem: „Die Stimmung ist verhalten optimistisch”, erklärt er. Wenn das Finanzierungskonzept funktioniere, sei es gut. Aber es müsse eben klappen.
Die Arkaden im Rhein-Ruhr-Zentrum gehören mit rund 40 000 Quadratmetern zu den größeren Karstadt-Filialen. 10 000 Quadratmeter sind freilich davon vermietet. Das bedeutet neben den 400 Karstadt-Mitarbeitern wären noch 300 weitere Menschen von einer Schließung betroffen. Pro Jahr die Filiale rund zweieinhalb Millionn zahlende Kunden. Diese Zahlen hat auch Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld im Blick, die gestern in Namen der Stadt ihre Solidarität erklärte. „Für die Menschen, die im Einzelhandel tätig sind, gibt es keine Beschäftigungsalternativen mehr in der Region”, so die OB. „Mülheim braucht Karstadt”, betont sie. Nachdem klar sei, dass der Kaufhof in der Innenstadt schließen werde, sei Karstadt das letzte verbliebene Warenhaus in der Stadt. Würde dies wegfallen, sei dies das falsche Signal für die Region.
Mülheim setze schließlich in der Stadtentwicklung positive Akzente: „Durch die Fachhochschule werden viele junge Menschen kommen”, ist sie überzeugt. Das seien auch alles potenzielle Kunden, erkärte sie in Richtung Konzernleitung. Ähnlich sieht es auch Betriebsratsvorsitzender Bernd Wohlert: „Eine Großstadt ohne Kaufhaus kann ich mir nur schlecht vorstellen. Das gehört einfach dazu.”

12:32
Ich brauche auch so ca. 5 Millionen vom Staat damit ich mein Haus und Auto abzahlen kann . Bitte Überweisen Frau Merkel
20:19
Mag sein, dass bei Karstadt der Fisch vom Kopf her stinkt. Aber querbeet kann man genau so gut feststellen, dass das Personal deutscher Kaufhäuser sich meist benimmt, als seien das alles Beamte, denen nichts passieren kann. Aber auch das ist natürlich ein Managementproblem: Wenn man seine Leute nicht schult, auf Kundendienst trimmt und nicht knallhart aussiebt, kann daraus natürlich nichts werden.
Im Übrigen stimme ich den anderen Meinungen zu: Ich kann nicht einsehen, wieso jedes marode Unternehmen mit meinen Steuergeldern saniert werden soll. Mir schenkt auch keiner etwas. Es kann doch nicht sein, dass ein Selbstständiger oder kleiner Mittelständler mit seinem gesamten Vermögen haftet, wenn er pleite geht und die Eigentümer und Aktionäre von Großunternehmen milliardenschwere Geschenke erhalten!
13:17
Und wieder kommt sie mit der Fachhochschule. Wir können die FH ja in Heißen in der Nähe des RRZ bauen, um Karstadt zu stützen :-)
Einfach nur Gefasel.
13:14
@ Schlauberger.
Das ist eben nicht so ! Thomas Cook verdient Geld, Quelle ist break even und Karstadt ist nur deshalb nicht profitabel, weil die Mieten zu hoch sind. Wenn Arcandor insolvent wird, müssen sich die Vermieter bewegen, oder sie werden das schon vorher tun. Eine Arcandor-Insolvent wäre möglich, ohne den operativen Töchtern zu schaden. Die Altlasten, die aus vergangenen Verlusten herrühren, würden abgeschnitten. Solange aber die Option besteht, den Staat zu erpressen, wird man das versuchen, zu Gunsten der Gesellschafter, Bankgläubiger und Immobilien-Eigentümer.
Einige Standorte wird Karstadt sowieso aufgeben, genauso wie das Kaufhof zur Zeit tut. Das lässt sich nicht ändern.
12:19
Selbst die Presse scheint hier das Konstrukt nicht zu verstehen. Arcandor (Mutter) braucht Geld. Die Töchter (Primondo, Quelle, Karstadt) bekommen oder geben Geld an die Mutter (Arcandor). Ist Arcandor Pleite kriegen auch die Töchter kein Geld mehr und gehen Pleite. Das hat aber nichts damit zu tun wie im Moment z.B. Karstadt finanziel dasteht. Dieses dumme Gerede auch in der Tagesschau Karstadt will 650 Millionen kann ich nicht mehr hören. Klar ist aber: Kriegt die Mutter kein Geld sind auch die Kinder Pleite.
22:32
Unterschriftaktionen dürften Banken jedweder Art kaum als Sicherheit dienen !
Also : Marktregulierung auf natürlichem Wege.
Todkranke soll man sterben lassen um ihnen einen langdauerndern Leidensprozess zu ersparen. Schade für die ehrlichen und redlichen Mitarbeiter !!
11:39
ich hatte zu meiner zeit bei karstadt innerhalb von 3 jahren 9 !!! verschiedene abteilungsleiter. da wurde einer nach dem anderen weggelobt und gegen eine andere pfeife ausgetauscht, die seine vorherige abteilung schon in grund und boden gewirtschaftet hat. so ziemlich jeder langjährige mitarbeiter hatte damals schon davon gesprochen, mal ein buch über 20 jahre karstadt zu schreiben. ich hab noch nie solch ein chaos in einem großen unternehmen gesehen, wie seinerzeit bei karstadt zwischen 1996 und 1999. wieso sollte das heute anders sein. schade um die arbeitsplätze, aber so geht marktwirtschaft. die finanzkrise vorzuschieben, um HAUSGEMACHTE fehler des managements vom steuerzahler zu begleichen, halte ich für gefährlich. sonst könnte sich ja demnächst auch immer ein mitarbeiter vom finanzministerium vor das casino in hohensyburg stellen und dem herauskommendem mitelständler sein gerade verzocktes geld zurückzahlen (natürlich auf kosten der steuerzahler).
11:30
Das Shop in Shop - Konzept von Karstadt im RRZ stimmt. Dies gilt aber nicht für viele andere Karstadtkaufhäuser in Deutschland. Staatliche Bürgschaften würden somit nicht helfen. Das Geld würde mittelfristig verbrannt. Man muss daher notfalls eine Insolvenz in Kauf nehmen. Ein Investor für Karstadt im RRZ ist bestimmt zu finden. Mülheimer Politikerreden und Versprechungen sind dabei wenig hilfreich. Bei Opel ist es grundsätzlich anders. Ein gesundes Unternehmen mit vernünftigen Konzepten und messbaren wirtschaftlichen Erfolgen in Deutschland wird durch die drohende Insolvenz der amerikanischen Mutter zerstört. Wir kennen in Mülheim alle noch die Insolvenz von Clark. Das war damals entsprechend, aber der Staat hat seinerzeit leider geschlafen. Grundsätzlich gilt aber für alle wirtschaftlichen Entwicklungen, Politikerreden sollte man im Wahlkampf nicht erst nehmen. Nur sehr Wenige haben von den wirtschaftlichen Zusammenhängen eine Ahnung.
10:45
Jetzt soll ich also über Steuern bei Karstadt bezahlen ?
Ich möchte doch nichts aus dem überteuertem Sortiment.
08:41
Was soll man von einer OB halten, die in der Schließung des Innenstadt-Kaufhos Chancen sieht und sich für den Erhalt Karstadts stark macht?
Wenn staatliche Mittel gewährt werden, so sollte dies nicht nach dem Gießkannen-Prinzip geschehen, dann muss dies auch z.B. für Hertie gelten.
Meines Erachtens handelt es sich sowieso nur um mittelfristige Lösungen.