Kammermusik im Sinfoniekonzert

Es gehört schon etwas Mut dazu, ein Sinfoniekonzert nicht mit einer rauschenden Ouvertüre zu beginnen, sondern mit einem Werk wie dem 4. Streichquartett von Schostakowitsch, und das nicht etwa in der Orchesterbearbeitung von Barschai, sondern in der originalen Form durch das Delian::Quartett (Adrian Pinzaru, Andreas Moscho, Aida-Carmen Soanea, Jelena Ocic). In der Stadthalle erlebten die Zuschauer am Dienstag die Kammerakademie Neuss, die gemeinsam mit dem Delian::Quartett in dem Projekt „Quartett & Orchester“ spielten.

Das Stück stellt mit seiner herben, nach innen gerichteten Lyrik erhebliche Anforderungen an die innere Spannung und Konzentration nicht nur der Ausführenden, sondern auch der Zuhörer. Umso erfreulicher, dass nach dem im Unhörbaren entschwindenden Schluss bemerkenswert heftiger und lang anhaltender Beifall einsetzte. Der steigerte sich noch nach Elgars „Introduktion und Allegro“ für Streichquartett und Orchester, dessen romantische, melodienselige Aufschwünge Lavard Skou Larsen mit der Deutschen Kammerakademie Neuss ausgezeichnet auf den Punkt zu bringen verstand.

Höhepunkt war die Wiedergabe von Mozarts „Linzer Sinfonie“, die er in der kurzen Zeit von nur vier Tagen komponierte und zur Aufführung brachte. Die freie Art, in der Mozart mit dem konventionellen musikalischen Vokabular der Zeit umgeht, hat etwas latent Aggressives, das in der spannungsgeladenen Interpretation durch Larsen und die Kammerakademie elektrisierend zur Wirkung kam.