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Kaffeetrinken reicht nicht

08.05.2007 | 23:16 Uhr

Die neue Generation von Alten will etwas erleben. Die alten Alten sind genügsam und wollen nicht von zu viel Tatkraft überrumpelt werden. Deshalb hat es die neue Leitung der Altentagesstätte Nord nicht so einfach mit ihren Gästen

Nach über 30 Jahren hat das Ehepaar Haag die Leitung der Altentagesstätte Hügelstraße in Winkhausen an drei Damen abgegeben, die vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement vermittelt wurden: Edith Ramin, Dorothee Stehkamper und Inge Strunck. Als erstes wollen sie den Namen ändern. Aus der Altentagesstätte soll ein Seniorentreff werden.

"Klingt nicht so bieder, sondern frischer", sind sich die Frauen einig. Alt ist kein schönes Wort. "Wir sind eine neue Generation. In uns steckt viel Power", ruft Stehkamper heraus. Tatkraft, die beim Stammpublikum der Altentagesstätte nicht vorbehaltlos angenommen wird. Stehkamper wollte einen Literaturkurs einführen, was vorerst abgelehnt wurde. Inge Strunck spricht Klartext: "Die Alten lehnen mich zum Teil ab. Sie sehen mich manchmal als Konkurrenz." Strunck ist 59, fast eine Generation jünger, war 45 Jahre in der Buchhaltung tätig - keine Bergmannswitwe.

Genau wie ihre beiden Kolleginnen. Sie wollen nicht einfach nur ihre Freizeit im Ruhestand genießen, sondern eine Aufgabe mit Sinn verrichten, von der auch andere Menschen etwas haben. "Wir wollen mithelfen, dass ältere Menschen mehr Lebensqualität haben", sagt Strunck.

Deshalb wollen sie die bisherigen Aktivitäten der Einrichtung nicht nur weiterführen, sondern erweitern: um Lesungen, mehr Vorträge von Ärzten und der Polizei, um Besuchsdienste, um Sportgruppen. Ein Netzwerk - ähnlich wie in Saarn und nun auch in Broich - soll entstehen. Wilhelm Lehmann, der neue Vorsitzende des betreibenden Altenvereins Mülheim Nord e.V., macht klar, dass das nur behutsam geht: "Wir können nicht mit dem dicken Hammer kommen. Wir wollen die Leute langsam an das heranführen, was wir vorhaben."Gertrud Haag fing 1977 als Bedienung an den Kaffeetischen der Altentagesstätte Hügelstraße an. Immer mal wieder wollte sie aufhören, auch weil sie zwischenzeitlich krank war. "Dann musste ich immer wieder ran. Es war ja kein anderer da", erzählt sie. So wurden 40 Jahre daraus. Anfang April gab die 70-Jährige die Leitung der Altentagesstätte und den Vorsitz des betreibenden Altenvereins Mülheim Nord e.V. ab.

Zehn Jahre lang führte sie den Verein, die Tagesstätte schmiss sie mit Ehemann Wilfried fast im Alleingang. "Für uns allein war das eigentlich zu schwierig", sagt der 69-Jährige. Irgendwie ging es doch. Den Verein leiten, die Kasse machen, Fahrten organisieren, neue Besucher werben, Einkäufe erledigen und so weiter. "Aber wenn die Leute dann hier sitzen und Spaß haben, weiß man, wofür man das macht", meint Wilfried Haag.

Einst hatte der Altenverein über 600 Mitglieder. "Alles Bergwerksleute", sagt Haag. Heute sind es noch knapp 100. Haag selbst arbeitete als Dreher bei Mannesmann, später in der Lohnabrechnung. Seine Ehefrau war Hausfrau. Es sei schwierig geworden, die nachkommenden Alten für Kaffeetrinken, gemütliches Beisammensein und kleine Spiele zu begeistern. "Jüngere Senioren haben eigene Interessen, oft ein besseres Einkommen, und sie sind mobiler." Seine Frau wendet ein: "Aber die Leute werden doch immer älter und brauchen ein Angebot in ihrer Nähe." Dieses Spannungsfeld gilt es in Zukunft aufzulösen.

Die Haags werden das nicht mehr tun. Sie wollen weiter in die Altentagesstätte kommen, aber dann auf der anderen Seite des Tisches sitzen: nicht mehr Kaffee ausschenken, sondern Kaffee trinken. Gertrud Haag hat konkrete Pläne: "Wir fahren in Urlaub, kommen hierhin zum Spielen, kommen wieder hierhin zum Spielen, und fahren nochmal in Urlaub."

Öffnungszeiten der Altentagesstätte in der Hügelstraße 34: montags bis donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Kontakt: Tel: 76 22 75

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