Kämmerer Bonan fürchtet deutlich höhere Tariflöhne
10.02.2012 | 18:23 Uhr 2012-02-10T18:23:00+0100
Mülheim.6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber eine Steigerung von 200 Euro für die unteren Einkommensklassen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst – würde die Tarifforderung der Gewerkschaft Verdi in Mülheim durchgesetzt, risse dies ein weiteres Loch von 6,5 Mio Euro in das Stadtsäckel.
Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt könnte die satte Lohnforderung von Verdi kaum kommen, angesichts der leeren Kassen der Nothaushaltskommune. Eine Steigerung der Löhne von 1 Prozent (0,7 Mio Euro) hat Kämmerer Uwe Bonan zwar im aktuellen Haushalt einkalkuliert, denn mit Tarifverhandlungen war in diesem Jahr zu rechnen. Doch droht sie bedeutend höher auszufallen als die Kalkulation des Kämmerers.
„Längst überfällig“
Und dennoch „ist sie längst überfällig“, betont Dirk Neubner vom Personalrat der Stadt. Denn die 2500 Angestellten und 800 Beamten – auch ihre Löhne würden angepasst werden – nehmen seit Jahren sinkende Reallöhne und steigenden Arbeitsstress aufgrund von Personalabbau hin.
Was für die nordwestdeutsche Stahlindustrie ging – jüngst wurde 3,8 Prozent mehr Geld vereinbart – soll auch für Stadtangestellte möglich sein: „Über Jahre wurden sie von der Einkommensentwicklung abgeschnitten“, sagt Neubner, und sieht Land und Bund in der Pflicht, „die Kommunen mit Geld auszustatten“.
Für den Kämmerer sind solche Forderungen „wie ein Satz aus einem Science-Fiction-Film. Die Realität sieht anders aus“, meint Uwe Bonan. Mit einem Defizit von 5,75 Mio Euro rechnet er, wenn die Forderung Wirklichkeit würde.
„Es muss eine Steigerung geben“, glaubt auch Bonan, doch selbst eine geringere Steigerung führe zu einer Erhöhung der Kassenkredite und damit zu Druck auf die nächste Haushaltskonsolidierung. Mehr Geld für den ÖPNV? Damit unwahrscheinlich, glaubt Bonan. Weiterer Personalabbau? Möglich. Alternativ müsste die Stadt ihre Einnahmen erhöhen. Nur ein Rechenbeispiel: zehn Punkte auf den Gewerbe- und 60 Punkte auf den Grundsteuer-Hebesatz.

17:05
Deutlich höhere Tariflöhne waren vorhersehbar. Die EU fordert von Deutschland mehr Binnennachfrage. Die Verbraucherpreise stiegen im Januar + 2,1 %. Nach der Lohnzurückhaltung der Vergangenen Jahre müssen die Tarife mindestens stärker steigen. Tatsächlich sind vor allem die Preise für Energie sowie praktisch alle Gebühren überdurchschnittlich gestiegen. Abwasser mal eben so 15 %. Daher liegt die "gefühlte" Inflation höher als der Messwert der Bundesregierung. Die Metaller sowie der öffentliche Dienst setzen die Marken für andere Branchen. Eigentlich ist die Forderung von 6,5 % noch zu niedrig, da vermutlich für zwei Jahre abgeschlossen wird. Ein Haushaltsansatz, der nur 1% Steigerung vorsieht, kann man demnach als unseriös bezeichnen.
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20:37
Vielleicht versteht man das nur als Kämmerer aber mir sind die Zahlen so nicht ganz klar.
6,5 % und 200€ mindestens entsprechen laut erstem Absatz 6.5 Millionen...gerechnet wurde mit 1 % die 0,7 Millionen entsprechen. Das ist noch soweit klar da es nicht wirklich 6.5 % im Schnitt sind sondern ein höherer Wert. Was mir nicht so klar ist :
"Mit einem Defizit von 5,75 Mio Euro rechnet er, wenn die Forderung Wirklichkeit würde."
In welchem Zusammenhang stehen plötzlich diese 5.75 Mio zu den 6.5 Millionen aus dem ersten Absatz.
Die Berücksichtigung von 1 % im Haushalt ist lächerlich. Klingt danach als musste man unbedingt den Haushalt durchbekommen. Die grobe Forderung von Verdi war absehbar und was daraus bei Tarifverhandlungen rumkommt ist auch absehbar. Warum rechnet ein Kämmerer da mit einem für den Haushalt besseren Ergebnis als vor 2 Jahren. Führt ja im Endeffekt nur dazu das plötzich wieder ein paar Millionen in der Stadtkasse fehlen.