„Junges Theater“ gibt Nachwuchs in Mülheim eine Bühne

Mit Spielfreude und guten Ideen ist der Nachwuchs im Jungen Theater am Raffelberg bei der Sache. In den verschiedenen Altersgruppen kommen im Juni  gleich drei neue Stücke heraus
Mit Spielfreude und guten Ideen ist der Nachwuchs im Jungen Theater am Raffelberg bei der Sache. In den verschiedenen Altersgruppen kommen im Juni gleich drei neue Stücke heraus
Foto: Herbert Höltgen
Was wir bereits wissen
Beim Jungen Theater an der Ruhr engagieren sich 45 Kinder und Jugendliche. In verschiedenen Altersgruppen werden drei Stücke geprobt.

Mülheim.. Es gibt das Theater als Institution, mit Berufsschauspielern und einem eigenen Betrieb. Theater hat aber auch eine andere Aufgabe: Menschen zum Spielen zu bewegen. So drückte es jedenfalls Roberto Ciulli im Jahr 1997 aus, als er die Abteilung „Junges Theater“ im Theater an der Ruhr gründete.

Es sollte eine Bühne für junge Menschen geben, die sich im Spielen ausprobieren möchten – unabhängig davon, ob sie Schauspieler werden wollen oder nicht. Rund 45 Kinder und Jugendliche engagieren sich in der aktuellen Spielzeit im Jungen Theater. Im Juni feiern gleich drei Gruppen die Premieren ihrer selbst erarbeiteten Inszenierungen.

Zwerge

Theaterpädagoge Karsten Job betreut die jüngste Gruppe der Spieler. Kinder zwischen 8 und 12 Jahren haben sich mit Figuren aus bekannten Märchen beschäftigt und daraus eigene Geschichten entwickelt. Durch das Improvisieren spielten die Kinder kurze Szenen aus bekannten Märchen nach und erfanden diese auf ihre eigene Weise neu. Diese Szenen hat Karsten Job festgehalten und mit den Kindern zu einem Theaterstück zusammengefügt. Am 18. Juni feiert „Zwerge“ um 18 Uhr Premiere auf der Probebühne im Theater an der Ruhr. Weitere Vorstellung: 19. Juni, 18 Uhr, Karten: 6 Euro, erm. 3 Euro.

Etwas Anderes machen

Die Theatergruppe der 12- bis 15-Jährigen nahm sich gemeinsam mit Theaterpädagogin Julia Meschede Texte zum Thema Rückzug, Aufbruch, Aussteigen, Mitmachen und Verweigern vor. „Es finden sich Passagen aus Leonce und Lena von Büchner wieder sowie Kafka und Melville“, sagt Julia Meschede. Einmal in der Woche treffen sich die Jugendlichen, um spielerisch an Texte heranzugehen, Rollen und Szenen zu entwickeln. „Etwas Anderes machen“ feiert am 5. Juni, 19 Uhr, Premiere. Weitere Vorstellungen: 10. und 12. Juni, jeweils um 19 Uhr. Karten kosten 6 Euro, erm. 3 Euro.

Die Orestie

Mit der griechischen Tragödie „Orestie“ des Dichters Aischylos haben sich zehn junge Leute zwischen 17 und 24 Jahren auseinandergesetzt. Der 17-jährige Leon Withake spielt eine der Hauptrollen, den Orest. „Es war schwierig, sich in diese Rolle einzufinden, denn Orest ist ständig deprimiert und klagt sein Leid - während ich ein ganz anderer Charakter bin“, erklärt der Schüler am Gymnasium Broich.

In einem Austauschjahr in Australien entdeckte er im Schulunterricht das Theaterspielen für sich. Wieder in Mülheim, nahm er schließlich an einer der „Schnupper-Werkstätten“ im Theater an der Ruhr teil, in der sich die Jugendlichen einmal im Jahr unverbindlich zum Spielen treffen. „Wem es Spaß macht, der bleibt dann dabei“, erklärt Theaterpädagoge Bernhard Deutsch, der mit den Jugendlichen arbeitet, sie anleitet und Hilfestellungen gibt. „Ansonsten machen wir alles selbst – die Kostüme, das Bühnenbild oder die Dramaturgie“, sagt Manon Charrier (18), die aus der Partnerstadt Tours kommt und im Theater an der Ruhr eine einjährige Hospitation absolviert.

Auch sie spielt im Jungen Theater mit, das auf der Probebühne an der Ruhrorter Straße übt. „Wir sind als Gruppe gut zusammengewachsen und unternehmen neben den täglichen Proben viel in unserer Freizeit zusammen“, erzählen Manon und Leon. Auch wenn sie wissen, dass sich das Junge Theater nicht als Schauspielschule versteht, haben sie dort viel gelernt, sagen sie. „Vor allem das Improvisieren hat mir viel gebracht“, meint Leon. Eine gute Grundlage, denn beide würden gerne Berufsschauspieler werden.