Junge Familien an die Ruhr holen

Von der Schlossstraße aus ist die Ruhr nicht zu sehen. Die Zahl der Straßencafés hat dort abgenommen. Der Kaufhof steht noch leer.
Von der Schlossstraße aus ist die Ruhr nicht zu sehen. Die Zahl der Straßencafés hat dort abgenommen. Der Kaufhof steht noch leer.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Architekt Peter Schnatmann, der in Mülheim zahlreiche Objekte gebaut oder saniert hat, analysiert die Lage der Innenstadt.

Mülheim.. „Wer die Innenstadt anziehender machen und beleben möchte, der muss dort für die passende Bevölkerungsstruktur sorgen. Es fehlt attraktiver Wohnraum für junge Familien in unmittelbarer Nähe zur Stadt und zur Ruhr.“ So reagiert Peter Schnatmann auf Stadtplaner, Wirtschaftsförderer und Citymanager, die über Leerstände klagen und auf eine kaufkräftige Kundschaft setzen, um das Niveau in der Innenstadt zu heben. „Mit Senioren an der Promenade sei das nicht zu schaffen“, sagt der Architekt, der in Mülheim zahlreiche Objekte gebaut oder saniert hat.

Mülheims Mittel- und Oberschicht kaufe selten in der Stadtmitte ein, weshalb dort keine Nachfrage nach höherwertigen Angeboten bestehe und viele Ein-Euro-Läden öffneten. „Die umliegenden Städte und Zentren haben Mülheim den Rang als Einkaufsstadt längst abgelaufen“, sieht Schnatmann ernüchternd die aktuelle Lage. „Die Nähe zur Ruhr wird in der Stadt nicht erlebt, weil es keine Sichtverbindung zum Fluss gibt. Es sollte mehr Möglichkeiten zum Verweilen und Wohlfühlen geben.

Mehr Mut und Weitblick

Bei Stadtplanern und Politikern wünscht sich der Architekt mehr Mut und Weitblick. „Eine neue Innenstadt ist nicht in zwei Jahren zu haben. Aber wer nicht bald die Entscheidungen für ein Gesamtkonzept trifft, hat auch in zehn Jahren nur Flickwerk“, begründet Peter Schnatmann seine Anstöße. Dafür sei erforderlich: Ein Ideen-Workshop mit Fachleuten, Fragebogenaktionen oder Foren in sozialen Netzwerken, Bürgerbeteiligungen und die Chance zum Ausprobieren. „Wir sollten Provisorien herstellen, um geänderte Verkehrsführungen wirklich testen zu können“, meint der Architekt. Städte in der Nachbarschaft, die auch kaum Geld hätten, leisteten sich solche Vorgehensweisen trotzdem.

Zur Neugestaltung des Rathausmarktes meint Schnatmann: „Platz und Ruhrpromenade müssen eine Einheit bilden, auch optisch. Der Pflastersteinbelag muss durchgezogen und die Trennwirkung der Friedrich-Ebert- und Bahnstraße aufgehoben werden.“ Weniger Busse und Autos in diesem Bereich verbesserten die Aufenthaltsqualität. Man müsse mit Zuschussgebern beim Land auch über Stadtgestaltung reden und nicht nur in starren Strukturen denken.

Großes Entwicklungspotenzial rund um das Amtsgericht

Großes Entwicklungspotenzial sieht Schnatmann im Viertel rund um das Amtsgericht: „Mit grünen Innenhöfen könnten dort Wohnungen mit interessanten Familien-Grundrissen entstehen – im direkten Einzugsbereich der Stadtmitte.“ Menschen die Interesse an der Innenstadt hätten, lebten dort gern und machten sie anziehender.