Jugendliche finden ihre Rolle

Die Jugendlichen schaffen es spielend, das Publikum für ihre Figuren zu interessieren.Foto:Julia Meschede
Die Jugendlichen schaffen es spielend, das Publikum für ihre Figuren zu interessieren.Foto:Julia Meschede
Was wir bereits wissen
Junges Theater mit Premiere: In „Etwas anderes machen“ sind die jungen Darsteller der Standpunktbestimmung im Leben auf der Spur

Mülheim.. Offensichtlich orientierungslos tappen acht junge Akteure über die dunkle Bühne, laufen hin und her, bleiben auch mal kurz stehen. Zudem scheint irgendetwas in ihren Bewegungen nicht zu stimmen. Hier fehlt ein Schuh oder gar alle beide, dort schlingert jemand in zwei völlig unterschiedlichen Stiefeln durch die Gegend. Andere wieder scheinen körperliche Probleme zu haben. Niemand scheint in der ersten Szene von „Etwas anderes machen“ so ganz mit sich im Reinen zu sein.

Das Stück ist die neueste Arbeit des Jungen Theaters an der Ruhr. Rund ein halbes Jahr hat die Theaterpädagogin Julia Meschede mit der Gruppe aus neun Akteuren zwischen 13 und 15 Jahren gearbeitet. Texte von Kafka haben sie gelesen, vor allem aber Büchners Komödie „Leonce und Lena“, aus der sie einige Figuren sowie Passagen in ihre flotte Szenenfol­ge übernommen haben. Und natürlich wurde intensiv geprobt.

Die Komik des Erwachsenwerdens

Während acht Jugendliche sich über die Bühne bewegen, betritt eine weitere Akteurin die Spielfläche, malt mit Kreide Kästen auf die Bühne, bietet sie als Standorte an. Der eine oder die andere probiert diese Positionen auch aus, doch niemand verharrt länger auf einem Kasten.

Es geht also um die Herausforderung, die eigene Identität und einen Standpunkt im Leben zu finden, was besonders schwierig ist, wenn man sich altersmäßig irgendwo zwischen Kindheit und Erwachsensein bewegt. Manche Menschen verweigern sich allerdings dieser Herausforderung und ziehen sich komplett aus dem Leben zurück. Hinter einer Glaswand sitzend, gab eine junge Akteurin mit sparsamen Mitteln aufwühlende Einblicke in diese selbst gewählte Isolation. „Hikikomori“ heißt das Phänomen, mit dem sich die Jugendlichen auch beschäftigt haben, in Japan.

Diese Szene ist nicht die einzige, die mit großer Emotionalität die Leiden, Hoffnungen aber auch die Komik des Erwachsenwerdens ausspielt. Das Aufeinandertreffen von „Leonce“ und „Lena“ wird zu einer dichten heiter-melancholischen Szene. Fast schon erwachsene bewegt sich diese Lena mit ihrem auffälligen Kleid und kräftigem Lippenstift. Ihr Gegenüber erscheint dagegen noch jungenhaft, unscheinbar und doch sehr präsent. Und dann schafft er es auch noch, seine Augen im entscheidenden Moment zum Leuchten zu bringen! Es gibt eine ganze Reihe anrührender Momente in dieser Inszenierung.

Sicher und selbstbewusst

Am erstaunlichsten ist jedoch, wie sicher und selbstbewusst sich die ganze Gruppe über die Bühne bewegt. Es schafft wirklich jeder und jede, das Publikum anzusprechen und für seine Figur zu interessieren. Das ist die große Stärke eines Stückes, das auch Erwachsene erreicht.