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Tafelangebot wird ausgebaut

Jugend-Hilfe

20.06.2008 | 17:24 Uhr

Das Diakoniewerk Arbeit und Kultur und der Ev. Kirchenkreis an der Ruhr wollen die Chancengleichheit für benachteiligte Kinder verbessern. Initiiert werden eine Schulmaterial-Tafel und kostenlose Schulversorgung. Als Anschubfinanzierung werden 20 000 Euro bereit gestellt.

Brot, Gemüse, Obst oder Milchprodukte werden an der Mülheimer Tafel ausgegeben. Zumindest bei den Backwaren gibt es selten Lieferengpässe. Foto : Andreas Köhring

Das Diakoniewerk Arbeit und Kultur und der Evangelische Kirchenkreis An der Ruhr wollen Zeichen setzten: gegen wachsende Armut und soziale Perspektivlosigkeit, die sich Tag für Tag an der Mülheimer Tafel zeigen und verstärkt in den Schulen bemerkbar machen. Die Tafel wird erweitert. Für den Transport muss ein zweites Fahrzeug her, um die Mengen zu bewältigen. Die Ausgabe an der Georgstraße wird räumlich ausgebaut, vor allem aber wird es eine Schulmaterial-Tafel geben, kündigt Geschäftsführer Ulrich Schreyer an. Die Lehrer signalisieren den Bedarf, das Diakoniewerk liefert Hefte und Stifte, Mäppchen und Material. Verteilt wird „in allen Schulformen, von der Grundschule bis zum Gymnasium” – und zwar unbürokratisch und ohne Bedürftigkeits-Kontrolle. Diese Grundzüge gelten bereits an der Tafel. Und sie haben sich aus Schreyers Sicht bewährt. Das Diakoniewerk wird eine ordentliche Anschubfinanzierung leisten für den Materialeinkauf: 10 000 € werden bereitgestellt, ein Unternehmen wird weitere 2500 € geben.  Kostenlose Lernmittel, kostenlose Schulversorgung, Teilhabe an Klassenfahrten: Das Gefühl, sozial ausgegrenzt zu sein, soll es an Mülheimer Schulen künftig nicht mehr geben. Das ist das Fernziel für Superintendent Helmut Hitzbleck. „Und dafür”, betont der evangelische Pfarrer, „brauchen wir Geld”. Auch hier leistet die Kirche eine Anschubfinanzierung. „Ich denke, wir werden das mit 10 000 € eröffnen”. Von Mülheim aus, räumt der Superintendent ein, könne man „nicht die Welt ändern”, aber eben ein Thema besetzen und zumindest lokal Veränderungen einleiten. „Die Analysen sind seit Jahren bekannt. Die Situation ist wie sie ist und muss verändert werden”, finden Hitzbleck und Schreyer. „Wir erwarten von dieser Aktion auch, dass diejenigen, die über die Mittel verfügen, in ein solches Programm einsteigen.” Schreyer sieht an der Tafel vermehrt junge Familien und Alleinstehende, die sich mit Lebensmitteln eindecken. Und er registriert zunehmend Menschen, die sich dauerhaft in „einer Situation aus Tristesse und Chancenlosigkeit befinden”. Armut trifft Generationen, sie wird vererbt. „und gerade die Kinder sind in einer prekären Situation”, sagt Schreyer.  „Wer heute Opfer der Bedingungen ist, der wird eines Tages auch Täter werden und mit seinen Kindern ähnlich umgehen”. Helmut Hitzbleck beschreibt die Kette aus Armut, Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II, die es zu knacken gelte. Wichtigstes Instrument dabei: Bildung. „Kinder sollten ohne Scheu und ohne Hunger durch die Schule kommen”, fordert der Pfarrer. Bildung kann nur gelingen unter Bedingungen, die einen nicht klein machen.”

Jörn Stender


Kommentare
04.09.2008
19:47
Jugend-Hilfe
von bauernfänger | #5

allein der Beitrag im WDR Fernsehen, heute kurz nach halb acht, hatte bei mir nur Kopfschütteln zur Folge. Bei aller Armut eines Teils, der Armen fällt auch einem neutralen Beobachter auf, dass hier viele Organisierer bündelweise u. zum Teil als Großfamilie auftraten, Außerdem erhielten die meisten der Armen Plastiktüten überreicht, damit sie sich diese randvoll füllen konnten. Können diese Leute nicht mal von zu Hause ihre eigenen Tüten mitbringen? Ja, ich weiß ja, die Leute sind zu arm, um sich eine Plastiktüte für 10 Ct. zu kaufen. Aber wenn sie dann die Ausgabestelle verlassen, werden sich erst mal Zigaretten angesteck u. die Flasche Schnaps wird angezapft. Das ist unsere Welt der Armen. Hatte früher auch Lebensmittel (noch vor Erreichen des Haltbarkeitsdatums u. aus sozialen Gefühlen gespendetz. Das habe ich eingestellt.

04.09.2008
19:45
Jugend-Hilfe
von Gurkenflieger | #4

allein der Beitrag im WDR Fernsehen, heute kurz nach halb acht, hatte bei mir nur Kopfschütteln zur Folge. Bei aller Armut eines Teils, der Armen fällt auch einem neutralen Beobachter auf, dass hier viele Organisierer bündelweise u. zum Teil als Großfamilie auftraten, Außerdem erhielten die meisten der Armen Plastiktüten überreicht, damit sie sich diese randvoll füllen konnten. Können diese Leute nicht mal von zu Hause ihre eigenen Tüten mitbringen? Ja, ich weiß ja, die Leute sind zu arm, um sich eine Plastiktüte für 10 Ct. zu kaufen. Aber wenn sie dann die Ausgabestelle verlassen, werden sich erst mal Zigaretten angesteck u. die Flasche Schnaps wird angezapft. Das ist unsere Welt der Armen. Hatte früher auch Lebensmittel (noch vor Erreichen des Haltbarkeitsdatums u. aus sozialen Gefühlen gespendetz. Das habe ich eingestellt.

06.07.2008
13:28
Jugend-Hilfe
von daisyblue | #3

Ich habe aus anderen Gründen Bedenken gegen diese Maßnahme. Was oder wer erwartet die Kinder bei der Schulmaterialausgabe? Ständiger Wechsel beim Personal der 400 Euro-Jobber, darunter mancher mit fragwürdigem Lebenslauf, ohne polizeiliches Führungszeugnis. Ich will weder die Stammbelegschaft des Diakoniewerks noch alle Euro-Jobber stigmatisieren, aber der Fall Mitja zeigte, dass man einem Mann, der wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft war, während einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Kinder anvertraute und er rückfällig wurde.

21.06.2008
10:14
Jugend-Hilfe
von daisyblue | #2

Anmerkung zum letzten Satz:
es muss heißen: fachlich-pädagogisch

21.06.2008
10:11
Jugend-Hilfe
von daisyblue | #1

Na, da wird es den Leuten ohne Bedürfniskontrolle aber leicht gemacht. Wer Kinder bekommt,
weiss, dass sie irgendwann in die Schule müssen und kann über Jahre hinweg etwas Geld zurück legen. Statt dessen werden eher Zigaretten und Alkohol gekauft, muss das Handy her, der Nintendo usw. usw. Ein bequemeres Leben können sich manche doch gar nicht vorstellen: Miete und Nebenkosten werden größtenteils bezahlt, mit Lebensmittel und sonstigem alltäglichen Bedarf wird sich an der Tafel eingedeckt. Bleiben pro Person dann so um die 300-400 Euro übrig - für was eigentlich? Die Menschen, die sich dort bedienen, verlieren jegliches Verantwortungsbewußtsein für ihr Leben. Die Diakonie, die sich in Mülheim mit ihren zahlreichen Einrichtungen und Geschäftszweigen sehr breit macht und stetig weiter ausbaut, nutzt in diesen sicher für viele nicht leichten Zeiten die Gelegenheit, immer mehr Macht über Menschen zu gewinnen, die sich von ihr abhängig machen. Wer die Einrichtung und die berechtigten kritischen Stimmen kennt, weiss, wovon ich spreche. Werden zur Beförderung und Ausgabe der Materialien erneut zig Eurojobber benötigt?
In einem Lied von Reinhard Mey heißt es Der Minister nimmt flüsternd den Bischof in den Arm, halt Du sie dumm, ich halt sie arm!

Was wir wirklich brauchen, ist kein Kirchenmonopol, sondern die Einsicht der Landesregierung, dass z.B. Schulmaterial und Schulspeisung für nachweislich Bedürftige direkt vor Ort in den Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten. Hier würde auch dem fachlich-pädagischen Aspekt Rechnung getragen, indem Kinder aus sozialen Brennpunkten besondere Aufmerksamkeit unter Einbeziehung der Eltern, zuteil wird,.

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