Jüdische Gemeinde kritisiert Rede des Bürgermeisters
15.11.2009 | 13:37 Uhr 2009-11-15T13:37:00+0100Mülheim. Zum Volkstrauertag am Mahnmal im Luisental stieß die Rede von Bürgermeister Markus Püll auf Kritik der Jüdischen Gemeinde. Püll: An Bundeswehr-Soldaten in aktuellen Friedenseinsätzen wird zu wenig gedacht.
Zumindest der Himmel schien die richtigen „Worte” zum Volkstrauertag am Mahnmal an den Ruhranlagen im Luisental zu finden – es regnete dicke Tropfen auf die dennoch recht zahlreich erschienenen Menschen, die der Opfer des Nationalsozialismus gedachten.
Angemessen ebenso die Chorgemeinschaft „Sympathie 1975”, die mit „Herr, deine Güte” die offizielle Kranzniederlegung und Rede des Bürgermeisters Markus Püll (CDU) einleitete. Allerdings: Pülls Rede erntete schwere Kritik des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Jaques Marx. Denn der Bürgermeister gedachte zwar der „50 Millionen Opfer aus vier Kontinenten” im Zweiten Weltkrieg, mahnte, die „Versöhnungsprozesse voranzutreiben” und erinnerte mit einem jüdischen Sprichwort, „Menschen, die man vergisst, sterben ein zweites Mal”.
Jedoch knüpfte der CDU-Mann auch an die aktuellen Kriegsgeschehen in Afrika, Kosovo und Afghanistan an. Besonders gedachte er der Soldaten der Bundeswehr und der 50 Menschen, die beim von Oberst Georg Klein angeordneten Luftangriff in Afghanistan ums Leben kamen.
Im Anschluss an die Kranzniederlegung kritisierte Marx diese Verknüpfung gegenüber der WAZ scharf: „Ich bin enttäuscht. Zum Volkstrauertag der Soldaten in Afghanistan zu gedenken, ist nicht angemessen. Das ist schließlich ein Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus.”
Püll hingegen hielt seine Ausführungen für „sehr angemessen”. Als örtlicher Vorsitzender des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge sieht Püll seine Pflicht darin, auch an diese zu erinnern, denn „die deutschen Soldaten führen dort keinen Krieg, sondern setzen sich für Freiheit, Frieden und Demokratie ein. Derer gedenken wir zu wenig.”

15:58
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12:56
trauern die juden auch um die von ihnen getötenen palistinenser?
11:52
@ dusted
Soso, mit dem Soldatensold ist also der Todesfall abgegolten - selbstverständlich auch die Sorgen und Belastungen der Angehörigen?
Ihr Umkehrschluss ist sachlich falsch:
Selbstverständlich ist auch der Taliban ein Opfer - nur sicher nicht ein Opfer der Deutschen, sondern seiner unangepasst einseitigen Weltanschauung.
Die Kritik des Herrn Marx scheint mir nach wie vor reflektorischer Natur - Reaktion ohne vorheriges Nachdenken.
Es wäre an der Zeit, dass er das mal richtigstellt.
11:02
Geh nie tief, den es da tief.
09:35
... wer bezahlt und bewaffnet als Soldat in einen Krieg zieht, und dabei umkommt ist KEIN Opfer.
Der Umkehrschluss wär´nämlich, dass der Taliban mit dem Bombengürtel und der Kalaschnikov ebenfalls ein Opfer der Deutschen ist, wenn er abgeballert wird.
Insofern halte ich persönlich die Kritik an der Rede für sehr gerechtfertigt.
01:50
Wir trauern am 27. Januar, am 20. Juli und am 9. November (und hoffentlich nicht nur an diesen Gedenktagen!) um die Opfer des Nationalsozialismus.
Der Volkstrauertag, den es seit 1919 gibt, ist ein Gedenktag für alle Opfer von Krieg und Gewalt zu allen Zeiten. Soll es da - wie Herr Marx meint - wirklich nicht angemessen sein, um gefallene Bundeswehrsoldaten zu trauern? Wie mögen sich Hinterbliebene fühlen, wenn sie so etwas lesen?
Ich verstehe eine solche Haltung nicht, und ich wäre Herrn Marx dankbar, wenn er näher erklären könnte, warum die Trauer um ein Gewaltopfer der Gegenwart weniger angemessen sein soll, als die Trauer um ein Gewaltopfer der Vergangenheit. Die Tränen der Hinterbliebenen sind gleich bitter!
Der Gedanke, dass Opfer der Nazis trauerwürdiger sein sollen als beispielsweise Opfer der Taliban oder Opfer anderer Kriege erscheint mir dann sehr merkwürdig, wenn ich mich in die Lage einer Mutter oder Ehefrau eines toten Soldaten versetze.
Bei allem Respekt für die Jüdische Gemeinde: Es kann nicht angehen, dass ausschließlich Trauer um Opfer des Nazi-Terrors angemessen sein soll und Trauer um Opfer anderer Kriege und Terror-Regime am Volkstrauertag ausgeblendet bleiben soll. Der Volkstrauertag ist ein Gedenktag für alle Hinterbliebenen, auch für die heutigen. Ich denke, es ist wirklich nicht zu viel verlangt, dies zu akzeptieren.
Häseken
22:45
Mein Hinweis auf den Irrtum von Jaques Marx bezog sich auf seine Aussage, der Volkstrauertag sei ein Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus- und damit ausschließlich für diese. Deshalb verstehe ich nicht, dass Sie zu Beginn Ihrer Stellungnahme schreiben: Jaques Marx irrt sicherlich nicht, aber im weiteren Verlauf Ihrer Stellungnahme meine Aussage bestätigen.
Paul Heidrich
22:31
An Bundeswehr-Soldaten in aktuellen Friedenseinsätzen wird zu wenig gedacht.
Welche Friedenseinsätze?
22:00
...woher nehmen religiöse Gemeinschaften, hier jetzt mal die Juden, sich das stetige Recht heraus, alles ersteinmal an den Pranger zu stellen. Wenn das Volk trauert, dann trauert es um alle Gefallenen und nicht nur um die einer leider stark betroffenen geistlichen Anschauung der weiten Vergangenheit sonder auch um diejenigen, die nach 2000 gefallen sind. Würde, Respekt und Teilnahme vor allen Toten wäre da besser seitens der jüdischen Gemeinde angebracht gewesen.
21:40
Schade, dass in den jüdischen Organisationen, die es zum Glück gibt, an manch herausgehobener Stelle Leute sitzen, die immer noch mit alten Reflexen versuchen die Zukunft zu gewinnen. Das Totengedenken, welchen unzweifelhaft nicht nach der Art des Opfers unterscheidet, zu missbrauchen um hierfür eine erste bzw. zweite Klasse des Trauerns zu eröffnen ist gelinde gesagt absoluter Schwachsinn.