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Karneval

Jecken hatten die Qual der Wahl

12.02.2012 | 15:55 Uhr
Jecken hatten die Qual der Wahl
Karneval Prunksitzung mit den Roten Funken im Altenhof am Samstag Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPool

Nein. Karneval ist nicht immer nur das reine Vergnügen. Hinter dem Spaß steht die Arbeit und auch das finanzielle Risiko. Bevor Saalveranstaltungen wie das Fest der Feste oder die Funkensitzung über die Bühne gehen können, müssen Säle angemietet und Unterhaltungskünstler eingekauft werden, von der ehrenamtlichen Auf- und Abbauarbeiten hinter den Kulissen ganz zu schweigen.

Umso mehr sind Karnevalsgesellschaften, wie der Mülheimer Carnevalsclub (MCC) oder die Roten Funken auf zahlende Zuschauer angewiesen, damit die Rechnung aufgeht und dem bunten Abend keine roten Zahlen folgen. Doch den Jecken, die gewillt sind, sich den Spaß an der Freude mit Büttenrednern, Tanzgarden und Stimmungsmusikanten auch etwas kosten zu lassen, wird es nicht immer leicht gemacht. Auch der größte Narr kann ja seine Euros nur einmal ausgeben. Dennoch ließen MCC und Funken ihre gleichwertigen Vorzeigeveranstaltungen am Samstagabend zeitgleich in der Stadthalle und im Altenhof über die Bühne gehen und traten damit in karnevalistische Konkurrenz.

Dabei hatten die Funken mit 300 Gästen im Altenhof auch stimmungsmäßig die Nase vorn, obwohl auch den etwa 150 Gästen im Festsaal der Stadthalle ein abwechslungsreiches Programm geboten wurde. MCC-Mariechen Birte Paffendorf gab auf der Bühne ebenso alles, wie Armin Jacobi und seine Combo Favorit. Die ließ altbekannte Karnevalsschlager wie etwa: „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ ganz neu swingen, während die Krähenfelder und die Albatrosse („Jetzt geht’s los!) für die beim MCC besonders geschätzten kölschen Karnevalstöne sorgten. Bauchredner Merlin und sein ergrauter Kollege Willy waren leider nur bedingt witzig und blieben hinter ihren Möglichkeiten zurück. „Sag mal, wo hast du eigentlich deine Zähne gelassen? Wir leben getrennt“ oder: „Wir hatten in unserer Ehe immer ausgefallenen Sex. Montags fiel er aus und dienstags fiel er aus“, gehörten zu ihren besseren Gags.

Als echte Hingucker zauberten die in Schwarz, Rot und Gold gekleideten Damen des Tanzcorps Assindia mit ihrer Show einen Hauch von Saturday-Night-Fever in einen Festsaal mit ansonsten eher gediegener Stimmung.

Mehr Stimmung im Saal erlebten die Roten Funken mit ihren Gästen im Altenhof. Nicht nur die eigenen Tanzgarden sorgten mit einem Tanz vom anderen Stern, mit einer Bollywood-Show und den altbewährten Ladykrachern für ein sehenswertes Bühnenprogramm, das die Jecken mitgehen ließ. Die knuffigen Minis waren ebenso eine erfrischend e Vitaminspritze für die wintergetrübte Seele wie die reifen, aber flotten Damen der Ladykracher, die mal im Putzkittel „Das bisschen Haushalt“ und mal im „Cindy aus Marzahn“-Look „Du hast die Haare schön“ für Furore sorgten. Das konnte natürlich nicht ohne Zugabe über die Bühne gehen, ehe der frischgekürte Ehrensenator Peter Weber zum guten Schluss „I did it my way“ fast so gut, wie einst Frank Sinatra schmetterte. Zuvor hatten allerdings schon Stimmungssängerin Diana: „Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so lieb sind“ und die Rheinstädter: „Wenn das Trömmelchen geht“ den Saal kräftig Bewegung gebracht.

Etwa 20 Funken konnten die Karnevalsparty ihrer Gesellschaft allerdings nur bedingt genießen, weil sie zum Beispiel beim Catering und beim Verkauf der Tombolalose richtig ran mussten. Wie gesagt: Karneval ist eben nicht immer nur das reine Vergnügen, sondern manchmal auch richtig harte Arbeit.

Thomas Emons

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