Investition in Mülheimer Brandschutz

Das sogenannte FIBS (Feuerwehr Informations- und Bediensystem) ist im Brandfall erste Anlaufstelle.
Das sogenannte FIBS (Feuerwehr Informations- und Bediensystem) ist im Brandfall erste Anlaufstelle.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Mehr als 36 Millionen Euro verbaut die Stadt Mülheim allein für Brandschutz, Klimatechnik und Trinkwasserinstallationen in den kommenden drei Jahren in städtischen Gebäuden. Und damit hofft Frank Buchwald, Leiter des städtischen Immobilienservice, auch auszukommen: „Wenn wir keine großen Überraschungen erleben, müssten wir damit hinkommen.“

Mülheim.. Mehr als 36 Millionen Euro verbaut die Stadt Mülheim allein für Brandschutz, Klimatechnik und Trinkwasserinstallationen in den kommenden drei Jahren in städtischen Gebäuden. Und damit hofft Frank Buchwald, Leiter des städtischen Immobilienservice, auch auszukommen: „Wenn wir keine großen Überraschungen erleben, müssten wir damit hinkommen.“

Es sei ein Riesenpaket an Sanierungsaufgaben, das sich durch die notwendige Erneuerung der Wasserleitungen im Zuge der geänderten Trinkwasserverordnung noch erweitert hat. Trinkwasser- und Feuerlöschleitungen müssten heutzutage getrennt sein, um gesundheitsgefährdende Verkeimungen zu verhindern. Allein für die Schulen seien bis Ende 2017 im Haushalt insgesamt 22 Millionen Euro allein für vorbeugende Brandschutzmaßnahmen eingeplant, Aufträge für mehr als 14,3 Millionen Euro bereits vergeben, so Buchwald.

Alles notwendige Maßnahmen

Die Trinkwasser- und Brandschutzsanierung der Volkshochschule werde voraussichtlich 6 Millionen Euro kosten, beim Kunstmuseum beliefen sich die geplanten Kosten für Klimaanlage und Brandschutz auf 8,2 Millionen Euro. „Das alles sind notwendige Maßnahmen“, betont Buchwald. Es sei klar gewesen: „Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen!“ Man habe im Zuge früherer Gebäudesanierungen bereits mit den Arbeiten begonnen. Unaufschiebbar seien die Maßnahmen jedoch geworden, nachdem die Bezirksregierung die Begehung aller Schulen verlangt habe. „Da war uns schon klar: Es kommt eine große Welle auf uns zu“, so Buchwald. Man habe deshalb ein externes Brandschutzbüro beauftragt, denn allein vom eigenen Personal seien die Prüfungen nicht stemmbar gewesen seien.

Wieso reichen die alten Installationen nicht mehr aus? Was hat sich geändert? Die WAZ fragte bei der Feuerwehr nach.

Die Aufwendungen für den Brandschutz machten oft nur einen Bruchteil der Sanierungskosten aus, meint Bernd Brinkmann, Abteilungsleiter für den vorbeugenden Brandschutz bei der Mülheimer Feuerwehr. Ein Unterschied zur alten Brandschutzverordnung sei, dass heute jeder der zwei erforderlichen Rettungswege in öffentlichen Gebäuden „baulich“ sein müsse. Das bedeutet: Die Menschen müssen im Notfall über eine Treppe das Gebäude verlassen können und nicht, wie ehemals ausreichend, über eine „anleiterbare“ Stelle, zum Beispiel ein Fenster. Das dauere im Ernstfall einfach zu lange, weiß der Brandoberamtsrat. So würden nun Außentreppen ergänzt.

Rauchwarnmelder gehören verpflichtend in jedes Gebäude

Weitere Vorgaben für ausreichenden Brandschutz seien die Decken in den Fluren. „Die müssen brandschutztechnisch verkleidet sein“, so Brinkmann. In der heutigen Zeit würden immer mehr Kabel verlegt. Diese müsse man „brandschutztechnisch schotten“. Deshalb müssen Kabel isoliert werden, die durch Wände führen. „Alle Löcher müssen gestopft werden, sonst sind Gebäude wie ein Schweizer Käse, dann droht im Brandfall eine Rauchverschleppung durch das ganze Gebäude.“

Durch Rauchschutztüren verhindert man die Ausbreitung des Feuers in andere Gebäudeteile, erklärt der Fachmann Bernd Brinkmann. Für häufig geöffnete Türen empfehlen sich integrierte Rauchmeldern, die diese im Notfall automatisch schließen. „Das ist zwar teurer, aber für Schulen praktikabler“, erläutert der Brandschutzexperte. In Mülheim brenne es, verglichen mit anderen Städten, jedoch selten. DAS abschreckende Beispiel für mangelhaften Brandschutz sei die Feuerkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen 1996, bei der 17 Menschen starben und 88 verletzt wurden. Dort sei der Brandschutz veraltet gewesen und all das eingetreten, was man durch heutige Vorschriften zu vermeiden versuche.

Rauchwarnmelder sind seit zwei Jahren in jedem Gebäude Pflicht. Eigentümer sind zur Installation verpflichtet, Mieter für die Betriebsbereitschaft verantwortlich. Vor allem in den Schlafräumen seien sie wichtig, denn die meisten Rauchtoten erstickten im Schlaf, so Brinkmann.