Interview mit Ingo Appelt
26.11.2008 | 12:46 Uhr 2008-11-26T12:46:00+0100Der Komiker spielt sein neues Programm in der Stadthalle. Im Gespräch erklärt er, warum er sich auf die Seite der Männer geschlagen hat
Man mag ihn, oder man mag ihn nicht: Ingo Appelt polarisiert. Der Comedian tritt am Donnerstag, 27. November, in der Stadthalle auf (20 Uhr).
Über mangelndes Medieninteresse können Sie sich gerade nicht beklagen, oder?
Appelt: Wir haben das neue Programm „Männer muss man schlagen”, das Buch dazu und die CD – es läuft ganz gut. RTL hat ja gerade auch das aktuelle Programm ausgestrahlt.
Haben Sie damit einen Nerv getroffen?
Appelt: Ich habe lange den „Retter der Nation” gespielt und dabei gemerkt: Das Männer-Thema ist doch weiter vorne. Ich habe das Programm drei Tage in Berlin gespielt – also, so gut habe ich mich schon lange nicht mehr auf der Bühne gefühlt. Männer haben einen schlechten Ruf, als Ingo Appelt hat man den auch – das passt schön zusammen.
Aha. Und wieso glaubten Sie, plötzlich etwas für die Männer tun zu müssen?
Appelt: Tja, ich tue mir ja manchmal etwas Leid und die Männer sich auch . . . Aber so richtig gemerkt habe ich das bei einem Hauptschulprojekt in Köln. Ich sollte da etwas vorlesen, und als ich die Klasse betrat, waren nur die Jungen da. Die Mädchen machten gerade Selbstbehauptungstraining, und es hieß, die werden über ihren Körper aufgeklärt.
Männerversteher Ingo Appelt, 41, legte mit „Männer muss man schlagen” (rororo, 9,95 Euro) gewissermaßen das Buch zur aktuellen Tournee vor. Am Donnerstag, 20 Uhr, steht Appelt, der gern in unschuldigem Weiß auftritt, um 20 Uhr auf der Bühne der Stadthalle. Karte: 22 Euro.
Da dachte ich: Wieso redet eigentlich keiner mit den Jungs? Auch meine Tochter sagt immer: Die Jungs in der Schule sind so nervig. Man merkt einfach: Der Mann an sich ist ein Problem. Und wenn du dich dann daneben stellst und sagst: Der Mann ist eine arme Sau – da erntest du nur Hohn und Spott. Da kann man nur sagen: Männer muss man schlagen . . .
Sie sind bekannt für den Tabubruch auf der Bühne . . .
Appelt: Bei mir ist der Tabubruch ja quasi Programm – und manchmal auch unfreiwillig. Das liegt an meinem Ruf. Aber ich bin ruhiger geworden. Vielleicht ist es das letzte Tabu, wenn es gegen die Frauen geht. Daran bin ich auch immer wieder gescheitert. Ich habe immer Ärger mit Frauen gehabt, die beleidigt waren. Männer vertragen Tabubrüche viel besser. Sie gehen einfach ganz anders miteinander um. Männer gehen trotzdem hinterher zusammen ein Bier trinken.
Frauen sind beleidigt, wenn man Witze über sie macht?
Appelt: Frauen auf der Bühne amüsieren sich gern über Männer – Beispiel Gaby Köster oder Desiree´ Nick. Umgekehrt gibt es das ja gar nicht. Das muss der Mann jetzt aushalten: Jahrtausende lang ist Mist gebaut worden – und jetzt kriegen wir Männer es ab. Männer haben die Frauen ja nur so lange unterdrückt, weil sie Angst vor ihnen hatten.
Sie haben drei Kinder – Ihre Tochter ist zwölf, Ihre Söhne fünf und sieben – dürften die Ihr Programm sehen?
Appelt: Meine Tochter findet das Programm gut, weil sie sich über die Jungs in ihrer Schule immer so ärgert. Meine Söhne sind noch zu klein, die sagen immer: Papa macht Kasperletheater. Das stimmt ja irgendwie auch. Nur – ich habe mich dabei für die Rolle des Krokodils entschieden.
Sie wurden in Essen geboren. Wie ist das Publikum hier?
Appelt: Das Ruhrgebiets-Publikum kommt mir sehr entgegen. Die Leute haben hier eine Kodderschnauze, die kommen mit meinem Humor gut klar.
Und privat sind Sie dann ganz anders?
Appelt: Auf der Bühne bin ich der Bösewicht, bin großkotziger, wirke schlagfertiger. Zu Hause bin ich ein ganz normaler Mensch – eher so ein netter.
Könnte man also annehmen, dass Ingo Appelt zu Hause womöglich ein Frauenversteher und Sitzpinkler ist?
Appelt: Aber natürlich. Das ist genau so.
Interview: Bettina Kutzner

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