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WAZ-Serie: Selbsthilfe

Inselbegabungen

04.02.2009 | 18:49 Uhr

Große Fähigkeiten, große Einschränkungen: Im Autismus-Therapie-Zentrum treffen sich auch die Eltern.

Er kann virtuos mit Zahlen umgehen, ist ein wandelndes Geschichtslexikon und hat erstaunliche musikalische Fähigkeiten: Raymond Babbitt ist ein „Inselbegabter”, der auf manchen Gebieten eingeschränkt ist, dafür aber auf anderen über enorme Fähigkeiten verfügt. Dustin Hoffman zeigt in „Rain Man”, welche Begabungen Menschen mit Asperger-Syndrom, einer Autismus-Form, haben können.

Im Autismus-Therapie-Zentrum, Mellinghofer Straße 328, unterscheiden die Mitarbeiter zwischen dem Asperger-Syndrom und dem frühkindlichen Autismus. „Die Selbsthilfegruppe hat sogar schon mal über eine Trennung der Gruppe nachgedacht”, berichtet Heidi Baden, Dipl.-Sozialpädagogin im Zentrum.

In dem gemütlichen Haus werden Autisten von 2 bis 51 Jahren individuell therapiert. Es werden Perspektiven entwickelt, Kompetenzen trainiert, Veränderungen zum Ziel gesetzt. Das betrifft Lernstörungen, aber auch alltägliche Fähigkeiten. Autisten können einmal Erlerntes oft nicht verallgemeinern. Soziale Zusammenhänge bleiben ihnen verborgen. „Deshalb werden ihre Komplimente oft falsch verstanden, müssen sie lernen, wie man Small Talk macht”, so Baden. Talente wie ein Kalendergedächtnis oder absolutes Gehör nützen im Alltag wenig.

In der Mellinghofer Straße treffen sich auch Eltern autistischen Kinder. Sie gründeten den Verein „Hilfe für das autistische Kind” RV Mülheim-Duisburg, 1982 mietete der Trägerverein das Haus an der Mellinghofer an, wo das Autismus-Therapie-Zentrum startete. „Es tut gut zu wissen, dass andere Eltern auch Probleme haben”, sagt eine Mutter.

Autisten und ihre Familien stoßen bei Behörden, in Schulen, Kindergärten auf Unverständnis. So unternimmt die Selbsthilfegruppe in diesem Jahr eine Wochenendfahrt. Thema ist „Konfliktgespräche mit Schulen und Behörden”. Die rätselhaften Störungen autistischer Menschen, die in kein herkömmliches Bild von Behinderungen passen, liefern immer wieder eine Entschuldigung dafür, Autisten als geisteskrank auszugrenzen. Dabei besuchen immer mehr autistische Kinder eine Regelschule. So habe eine Mutter ihren Sohn dem Sachbearbeiter einer Bewilligungsbehörde auf den Schreibtisch gesetzt, um ihn von der nötigen Therapie zu überzeugen, berichtet ein Mitglied der Selbsthilfegruppe. „Es sind solche Tipps und Ratschläge, mit denen wir uns untereinander helfen.” ist

» Kontakt: Authismus-Therapie-Zentrum, Mellinghofer Str. 328 oder übers Selbsthilfebüro Mülheim 300 48 14

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