In Mülheim weniger ohne Lehrstelle
11.10.2007 | 20:15 Uhr 2007-10-11T20:15:02+0200Mehr Ausbildungsplätze und sinkende Zahl der Bewerber sorgt für positive Entwicklung
Der Aufschwung macht sich längst auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar: Es gibt im Ruhrgebiet 15,7% mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahr. In Mülheim hat sich das Verhältnis von gemeldeten Lehrstellen (1171) zu Bewerbern (1384) zum Stichtag am 30. September 2007 so positiv entwickelt, dass sich beide Zahlen langsam annähern.
Diese Daten aus der Berufsberatungsstatistik der Agentur für Arbeit verzeichnen für Mülheim und Oberhausen insgesamt 423 Ausbildungsplätze mehr als 2006. Da in Mülheim die Zahl der Bewerber um 136 zurückgegangen ist, gleichzeitig aber 133 mehr Lehrstellen in Industrie, Handel, Handwerk geschaffen wurden, kommen in Mülheim inzwischen auf eine freie Lehrstelle, rein rechnerisch, 1,18 Bewerber, in Oberhausen sind es 2.
Heinrich Lehnert, Leiter der Arbeitsagenturen Oberhausen und Mülheim, freut sich über den Erfolg der gemeinsamen Aktionen von Arbeitsagentur, Kommunen, Kammern, Medien und Betrieben für mehr Ausbildungsplätze, gießt aber ein wenig Wasser in den Wein: "Wir bräuchten mehr."
Nicht 1 : 1 wäre das optimale Verhältnis von Angebot und Nachfrage, sondern: "Wir brauchen ungefähr dreimal so viele Stellen wie Bewerber, damit wir das einigermaßen passgerecht kriegen", erläutert Berufsberater Ewald Matzkat. Erst dann könne man alle jungen Leute versorgen. "Es kann ja nicht jeder alles machen."
So erklärt sich, dass es zum Monatsbeginn in Mülheim zwar noch 51 Bewerberinnen und Bewerber ohne Lehrstelle, schulische oder berufsvorbereitende Alternative gab (2006: 94), aktuell aber noch immer 31 Ausbildungsplätze in Mülheim unbesetzt sind: zehn in Büroberufen, acht im Handel, vier in Bauberufen, vier in der Gastronomie, fünf im Elektronik- und IT-Bereich. Es kann, zum Beispiel, am Zeugnis hapern: Wenn für eine Lehrstelle im IT-Bereich eine "2" in Mathe verlangt wird, scheiden viele Bewerber gleich aus. "Die Betriebe warten dann lieber auf den Wunschkandidaten", weiß Matzkat. Andererseits: Wer als Kaufmann gern Elektrogeräte an die Kundschaft bringen würde, wird nicht glücklich, wenn er stattdessen Wurst und Käse verkaufen soll.
"Langfristig kann man den Betrieben nur raten, auszubilden, denn in etwa zehn Jahren werden wir einen starken Mangel an Fachkräften haben", betont Agenturchef Lehnert. "Jetzt ist das Potenzial da. Irgendwann ist es nicht mehr da", spielt er auf die demographische Entwicklung an.
Eine Nachvermittlung von Bewerbern ist noch möglich, weil im Markt noch Bewegung ist: Nach der Probezeit sieht es manchmal anders aus, auch entscheiden sich einige doch noch fürs Studium. Alternativen zur Lehre bietet die Arbeitsagentur mit Langzeitpraktika, berufsvorbereitenden Lehrgängen und außerbetrieblichen Ausbildungen.
Für ausbildungsfördernde Maßnahmen hat die Arbeitsagentur 2007 in beiden Städten 9,22 Mio E ausgegeben, davon allein 7 Mio zur Förderung benachteiligter Jugendlicher. Zur Ausbildungsförderung gehört etwa der Stützunterricht für die Berufsschule: Damit nicht der Meister mit dem Azubi Mathe üben muss.
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