In Mülheim gibt es immer mehr Handysünder am Steuer

Wer am Steuer sein Handy bedient, riskiert sein eigenes Leben und das der anderen Verkehrsteilnehmer.
Wer am Steuer sein Handy bedient, riskiert sein eigenes Leben und das der anderen Verkehrsteilnehmer.
Foto: Lars Heidrich/ Funke Foto Services
Zahl der Bußgelder gegen Mülheimer Autofahrer, die sich vom Mobiltelefon ablenken lassen, hat sich verdoppelt. Auch Radfahrer und Fußgänger gefährdet.

Mülheim.. Kopf runter und ab dafür – immer mehr Autofahrer, Radler und Fußgänger haben statt der Straße ihr Smartphone im Blick. Das Hantieren mit dem Handy, vor allem das Schreiben von Nachrichten, sehen Fachleute verstärkt als Unfallursache und verweisen auf die (wieder) gestiegene Zahl von Auffahrunfällen. Für die Polizei ein Grund, das Thema zu einem Schwerpunkt zu machen. Fahrzeugführer, die während der Fahrt ihr Mobiltelefon in der Hand haben, müssen mit 60 Euro Bußgeld rechnen.

Das verstärkte Hinsehen muss man wohl im Hinterkopf behalten, wenn man diese Zahlen bewertet, dennoch sind sie nicht ohne: Laut Polizeisprecher Marco Ueberbach verhängte allein die Mülheimer Polizei-Inspektion im Jahr 2013 genau 611 Bußgelder gegen Autofahrer, die die Hände vom Steuer nahmen und zum Handy griffen. 2014 verdoppelte sich die Zahl etwa auf 1204. „Das zeigt den Stellenwert, den das Thema für uns hat“, sagt Marco Ueberbach und betont: „Wir haben da rigoros ein Auge drauf.“

Radfahrer lassen sich oft durch Musik ablenken

Handy-Sünder im Straßenverkehr zu bemerken, ist laut dem Pressesprecher nicht schwer, denn die „fahren als ob sie volltrunken wären“. Besonders gravierend sei das Schreiben von Nachrichten. „Das ist die totale Ablenkung. Man guckt in den Fahrzeuginnenraum, komplett von der Fahrbahn weg.“ Dabei gelte die Faustregel: Je später man reagiert und je höher die Geschwindigkeit, desto schwerwiegender der Unfall. Ein mangelndes Unrechtsbewusstsein beklagt die Polizei zudem. Dabei wurde im vergangenen Jahr das Bußgeld von 40 auf 60 Euro erhöht. Zudem gibt es einen Punkt in Flensburg.

Auch Fußgänger leben gefährlich

Auch der für Mülheim zuständige ADAC Nordrhein widmet sich dem Thema „Ablenkung“ seit einigen Jahren. Das Handy steht da ganz oben auf der Liste. „Ein paar Sekunden Blindflug können auf der Autobahn 50 bis 100 Meter bedeuten“, sagt Roman Suthold, Leiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein. Doch auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten sinkt die Reaktionszeit. Während die Polizei auf Kontrolle setzt, will der ADAC aufklären. Verschiedene Kampagnen habe man gestartet.

Auch Fahrradfahrer kontrolliert die Polizei. Problematisch sei beim Drahtesel (aber nicht nur da) neben Handys das Musikhören am Lenker. „Große Kopfhörer sind ja wieder modern. Mit ihnen ist man komplett abgeschirmt“, sagt Suthold. Ein Sinn sei so ausgeschaltet. Polizeisprecher Marco Ueberbach bittet zudem alle, die – vorschriftsmäßig – rechts ranfahren, um einen Anruf entgegenzunehmen, dabei nicht in Hektik zu verfallen: „Sicher ankommen ist wichtiger als alles andere.“