In Mülheim entflohene Kobra ist tot - Jagd kostete 100.000 Euro
08.04.2010 | 07:41 Uhr 2010-04-08T07:41:00+0200
Mülheim.Vor knapp drei Wochen ist eine hochgiftige Kobra in einem Mehrfamilienhaus ausgebüchst, aufwändig wurde gesucht - jetzt ist das Tier tot. Die Jäger fanden es am Donnerstag in einer Klebefalle. 100.000 Euro Einsatzkosten will die Stadt vom Besitzer zurückholen. Der allerdings ist mittellos.
„Mir sind mehrere Steine vom Herzen gefallen“, sagt Philip Schröder. Kein Wunder. Denn nach drei Wochen können er und seine Lebensgefährtin wieder in ihre Wohnung an der Kleistsraße zurückkehren. Der Kobra-Alarm in dem Mehrfamilienhaus Kleiststraße 161 konnte am Donnerstagmorgen aufgehoben werden. Bei einer routinemäßigen Ortsbegehung fand Torben Rankl von der Reptiliengruppe der Düsseldorfer Feuerwehr um acht Uhr die hochgiftige Schlange, die Schröders jungem Nachbarn am 18. März entwichen war - und nicht nur die drei Mietparteien des betroffenen Hauses in Atem gehalten hatte.
Das 30 Zentimeter lange Tier war auf einem der im ehemaligen Schlafzimmer ihres Halters ausgelegten Klebestreifen verendet. Die Schlange war also offensichtlich noch in der inzwischen entkernten Wohnung ihres Besitzers, wo man sie vor Tagen selbst mit Hilfe endoskopischer Spezialkameras des Technischen Hilfswerkes nicht hatte aufspüren können. Feuerwehrmann und Reptilienexperte Rankl, der selbst eine allerdings nicht giftige Schlange besitzt, vermutet, dass die Erwärmung der letzten beiden Tage die junge Monokel-Kobra aus ihrem Refugium gelockt hat. „Ich bin da ohne Angst, aber mit Sorgfalt und einem gewissen Respekt herangegangen“, schildert der Feuerwehrmann den Moment, als er die Kobra samt Klebstreifen vom Boden aufhob, um sie später auf der Motorhaube eines Fahrzeugs den Pressefotografen zu präsentieren.
Aus dem Versteck locken
Ursprünglich hatten Feuerwehr und Ordnungsamt am Donnerstag die zweite Runde der Schlangenjagd einläuten wollen. Geplant waren das Auslegen von kleinen Mäusen, die die Schlange als Köder aus ihrem Versteck locken sollte. Das gleiche Ziel wollte man auch mit dem systematischen Aufheizen der Wohnungen und dem Auslegen feuchter Lappen erreichen, um, wie es Stadtsprecher Volker Wiebels formulierte: „eine tropische Atmosphäre zu schaffen.“ Das war jetzt nicht mehr nötig. Stattdessen wurde die kleine Kobra in einem unscheinbaren Plastikbehälter zum Tierheim an der Horbeckstraße gebracht, wo sie gut gekühlt eingelagert wurde. Von dort aus tritt es dann in den nächsten Tagen ihre letzte Reise nach Marl an, um in der dortigen Tierkörperbeseitigungsstelle verbrannt zu werden.
Auch Stadtsprecher Wiebels machte aus seiner Erleichterung nach dem Schlangenfund keinen Hehl, in dem er feststellte: „Auch wenn das mit einem hohen Kostenaufwand verbunden war, können wir jetzt sagen, dass unsere Einsatztaktik richtig war und jedes Restrisiko für die Bewohner beseitigt werden konnte.“ Die Gesamtkosten, die der Kobra-Alarm an der Kleiststraße verursacht hat, schätzt Wiebels auf rund 100.000 Euro. Sie laufen zunächst alle bei der Stadt auf, die sich aber ihrerseits an den jungen Schlangenbesitzer halten will. Der ist als Hartz-IV-Empfänger zwar mittellos, „aber das“, so Wiebels, „ist für uns erst mal zweitrangig“. Der junge Mann sei der Verursacher - also bekomme er auch die Rechnung präsentiert. Wie deren Begleichung dann letztlich aussehe, sei noch zu prüfen.
„Unangenehmes Gefühl“
Neben den Kosten für Personal- und Technikeinsatz von Feuewehr, Ordnungsamt und THW, müssen auch die umfangreichen Umbaumaßnahmen in der Wohnung des Schlangenhalters sowie Miet- und Transportkosten für die Ausweichquartiere der betroffenen Nachbarn bezahlt werden.
Nachbar Schröder und seine Lebensgefährtin waren zum Beispiel mit einem Teil ihrer Möbel in eine Wohnung des Ordnungsamtes umgezogen. „Das war ein total unangenehmes Gefühl, so plötzlich seiner Beheimatung beraubt zu werden“, erinnert sich Schröder an sein Leben im Ausnahmezustand. obwohl er auf seinen jungen Nachbarn, der das Haus an der Kleiststraße zur Schlangengrube machte, offensichtlich nicht wütend ist, ist er sich doch mit dem zuständigen Einsatzleiter Wolfgang Fischer vom Ordnungsamt und Sven Werner von der Mülheimer Berufsfeuerwehr einig, dass der Gesetzgeber in NRW gefordert ist, um, wie in anderen Bundesländern, bereits üblich, ähnliche Vorfälle in Zukunft durch eine zertifizierte Eignungsprüfung für Schlangenhalter, so weit wie eben möglich, zu vermeiden.

10:25
Hartz IV- Empfänger sollte man werden, denn dann kann man machen was man will und nichts dafür bezahlen. Erst füttern wir solche Typen durch und wenn sie Mist gebaut haben stehen wir auch noch dafür ein.
21:56
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22:19
Sicher, dass dem guten Jungen nur eine Schlange entwichen ist?
Vielleicht sollte man vorsichtshalber die ganze Siedlung entkernen....
14:08
Immer schön locker durch die Hose atmen. Für die Weitergabe der Kosten braucht die Stadt erstmal eine Rechtsgrundlage. Da hat Herr W. ja gestern selbst schon im WDR gesagt, dass die Kostenpflicht z.B. bzgl. der Feuerwehr reichlich fraglich ist. Fallen ggf. schon mal 42.500 Euro weg. Ob die Maßnahmen verhältnismäßig i.S.d. § 15 waren, können ja mal ein paar Juristen ein paar Jahre diskutieren. Da könnte dann auch noch mal was wegfallen. Vermutlich werden wir alle nie erfahren, was an Kosten letzlich übrig blieb, weil die Presse daran kein Interesse mehr haben wird.
14:01
Armes Deutschland
10:57
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10:54
Für jeden Hund, der auch nur mal irgendwas kaputt machen könnte, brauchen die Halter eine Haftpflichtversicherung. Warum dann nicht auch, wenn man solch ein gefährliches Tier hält? Das würde zum einen diejenigen davon abhalten ein solches Tier zu kaufen, um damit bei Freunden cool zu wirken, ohne die nötige Eignung dafür zu haben, und andererseits derartige Schäden abzudecken. Bleibt immer noch zu hoffen, dass es sich immer nur um solche Schäden handelt, die keinen Menschen (vor allem Dritte) verletzten. Wenns den Halter trifft, nenne ich das eigenes Risiko. Dafür sollte der Verstand dann schon reichen - hoffe ich jedenfalls. Den Tieren geht es bei solch unsachgemäßen Haltungen eh schon dreckig genug.
08:26
@#76 a) von 359 Euro im Monat - weil die darf er verwenden wie er möchte - soweit sind wir hier in Deutschland noch nicht, dass man auch noch vorschreibt wofür diese Almosen verwendet werden dürfen - und b) es gibt kein Gesetz, dass das Halten eines solchen Tieres verbietet und c) hat das Tier bzw. der Halter keinen Schaden verursacht, die Schäden wurden ausschließlich von den Behörden verursacht. So und nun dürfen Sie wieder in der braunen Brühe untertauchen, aus der sie zum Kommentieren aufgetaucht sind.
08:17
Will gar nicht wissen wieviel giftige Skorpione , Schlangen und Frösche so täglich einem Besitzer abhanden kommen. Die meisten von denen sind wohl nicht so nett und geben bescheid.
Die Frage ist wohl eher ob man solche Tiere weiter zum Kauf anbieten sollte.
Meiner Meinung nach ist dies das eigentliche Problem.
Schlangen und Spinnen tummeln sich ja mittlerweile in jedem dritten Jugendlichen Zimmer. Eigentlich hab ich nix dagegen , die meisten sind nicht giftig und harmlos. Schafft vielleicht so auch irgendwann den ekel einiger Leute loszuwerden.
Denoch: Giftige Tiere sind gefährlich....
07:08
War doch ne super Übung für die Feuerwehr und alle anderen Experten, die Giftschlangen und wie man gegen sie vorgeht, sonst sicher nur aus der Theorie kennen...
Die werden sich über den Nervenkitzel gefreut haben!!!