In Formation gebracht

Foto: WAZ FotoPool

Wer es durch den urig-urbanen Durchgang zum Hinterhaus an der Friedrich-Ebert-Straße 48 geschafft hat, wird sich vermutlich die Augen reiben, wenn er die Räume des kleinen Technik-Museums über Kopieren & Co. „Makroscope“ betritt: Da leuchtet, flirrt und schillert dem Besucher eine Weltkarte der besonderen Art entgegen: Das Wandobjekt aus alten Schallplatten, Disketten, Silberlingen und Datenträgern aller Größen und Coleur hat Gabriele Klages zu einem großen Gesamtwerk komponiert. Oder eher „in Formation“ gebracht, wie der Titel der Ausstellung lautet.

Auf den angestrahlten Silberlingen bricht sich das Licht und spiegelt das Spektrum der Regenbogenfarben in den Raum. Ähnlich einer Disco-Kugel drehen sich von der Decke baumelnde Objekte, die das irisierende Spiel aus Farbe und Bewegung in Gang bringen. Längst überholte, aber auch noch aktuelle Hinterlassenschaften der Informations-Technologie hat die Künstlerin zu den Kontinenten der Datenwelt vereint – mit Hilfe von Kabelbindern. Die sind inzwischen ein Markenzeichen von Gabriele Klages geworden und finden zahlreich Anwendung.

Neben dieser eher auffallend und farbintensiven Installation befinden sich im Nebenraum monochrome Werke von fast meditativer Wirkung und gänzlich ästhetischer Ausstrahlung. Zumeist schwarze, weiße und graue Dia-Rahmen hat die Künstlerin benutzt, neu zusammengesetzt, und so prägnante Muster geschaffen, an denen sich das Auge förmlich festsaugt.

Aus dem Alten etwas vollkommen Neues und Anderes schaffen: Der Prozess dieser „Transformation“ verbindet die Objekte und Installationen von Gabriele Klages: Bestehende Informationsstrukturen werden aufgelöst und in einem schöpferischen Prozess neu formuliert. Wenn heute überall von Nachhaltigkeit die Rede ist, praktiziert sie dies schon lange in ihrer Kunst. Gabriele Klages verwendet „ausgediente und ausgemusterte Dinge, die nicht mehr gebraucht werden“. Das können Plastikflaschen und Verschlüsse aus dem Haushalt sein – alle möglichen Dinge aus dem Alltag verarbeitet sie zu ausnehmend spannenden und interessanten Arbeiten, deren Ursprung häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar ist.

Von der Technik ließ sich die Absolventin der Essener Folkwang Universität der Künste in ihrem künstlerischen Werdegang leiten, der beim Siebdruck begann und sich über die Copy Art weiter entwickelte. Und diese Arbeiten am Kopierer auf Papier dürfen bei ihrer ersten Einzelausstellung natürlich auch nicht fehlen: alles eine Sache von „in Formation“.