In der Via-Debatte will Mülheim keine Brechstange ansetzen

Frostiges Klima herrscht zurzeit zwischen den Via-Städten. Weil Duisburg aussteigen will, müssen Mülheim und Essen bald neu starten.
Frostiges Klima herrscht zurzeit zwischen den Via-Städten. Weil Duisburg aussteigen will, müssen Mülheim und Essen bald neu starten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach dem Duisburger Ausstieg aus der Via-Verkehsgesellschaft wollen Parteien und Stadt behutsam vorgehen. Neue Partner könnten einsteigen.

Mülheim.. Nachdem die Stadt Duisburg ihren Ausstieg aus der Via-Verkehrsgesellschaft erklärt und die Weichen für sich auf Scheidung gestellt hat, überlegen Parteienvertreter, wie Mülheims Verkehrsgesellschaft (MVG) und Essener Verkehrsgesellschaft (Evag) auf einem gemeinsamen Weg weiterfahren können. Viele bedauern den Duisburger Ausstieg. Sie sagen auch: Nur ein gemeinsamer Betrieb mit Entscheidungs- und Betriebsführungskompetenz kann dauerhaft Kosten sparen. Das müsse Ziel für die gesicherte Zukunft sein.

„Der Öffentliche Personen-Nahverkehr muss zuverlässig, pünktlich, sicher und günstig sein“, betont Oberbürgermeister Ulrich Scholten. Davon rückt er nicht ab. „Das Deloitte-Gutachten zeigt gute Wege. Wir werden am 28. Januar im Rat eine Vorlage beraten und die Zukunft für eine neue Via vorbereiten“, erklärt Scholten gestern. „Wir werden auch besonnen Gespräche mit Nachbarstädten und anderen Verkehrsunternehmen führen und uns dabei jetzt nach Osten orientieren.“ Das Defizit der MVG deutlich reduzieren, ohne das Angebot an Bahnen und Busse weiter auszudünnen, ist aus Sicht des Oberbürgermeisters jetzt Pflicht.

"Nicht die Brechstange ansetzen"

In dieser Straßenbahn sitzt auch Axel Hercher. „Ohne Zusammenarbeit können wir in teuren Führungs- und Abteilungsleiterebenen keine Kosten sparen“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen. Ob das Duo MVG und Evag in Zukunft fahrfähig ist, bezweifelt Hercher. „Fernziel muss sein, alle Verkehrsbetriebe des Ruhrgebietes in einer Firma zusammenzuführen. Das entspricht der Größe der Berliner Verkehrsgesellschaft.“ Ein nach Gemeindegrößen besetzter Aufsichtsrat reiche. „Heute gibt es pro Stadt je einen Aufsichtsrat und einen für Via. Das sind zu viele und das ist zu teuer“, sagt Hercher. Die Regierungspräsidentin könne Druck über den Haushalt ausüben.

„Man darf jetzt nicht überstürzt handeln und die Brechstange ansetzen. Wir müssen nun behutsam die Egoismen und Missgunst ausräumen“, erklärt Wolfgang Michels, Aufsichtratsvorsitzender der MVG. „Es gibt viel fruchtbare Zusammenarbeit mit Duisburg. Mit der Evag ist das nicht so.“ Die Via soll es auch in Zukunft geben, vor allem kostengünstiger. „Mit aufgeblähten Abteilungen wie in Essen geht das nicht.“ Michels, auch CDU-Fraktionsvorsitzender, unterstützt den Oberbürgermeister darin, einen gut geführten Gemeinschaftsbetrieb für die Kunden auf den Weg zu bringen. Die überstürzte Reaktion des Essener Oberbürgermeisters Thomas Kufen (CDU) enttäuscht ihn.

Die SPD will den Neustart für Via in Ruhe beraten. Das Deloitte-Papier zeige, was zu ändern sei. „Wir haben eine schwierige Gemengelage zu lösen“, meint Claus Schindler. Für Fahrgäste dürfe das jetzt keine Nachteile bringen.