In der Mülheimer Innenstadt steht jedes fünfte Geschäft leer

In der Mülheimer Innenstadt stehen bereits viele Geschäfte leer. Und es könnten noch mehr werden.
In der Mülheimer Innenstadt stehen bereits viele Geschäfte leer. Und es könnten noch mehr werden.
Foto: Stephan Glagla / FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
Von 350 Ladenlokalen stehen in der Innenstadt aktuell 70 leer, deutlich mehr als noch vor drei Jahren. Und die Tendenz ist steigend.

Mülheim.. Das Gesicht der Innenstadt ist im stetigen Wandel. Von 350 Ladenlokalen stehen aktuell 70 leer – Tendenz steigend. Was hat sich 2014 getan, was steht in 2015 an? Bei einem Rundgang durch die Innenstadt erklären MST-Citymanagerin Gudrun von der Linden, Planungsdezernent Peter Vermeulen und Chef-Wirtschaftsförderer Jürgen Schnitzmeier, wo Leerstände plagen und wo man sich über Neuansiedlungen freut.

Schloßstraße
Unser Rundgang beginnt auf der oberen Schloßstraße. „Dass der Vorbau modernisiert wurde, ist ein positives Zeichen“, sagt Jürgen Schnitzmeier mit Blick auf das Forum. Schließlich spiele die Optik in der Vermarktung eine große Rolle. Vorbei geht es an einem Frisörgeschäft, Café und Handyladen in Richtung Medienhaus. „Mit diesem ist es gelungen, einen Anker in die Mitte der Innenstadt zu verlegen, der Publikum anzieht – eine Aufwertung“, wie Schnitzmeier findet. Gegenüber kaufen Kunden in einer neuen Rossmann-Filiale ein. Neben dem modernen Drogisten jedoch dominiert bereits seit Jahren die Tristesse: Graue Fassaden und Leerstand. „Hier ist es entscheidend, mit den Eigentümern zu sprechen“, sagt der Wirtschaftsförderer.

Ein schwieriges Unterfangen, wenn es sich wie in diesem Fall um eine Gesellschaft mit Sitz außerhalb der Stadt handelt, an die nur schwer ranzukommen ist, weiß Peter Vermeulen. Versuche, den Eigentümer zu Modernisierungen zu bewegen, scheiterten bisher.

Ohnehin gelinge ein Aufwerten der gesamten Innenstadt nur, wenn alle Beteiligten mitziehen. „Man muss es schaffen, das Niveau im Ganzen zu heben, damit sich Investitionen am Ende auszahlen“, erklärt Schnitzmeier. Nur so könne eine kaufkräftigere Wohnklientel erreicht und damit entsprechendes Gewerbe angesiedelt werden. Doch von diesem Ziel ist man in der Mülheimer City noch weit entfernt. „Die Frequenzen sind derzeit unterirdisch – das ist das Kernproblem.“

Weiter geht es die Einkaufsstraße hinunter, vorbei an Bäckereien, Goldankaufgeschäften und Ein-Euro-Shops. „Gefühlt meinen viele, es gebe nur noch Ramschläden“, sagt City-Managerin Gudrun von der Linden. „Doch von diesen Euro-Shops gibt es tatsächlich nur zwei in der City.“ 80 Prozent der Geschäfte seien dagegen von Eigentümern geführt.

Mit der Gastro-Kette „Alex“ zieht im März ein neues Lokal an die Ecke Schloß-/Viktoriastraße – ein Hoffnungsträger, der mehr jüngeres Publikum anlocken soll.

Am Ende der Schloßstraße fällt der Blick auf das denkmalgeschützte Rieken-Haus, in das vor kurzem ein Nachfolger in die ehemalige Tengelmann-Filiale eingezogen ist – ein Matratzengeschäft. Einen Einzelhändler würde sich von der Linden für die Anwohner der unteren Schloßstraße wünschen. „Doch haben wir kaum Einfluss darauf, welches Gewerbe sich letztlich ansiedelt“, weiß auch Schnitzmeier. Gegenüber des Rieken-Hauses erinnert nichts mehr an die ehemalige Woolworth-Filiale. Auch hier sind die Räume leergezogen. „Aber eine super Lage“, findet Vermeulen.


Wallstraße / Löhberg

Ein trauriges Bild bietet sich dem Betrachter an der Wallstraße. Dort stehen gleich mehrere Lokale nebeneinander leer. Dabei galt diese Ecke der Stadtmitte für kurze Zeit als Kreativzentrum. Dann schlossen „Art Expo“, „U.T.A.“ und die „Ruhrpottlocals“. „Am Ende brauchen eben alle Unternehmer Umsatz und Frequenz“, weiß Jürgen Schnitzmeier.

Ein Händler hat den Schritt gewagt und ist mit seinem Laden von Saarn in die Innenstadt umgezogen. Radio Giesbert sitzt nun im ehemaligen Ladenlokal der Ruhrpottlocals an der Ecke Wallstraße/Löhberg. „Das ist sehr erfreulich“, findet die City-Managerin. Positives gebe es auch vom Löhberg zu berichten: Nachdem „Curry Art“ im vergangenen Jahr auszog, speisen Kunden seit November im „Futtern wie bei Muttern“ am Löhberg 22. Und: „Stammgeschäfte wie Pogge oder Prümer halten sich seit vielen Jahren dort erfolgreich“, freut sich von der Linden.

Wandel zu Qualität geht nur langsam vonstatten

Leineweberstraße

Weiter geht es in Richtung Leineweber über den Kohlenkamp. „Hier hat sich ein Shop angesiedelt, der eigentlich aus dem Online-Handel stammt“, sagt von der Linden. „Die Welt ist bunt“ bietet Kleinkunst für Daheim – Figuren, Bilder, Kalender. Ein Stück weiter auf der Leineweberstraße hat der alteingesessene Händler MSM-Moden dicht gemacht. Wo vorher Herrenanzüge hingen, kleben nun Zettel eines Maklerbüros. Ob es bereits einen Nachfolger gibt, sei nicht bekannt. Gudrun von der Linden zeigt nach rechts und verweist auf eine modern gestaltete Hausfassade. „Das ist ein gutes Beispiel für gelungene Modernisierung.“ Es bleibt nur die Hoffnung, dass weitere Eigentümer es dem Nachbarn gleichtun und nachziehen.

Die Umgestaltung der Leineweberstraße wird im Planungsamt in 2015 in den Fokus genommen. Peter Vermeulen verweist auf die Gehwegplatten, die durch das Wurzelwerk der Bäume nach oben gedrückt werden. „Da es diese Platten aus den Siebzigern nicht mehr gibt, müssen wir die Löcher mit Asphalt auffüllen.“ Ansehnlich ist das nicht. „Würden wir aber komplett neuen Bodenbelag aufbringen, müssten die Ladenbesitzer mitzahlen – das würde sehr kostspielig.“

Ein Blick geht auch in Richtung Kaiserplatz. „Die Kreuzung wird in diesem Jahr umgebaut, die Haltestelle der Kaiser- an die Leineweberstraße verlegt.“

Ein Wandel zu mehr Qualität, – bei Wohnen, Aufenthalt oder Einkauf – ist nur langsam umzusetzen und hängt von vielen Faktoren ab. Etwa den gesellschaftlichen und demografischen Entwicklungen sowie dem veränderten Kaufverhalten der Verbraucher, wissen alle Beteiligten.„Öffentliche Investitionen alleine helfen nicht“, sagt Jürgen Schnitzmeier. „Es ist ein Zehn-Jahres-Programm, das in der Gesamtentwicklung betrachtet werden muss.“ Weiterhin sei also eine Durststrecke zu überwinden, bis es wieder bergauf gehe. Erst wenn die Arbeiten rund um Rathausmarkt, Kaufhof sowie Ruhrpromenade abgeschlossen sind und die Studenten der HRW ihr neues Gebäude bezogen haben, könne mit einer Belebung und entsprechender Gewerbe-Ansiedlung gerechnet werden, ist der Wirtschaftsförderer überzeugt.

Integriertes Innenstadtkonzept

Damit alle Akteure aus Verwaltung, Händler- und Bürgerschaft an einem Strang ziehen, legte die Stadt bereits 2012 das Integrierte Innenstadtkonzept auf. In zwei Schritten (Analyse und Maßnahmen) wurde ein Programm entwickelt, dass die City nach vorne bringen soll. Eine der festgelegten Maßnahmen wird in 2015 verwirklicht: Das Innenstadt-Management, vom Land zunächst auf vier Jahre gefördert, wird voraussichtlich im Herbst seine Arbeit aufnehmen, kündigt Peter Vermeulen an. Dieses soll etwa Immobilien-Eigentümer und Bürger beraten. Aufgabe wird z.B. sein, Eigentümern Vorschläge zu unterbreiten, wie sich Fassaden kostengünstig aufhübschen lassen und welche Fördermöglichkeiten es dafür gibt. Weitere Förderprogramme aus dem Integrierten Innenstadtkonzept will das Bau- und Planungsdezernat in den kommenden Jahren einwerben.

Im Planungsamt steht für das Jahr 2015 vor allem die Planung des Rathausmarktes und des Radwegs „Rheinische Bahn“ auf dem Programm. Für die Umgestaltung des Rathausmarktes schließen seine Mitarbeiter Ende Februar die Planungen ab, so dass anschließend ausgeschrieben wird. „Ab September kann der Umbau dann starten.“

Zehn-Jahres-Programm

Ein Wandel zu mehr Qualität, – bei Wohnen, Aufenthalt oder Einkauf – ist nur langsam umzusetzen und hängt von vielen Faktoren ab. Etwa den gesellschaftlichen und demografischen Entwicklungen sowie dem veränderten Kaufverhalten der Verbraucher, wissen alle Beteiligten.„Öffentliche Investitionen alleine helfen nicht“, sagt Jürgen Schnitzmeier. „Es ist ein Zehn-Jahres-Programm, das in der Gesamtentwicklung betrachtet werden muss.“ Weiterhin sei also eine Durststrecke zu überwinden, bis es wieder bergauf gehe. Erst wenn die Arbeiten rund um Rathausmarkt, Kaufhof sowie Ruhrpromenade abgeschlossen sind und die Studenten der HRW ihr neues Gebäude bezogen haben, könne mit einer Belebung und entsprechender Gewerbe-Ansiedlung gerechnet werden, ist der Wirtschaftsförderer überzeugt.

Damit alle Akteure aus Verwaltung, Händler- und Bürgerschaft an einem Strang ziehen, legte die Stadt bereits 2012 das Integrierte Innenstadtkonzept auf. In zwei Schritten (Analyse und Maßnahmen) wurde ein Programm entwickelt, dass die City nach vorne bringen soll. Eine der festgelegten Maßnahmen wird in 2015 verwirklicht: Das Innenstadt-Management, vom Land zunächst auf vier Jahre gefördert, wird voraussichtlich im Herbst seine Arbeit aufnehmen, kündigt Peter Vermeulen an. Dieses soll etwa Immobilien-Eigentümer und Bürger beraten. Aufgabe wird z.B. sein, Eigentümern Vorschläge zu unterbreiten, wie sich Fassaden kostengünstig aufhübschen lassen und welche Fördermöglichkeiten es dafür gibt. Weitere Förderprogramme aus dem Integrierten Innenstadtkonzept will das Bau- und Planungsdezernat in den kommenden Jahren einwerben.

Im Planungsamt steht für das Jahr 2015 vor allem die Planung des Rathausmarktes und des Radwegs „Rheinische Bahn“ auf dem Programm. Für die Umgestaltung des Rathausmarktes schließen seine Mitarbeiter Ende Februar die Planungen ab, so dass anschließend ausgeschrieben wird. „Ab September kann der Umbau dann starten.“