Imbiss trifft Hausmannskost

Andere schließen ihr Geschäft in der Innenstadt. Andreas Kaese und Gabriele Schulz haben im November ihr Imbisslokal am Löhberg 22 eröffnet und es bisher nicht bereut. „Wir haben inzwischen 25 Stammgäste, die jeden Mittag bei uns essen“, freut sich Schulz.

Kulinarische Marktlücke geschlossen

Der Koch und die Kauffrau, die nicht nur beruflich, sondern auch privat ein Team sind, haben mit ihrem Lokal eine kulinarische Lücke in der Innenstadt geschlossen. Denn neben den Imbiss-Klassikern Currywurst, Schnitzel, Frikadelle und Pommes steht bei ihnen Hausmannskost, wie Grünkohl mit Mettwurst, serbische Bohnensuppe oder Kohlrollade mit Kartoffelpüree und Specksauce auf der Karte oder an den Tafeln, die Kaese jeden Tag neu beschriftet. „Das ist ja wie Futtern bei Muttern“, denkt man und liegt genau richtig. Denn der Name ist bei Kaese & Schulz Programm. „Natürlich gibt es in der Innenstadt genug Bäcker, Cafés oder Döner- und Pizza-Läden. Aber wir haben hier eine Nische besetzt. Denn Fast Food ist nichts für jeden Tag und jeden Geschmack“, beschreiben die beiden ihr gastronomisches Erfolgsrezept. Das wird, so hoffen sie, nicht nur am Löhberg, sondern auch in ihrem zweiten Imbisslokal ziehen, das sie am Rosenmontag am Förderturm in Heißen eröffnet haben.

„Unser erster Monat war schon schwer. Da war die Skepsis schon zu riechen. Viele Kunden haben erst mal nur reingeschaut, sind aber nicht reingekommen“, erinnert sich Gabriele Schulz an den Neustart in der Innenstadt. Inzwischen ernten sie und ihr Lebenspartner aber die ersten Früchte einer Qualität, die sich herumspricht. „Das Spektrum unserer Gäste reicht vom jungen Auszubildenden bis zur alleinstehenden Rentnerin“, erzählt Kaese. Schulz macht deutlich, dass es nicht die Laufkundschaft, sondern vor allem die Mitarbeiter aus dem Rathaus, aus Rechtsanwaltskanzleien, Arztpraxen, Einzelhandelsgeschäften und Apotheken seien, die das kleine Lokal mit seinen rund 20 Sitzplätzen, täglich zwischen 11 und 18 Uhr besuchen. Auch das Angebot, alle Gerichte als Hausmannskost „to go“ mit nach Hause zu nehmen, hat sich bewährt.

Wenn Kaese und Schulz von ihren Gästen Sätze zu hören bekommen, wie: „Das war echt lecker. Morgen komme ich wieder“ oder: „Jetzt bekomme ich endlich mal was Gescheites zu essen“, wissen sich ihre 16 Stunden-Tage lohnen, die sie nicht nur mit Kochen und Servieren, sondern auch mit Einkaufen und Buchhaltung zubringen. „Die allermeisten Gäste sind sehr sympathisch und wissen zu schätzen, was man für sie leistet. Da macht die Arbeit Spaß“, freut sich Schulz. Wirklich lachen musste sie, als neulich ein junger Mann ins Lokal am Löhberg kam und meinte: „Ich hoffe nicht, dass es wirklich, wie bei meiner Mutter schmeckt. Denn dann gehe ich lieber wieder!“ Er blieb, aß zu Mittag und kam am nächsten Tag wieder. Immer wieder staunen Kaese und Schulz darüber, dass auch Jugendliche, bei denen sie eher auf Pommes und Currywurst tippen, ganz selbstverständlich Grünkohl mit Mettwurst oder Erbsensuppe bestellen. „Auch junge Gäste merken eben, dass wir hier jeden Tag bei Null anfangen und alles frisch zubereiten, statt etwas aus der Tüte oder der Dose zuzukaufen“, freut sich Andreas Kaese.

Schon mit Vier wusste der Mann, dem man ansieht, dass er Lebensmittel nicht nur gerne verarbeitet, sondern auch verzehrt, er will Koch werde. „Damals habe ich für meine Mutter einen Pudding gekocht, der mir leider angebrannt ist“, erinnert sich Kaese. Wahrscheinlich schlugen da die Gene der Großmutter durch, die einst im Essener Handelshof gekocht hatte.

Mit 14 begann er dann seine Lehre im Mülheimer Restaurant Becker-Eichbaum. Weitere Restaurants und Hotels flankierten seinen beruflichen Weg, auf dem er auch seine heutige Lebenspartnerin kennenlernte. „Bei beleibten Köchen schmeckt es immer gut“, erinnerte sich Gabriele Schulz an den Rat ihrer Mutter, als sie Andreas Kaese zum ersten Mal sah. Die beiden wurden auch beruflich ein Paar, das vor seinem Wechsel in die Innenstadt unter anderem den Krug zur Heimaterde und das Flughafenrestaurant geführt hat.