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POLITIK

Im Gedenken vereint?

24.09.2009 | 08:30 Uhr

Die Bezirksvertretung und der Bürgerverein wollen in Dümpten der Gefallenen der Bundeswehr gedenken. Eine Inschrift an dem bisherigen Mahnmal für getötete Soldaten der Weltkriege galt bislang als geeignete Stelle. Doch jetzt gibt es historisch motivierte Bedenken.

Die Möglichkeit, dass der gebürtige Hesse Franz-Josef Jung weder den Dümptener Bürgerverein, noch die Bezirksvertretung Rechtsruhr-Nord kennt, ist groß. Gleichwohl hat ein TV-Interview des Verteidigungsministers für Dümpten Bedeutung erlangt. Als Jung in Afghanistan getötete Soldaten „Gefallene” nannte, entschloss sich der Bürgerverein, die Vokabel konsequent umzusetzen. „Unseren Gefallenen” gedenkt schließlich schon das Mahnmal an der Barbarastraße und mit dem Zusatz „Bis zum heutigen Tage” ließe sich das Erinnern leicht in die Gegenwart hinüberziehen. Seitdem fand die Idee viele Fürsprecher. Dennoch stockt die Umsetzung.

"Breite Diskussion": Bezirksbürgermeister Knut Binnewerg (SPD)

Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen, wie sich der Vorsitzende des Bürgervereins, Carsten Schmidt, erinnert. In Dümpten war man sich schnell einig und im ehemaligen Stadtdechanten Manfred von Schwartzenberg gab es einen Unterstützer, der sogar die Formulierung für das veränderte Mahnmal ersann. „Das musste schließlich alles korrekt sein”, findet Schmidt.

"Nicht zufrieden": Carsten Schmidt, Vorsitzender des Dümptener Bürgervereins.

Am 16. Juni trug er das Anliegen dann in der Bezirksvertretung 2 vor. Bezirksbürgermeister Knut Binnewerg (SPD) hatte das Thema flugs auf die Tagesordnung gesetzt. Immerhin bestand ein gewisser Zeitdruck. Zum Volkstrauertag Mitte November sollte das Mahnmal bereits fertig sein. Es war in den 50er Jahren vom Dümptener Bürgerverein gestiftet worden, steht aber auf städtischem Boden. Binnewerg hatte deswegen keine Probleme damit, für die Inschrift Mittel aus dem Verfügungsetat der Bezirksvertretung beizusteuern.

Die Sitzung verlief gut, erinnert sich Schmidt, eine klare Mehrheit war für das Anliegen, große inhaltliche Streitpunkte tauchten nicht auf, und so segnete das Gremium die Idee ab und gab 390 Euro aus seinem Etat dazu. Das Bedenken, das Wolfgang Sauerland als Vertreter der Stadtverwaltung zu Protokoll gab, ordnete man unter „Formalie” ein. Weil das Mahnmal eine „gesamtstädtische Wirkung” habe, solle man doch das Votum des Ältestenrates einholen.

Dort sitzen die Spitzenvertreter der Fraktionen und der Stadtverwaltung und klären Verfahrensfragen der Stadtpolitik. Am 16. September kam das Gremium zusammen - und verwarf überraschend die Planung. So jedenfalls ist es Schmidt auf Nachfrage berichtet worden. Genaueres weiß er nicht, weil der Ältestenrat nicht öffentlich tagt und auch Binnewerg noch keine schriftliche Reaktion vorliegen hat. Dem Vernehmen nach teilt der Ältestenrat zwar die Idee, nicht aber die Ausführung. Bundeswehrsoldaten in einem Atemzug mit Wehrmachts- und Reichswehrsoldaten zu nennen, wird als unglücklich eingeschätzt. Immerhin stellt auch das neue Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin keine Bezüge zu den Weltkriegen her (s. Kasten).

Schmidt stellt das „nicht zufrieden”, wie er sagt. Er hält eine Trennung im Gedenken für ebenso falsch wie Binnewerg, der nicht zwischen guten und bösen Kriegen unterscheiden mag. Gleichwohl: Die Bundeswehr stand und steht nicht in der Tradition ihrer Vorgänger. Warum sollte man das im Gedenken verwischen? Eine prompte Antwort hat Binnewerg da nicht. Er hofft, dass man darüber jetzt „ernsthaft und breit diskutiert”, weil er die Frage, wie der Bürgerverein, für eine wichtige hält.

Und eines hofft er noch viel mehr: „Dass die Diskussion dem Thema angemessen ist.”

Detlef SCHÖNEN

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Kommentare
24.09.2009
11:28
Im Gedenken vereint?
von voltago | #1

Wie kann es angehen, zwischen dem
1. Deutschen Heer,
2. Wehrmacht,
3. Bundeswehr nicht unterscheiden zu wollen?????
Dies zeugt aber von einem eklatanten historischen Un-, bzw Fehlwissen.
Ebenso erscheint mir der Gedanke, Kriege bezüglich ihrer Ursache und Wirkung nicht unterscheiden zu wollen, mehr als abwegig.
Meist sind solche Verallgemeinerungen politisch und Ideologisch begründet, und gerade dieses sollte aber bei der Schaffung von Gedenkstätten und -mälern eben nicht ausschlaggebend sein.
Der anständige Soldat der Deutschen Wehrmacht, der versuchte sauber zu bleiben, blieb trotzdem immer noch ein Angehöriger einer Angriffsarmee.
Dieses ist doch auf keinen Fall mit der Situation der Bundeswehr zu vergleichen. einer Armee, deren Grundlage die Demokratische Grundordnung war und ist, und die insbesondere die neue Sicht auf den Soldaten schuf, - eben als Bürger in Uniform.
Es geht also überhaupt nicht an, die Armeen des Kaiserreiches, der nationalsozialistischen Diktatur und der BRD in einen Gedenktopf schmeißen zu wollen.
(Und wo bitteschön bleibt eigentlich in diesem Zusammenhang die Reichswehr, als offizielle Armee der Weimarer Republik, und deren Opfer???? Ist das wieder dieses eklatante Unwissen, das diese deutsche Armee schlichtweg übersieht?)
Wir sollten uns von der politischen und idelogischen Orientierung hinsichtlich dieser Gestaltungsfrage eines Denkmals lösen. Und natürlich gibt es auch gute und böse Kriege.
Wer dieses in Frage stellt, zweifelt letztendlich auch, in seiner Konsequenz den Befreiungskrieg, bishin zum Tyrannenmord in Frage.
Das sollten sich diese Herrschaften vielleicht mal vor Augen führen.
Gruß

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