Im Einklang mit sich und der Kunst

Von Klangbildern ist die Rede in der Musik, von Bildklängen in der Kunst. Wie verbunden die Wahrnehmung von Auge und Ohr ist, zeigt der Künstler Eberhard Ross. Die Schwingungen hat er in seinen Bildern als inneres Leuchten gespeichert. Seine Werke sind eine Hommage an den Jazz-Musiker Keith Jarrett und den koreanischen Musiker Hwang Byungki. Als Residenz-Künstler arbeitete Eberhard Ross drei Monate lang in einem Atelier am Youngeun Museum of Contemporary Art in Südkorea nahe Seoul. Was dort entstanden ist, zeigt er in einer Ausstellung in der Essener Galerie Frank Schlag.

Südkorea ist weit und ganz anders. Wie groß war das Heimweh?

Die ersten zwei Wochen war das Heimweh groß, weil ich sehr viel Theater hatte. Wirklich grausam waren die Zollgeschichten. Die Kiste mit den zwei Wochen vorher geschickten Leinwänden war nicht da. Es hieß, ich müsste noch ein Formular unterschreiben oder ich könnte 350 Dollar zahlen, dann müsste ich nichts unterschreiben. Da habe ich gedacht: Aha, okay.

Wie groß sind die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Korea?

Letzten Endes ist es schon ein riesiger Unterschied. Besonders in den professionellen Standards. Ich als guter Deutscher mit dem Sternbild Skorpion bin mit einem kompletten Plan angekommen. Voll organisiert. Da hat man mich angeguckt, als ob ich vom Mars käme. Beispiel Übersetzung: Texte mussten ins Koreanische übersetzt werden. Da hieß es: kein Problem und dann kommt nix wie heiße Luft. Und so lief es permanent.

Wie muss man sich den Alltag in Südkorea vorstellen?

Bei der Arbeit hat das Heimweh dann nachgelassen. Das Museum liegt in einem riesigen Park und war von den Bedingungen her fantastisch. Man muss natürlich dafür disponiert sein: Für mich war es wie eine positive Arbeits-Isolationshaft, da war nix rings herum. 15 Minuten war es bis zum Supermarkt und in die Stadt. Aber die Stadt ist halt eine reine Dienstleistungsstadt. Und ich habe mit Discos und Bars eh nichts zu tun.

Also war es ein Rückzug in eine Art Kokon?

Ja, ich habe mich dort in ein gutes Nest gesetzt, weil ich das erste Mal in meinem Leben knapp zwei Monate täglich von 8 Uhr morgens bis manchmal bis nachts um 2 Uhr durchgearbeitet habe. Das war für mich ein enormer Lernprozess. Wenn man kontinuierlich arbeitet, kommt man in ganz andere Sphären, gerade bei meiner Arbeit, die ganz stark abhängig von Ruhe ist. Ich habe mich dabei erholt und für mich wichtige Dinge tun können. Beispielsweise habe ich sämtliche Farben mal registriert. Ich weiß jetzt, dass man innerhalb von zwei Monaten zwölf Kilo Ölfarbe vermalen kann. Für mich ist es eine äußerst intensive Zeit gewesen.